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Münchner Apotheken-Mitarbeiterin hat 500 Impfpässe gefälscht: So äußert sich jetzt ihr Chef

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Von: Nadja Hoffmann, Andreas Thieme

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In der Schwabinger Kaiser-Apotheke kam es zu einer Razzia. Eine Mitarbeiterin wurde festgenommen
In der Schwabinger Kaiser-Apotheke kam es zu einer Razzia. Eine Mitarbeiterin wurde festgenommen © ACHIM FRANK SCHMIDT

Hunderte Impfpässe wurden in einer Münchner Apotheke gefälscht. Bei einer Razzia nahm die Polizei in Schwabing eine Mitarbeiterin fest - sie sitzt in Untersuchungshaft. Ihr Chef äußert sein Entsetzen.

München - Ins Restaurant oder zum Konzert? Das geht fast nur noch mit Impfnachweis. Doch längst nicht jeder will das akzeptieren oder sich tatsächlich impfen lassen. Entsprechend groß ist der illegale Schwarzmarkt - gefälschte Impfnachweise sind längst ein bundesweites Problem.

Nach Razzia in München: Eine Mitarbeiterin sitzt jetzt in Untersuchungshaft

Am Freitag ist das Thema endgültig in München* angekommen: Bei einer Razzia nahm die Polizei die Mitarbeiterin einer Apotheke in Schwabing fest*, dazu auch einen mutmaßlichen Komplizen. Beide sollen Impfpässe in großem Stil gefälscht haben. Den Ermittlungen zufolge handelt es sich um 500 Dokumente, die allein im Oktober gefälscht worden waren. Im Internet konnte man sie zum Preis von 350 Euro kaufen.

500 gefälschte Dokumente allein im Oktober: Die Spur der Ermittler führte nach Schwabing

Die Spur der Ermittler führte schon im August zur Kaiser-Apotheke in Schwabing*. Auf Nachfrage bestätigt Inhaber Christian Müller-Faßbender (54) nun unserer Redaktion: „Ja, es stimmt. Der Vorfall war bei uns. Eine unserer Mitarbeiterinnen ist am Freitag verhaftet worden.“ Es sei „eine sehr missliche Lage für uns. Wir bedauern extrem, was passiert ist und sind entsetzt“, so der Inhaber. „Wir sind intensiv um Aufklärung bemüht und arbeiten mit den Ermittlungsbehörden zusammen.“

Ohne digitalen Impfnachweis gibt es kaum noch Zutritt zu Restaurants und Konzerten
Ohne digitalen Impfnachweis gibt es kaum noch Zutritt zu Restaurants und Konzerten © Friedrich Stark

Zuständig ist die Bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Betrug und Korruption im Gesundheitswesen (ZKG). „Bei der Durchsuchung wurden auch elektronische Dokumente sichergestellt“, sagt Oberstaatsanwalt Matthias Held. Schon bei der ersten Sichtung habe sich der Verdacht ergeben, dass die Apotheken-Mitarbeiterin mit drei weiteren Personen einer Bande in Kontakt war, die falsche digitale Corona-Impfausweise ausgestellt haben sollen - also jene Zertifikate fürs Handy, mit denen man als Geimpfte/r gilt.

„Wir konnten das nicht erkennen“, sagt Christian Müller-Faßbender. „Die Mitarbeiterin hat das alleine ausgelöst. Zum Glück wurde alles schnell gestoppt.“ Seit mehr als einem Jahr sei die Mitarbeiterin in der Kaiser-Apotheke beschäftigt gewesen. „Bis zu den Vorfällen gab es keinen Anlass zu Verdächtigungen“, so Müller-Faßbender. Er selbst sei sehr betroffen, denn für die Zusammenarbeit in der Apotheke sei „ein großes Vertrauensverhältnis notwendig“. Das zur Mitarbeiterin sei „zerstört“. Sie sitzt, ebenso wie ein mutmaßlicher Komplize, in U-Haft.

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Gefälschte Impfpässe: Tätern droht bis zu zehn Jahren Haft

Die Arbeit in der Schwabinger Apotheke geht aber weiter. Seinen Kunden verspricht der Inhaber: „Wir werden im Sinne aller Patienten unser Bestes geben, um sie zu beraten und zu versorgen.“ Das Problem aber bleibt: Die Dunkelziffer bei gefälschten Impfausweisen ist hoch.

„Diese Leute setzen aufgrund der unkalkulierbaren Infektionsrisiken das Leben anderer aufs Spiel. Es drohen zu Recht hohe Strafen“, sagt Innenminister Joachim Hermann. Den Tätern drohe „pro Fall zwischen sechs Monaten und zehn Jahren Haft“, sagt Oberstaatsanwalt Held. Auch, wer einen gefälschten Impfpass vorzeigt, macht sich strafbar: Hier droht Geldstrafe oder bis zu einem Jahr Haft. *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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