Barfrau im "Kapitol" erstochen

Musste Natallia G. wegen eines Streits sterben?

München - Schock im Bahnhofsviertel: Die Geschäftsführerin einer Tabledance-Bar ist am Dienstag in ihrem Laden erstochen worden. Die Polizei geht von Mord aus. Die Bardame hatte sich zuvor mit einem Gast gestritten.

Kopfschüttelnd steht Fathi Wali in seinem kleinen Internet-Café an der Arnulfstraße. „Das ist ein Schock“, sagt der Inhaber leise. Nebenan hat die Polizei den Bürgersteig vor dem Nachtclub „Kapitol“ abgesperrt. Ein großer Blutfleck vor dem Eingang der Tabledance-Bar lässt nur erahnen, dass sich hier ein Verbrechen abgespielt hat: Die 35-Jährige Geschäftsführerin und Bar-Dame Natallia G. wurde in dem Etablissement Opfer eines Mordes. „Sie hat bei mir oft Zigaretten gekauft. Sie war eine freundliche Frau“, sagt Wali und blickt ratlos drein. Die Hintergründe der grausamen Tat waren am Dienstag noch unklar. Die Polizei bestätigte jedoch, dass Natallia G. im Vorfeld des Mords mit einem Gast gestritten hatte.

Ein Lagerarbeiter, der jeden Morgen die Bestände des Ladens kontrolliert, hatte die Weißrussin gegen 5.45 Uhr blutüberströmt in der Bar gefunden. Er verständigte den Rettungsdienst, der die Frau unter laufenden Wiederbelebungsversuchen ins Krankenhaus brachte. Dort verstarb sie jedoch kurze Zeit später. Eine anschließende Obduktion ergab, dass Natallia G. einer Stichverletzung erlag.

Laut Polizeiangaben war Natallia G. alleine im Lokal, als der Lagerarbeiter sie fand. Das „Kapitol“ schließt regulär um 5 Uhr. Markus Kraus, Chef der Münchner Mordkommission, konnte gestern nicht sagen, um wie viel Uhr Natallia G. zuletzt lebend gesehen wurde: „Wir wissen nicht, wie lange andere Angestellte noch in der Bar waren.“ Hinweise auf einen Raub beständen nicht. „Noch gibt es keinen konkret Tatverdächtigen“, sagte Kraus.

Bereits vor Mitternacht soll Natallia G. aber mit einem Gast in einen heftigen Streit geraten sein. Die Bardame fühlte sich von ihm belästigt und rief die Polizei. Dies bestätigte die Polizei auf Anfrage. Bei Eintreffen der Streife sei der Streit bereits erledigt gewesen, da der Mann das Lokal verlassen hatte. Nach Informationen der tz ist der Mann ein früherer Stammgast, der kürzlich eine mehrjährige Haftstrafe verbüßt hat. Ob er nach Ladenschluss zurückkehrte, um sich zu rächen, müssen nun die Ermittler klären. „Wir prüfen ob es einen Zusammenhang gibt“, sagte Sprecher Wolfgang Wenger.

Stundenlang ermittelte die Spurensicherung gestern am Tatort. Als die Beamten um kurz vor 6 Uhr anrücken, hat Mandy Seyfarth gerade Schichtbeginn. Die 23-jährige leitet den Empfang des „Winter’s Hotel“, das direkt neben dem „Kapitol“ liegt und rund um die Uhr geöffnet ist. „Ich bin sofort in unser Hotel gerannt und habe geschaut, ob es unserer Nachtschicht gut geht“, erzählt Seyfarth. Mitbekommen habe die Tat im Hotel jedoch niemand. Mit den Nachbarn aus dem Rotlicht-Milieu habe es nie Probleme gegeben: „Da war es immer ruhig. Die hatten nicht mal einen Türsteher, das hat mich schon gewundert.“ Seyfarth macht aus ihrer Besorgnis keinen Hehl: „Ich habe nachts oft alleine Schicht. Das ist schon beängstigend, wenn direkt nebenan ein Mord passiert.“

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Angelo Rychel

Rubriklistenbild: © Kurzendörfer

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