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Schlimme Vorwürfe gegen Münchner Beauty-Doc: Geschädigte nennen ihn nur „Dr. Frankenstein“

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Von: Andreas Thieme

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Sabine K. (33) klagt am Landgericht auf Schmerzensgeld
Sabine K. (33) klagt am Landgericht auf Schmerzensgeld © Thieme

Mittlerweile erheben 78 Patienten Vorwürfe gegen einen Münchner Schönheitschirurgen, der OPs verpfuscht haben soll. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

München - Dr. Sebastian V. (41) wirkt wie ein seriöser Mann. Im dunklen Pullover und Hemdkragen betritt er am Mittwochnachmittag den Saal 501 des Münchner Landgerichts*. Hier finden die Prozesse der Arzthaftungskammer statt. Es ist ein Ort, den Sebastian V. in den nächsten Monaten noch häufig wird besuchen müssen.

Denn etliche seiner früheren Patienten sind unzufrieden mit den Leistungen des Schönheitschirurgen. In etlichen Fällen soll er Pfusch betrieben haben – so schlimm, dass die Geschädigten sich in den letzten Jahren organisiert und ausgetauscht haben. Auf insgesamt 78 beläuft sich ihre Zahl inzwischen. Nach Informationen unserer Zeitung sammeln sie ihre Erfahrungsberichte in einer WhatsApp-Gruppe mit den Namen „Dr. Frankenstein.“

München: Patienten nennen Sebastian V. nur noch „Dr. Frankenstein“

Seit Mittwoch wird nun auch die erste Klage verhandelt: Sabine K. (33) hat gegen Sebastian V. ein Verfahren in die Wege geleitet, die zweifache Mutter fordert insgesamt 21500 Euro Schmerzensgeld. Im Mai 2018 hatte sie sich die Brüste vergrößern lassen. Rund 450 Milliliter große Silikonkissen hatten Sebastian V. bei ihr eingesetzt. Doch kurz darauf kam es zu schweren Komplikationen.

„Als ich aus der Narkose aufgewacht bin, sagte der Pfleger zu mir: Du bekleckerst ja das ganze Bett mit deiner Brust“, sagt Sabine K. Denn aus den Wunden ihrer Operation tropfte Blut. „Es wurde über den Tag schlimmer, ich musste abends noch nachoperiert werden.“

Schwere Vorwürfe gegen Münchner Schönheitschirug

Doch das Ergebnis blieb aus ihrer Sicht erschreckend. Im Juni 2019 war eine erneute Korrektur notwendig. „Die Narbenbildung war leider heftig“, sagt Sabine K. Sie macht dem Arzt schwere Vorwürfe – und ihrer Klage werden in München* noch viele folgen. „In dieser Anzahl ist das sicher ungewöhnlich“, sagte Peter Lemmers, der den Vorsitz an der Arzthaftungskammer innehat. Im Fall von Sabine K. wird es zwar aus seiner Sicht schwierig, den Behandlungsfehler nachzuweisen. „Ob das immer so ausgeht, bezweifele ich. Denn die anderen Fälle sind heftiger“, sagte Lemmers noch etwas zurückhaltend.

Der Münchner Schönheitschirurg wird von etlichen Patienten verklagt
Der Münchner Schönheitschirurg wird von etlichen Patienten verklagt © Archiv

Die Staatsanwaltschaft München I wird da schon deutlicher. Sie ermittelt seit Monaten unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung gegen Sebastian V. „In diesem Zusammenhang sind hier zwischenzeitlich bereits ca. 80 Zeuginnen und Zeugen erfasst“, sagt Sprecherin Anne Leiding. Gegen den Schönheitschirurgen hatte das Amtsgericht im Januar 2020 auch einen Haftbefehl erlassen. Dieser „wurde zwischenzeitlich gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt.“

Prozess in München: Eine Patienten soll nach der Schönheits-OP sogar verstorben sein

Besonders schlimm ist das Schicksal einer Patientin, die angeblich nach der Behandlung bei dem Münchner Chirurgen verstorben ist. „Wir prüfen auch den Verdacht der fahrlässigen Tötung“, sagt Leiding. „Eine abschließende rechtliche Bewertung kann aber erst nach Abschluss der Ermittlungen erfolgen.“ Gegen Sebastian Voigt sind nach Informationen unserer Zeitung mittlerweile rund 20 Strafverfahren anhängig. Die Regierung von Oberbayern hat dem Arzt längst die Approbation entzogen. Er selbst streitet die Vorwürfe von sich. Vor Gericht sagte er: „Ich habe Hunderte Operationen durchgeführt – ohne Komplikationen.“ (thi) *tz.de ist ein ANgebot von IPPEN.MEDIA

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