Impfstoff für alle freigegeben

Auch OB Reiter ist geimpft: Ansturm auf Astrazeneca in München - „Land unter“ bei Hausärzten

OB Dieter Reiter wurde mit Astrazeneca gegen Corona geimpft.
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OB Dieter Reiter wurde mit Astrazeneca gegen Corona geimpft.

Ansturm auf Astrazeneca: Nachdem der Impfstoff für alle Altersgruppen freigegeben worden ist, stehen bei vielen Hausärzten die Telefone nicht mehr still. Auch OB Reiter wurde geimpft.

München - Dieter Reiter hat es hinter sich. Donnerstagabend hat sich Münchens* Rathauschef (62) von seiner Hausärztin impfen lassen. Mit Astrazeneca*. „Ein kleiner Pieks mit großer Wirkung“, sagte Reiter am Freitag. „Gemeinsam mit unseren Impfzentren tragen nun auch die Hausärzte mit viel Engagement dazu bei, dass wir schnellstmöglich mit dem Impfen vorankommen.“

Und tatsächlich: Die Resonanz ist gewaltig, etwa auf die Sonder-Impfaktion der Stadt für alle über 60. „Stand 14.30 Uhr am Freitag (23. April) waren die Termine bis einschließlich 29. April ausgebucht“, sagte eine Sprecherin des Gesundheitsreferates. „An den letzten beiden Tagen der Aktion, 30. April und 1. Mai, sind noch 600 Termine frei.“ Die Stadt hatte eine Sonder-Impfaktion gestartet, weil 6000 Dosen Astrazeneca in Riem nicht mehr verimpft werden dürfen. Interessierte konnten sich ab Freitag anmelden.

Corona-Impfung: Bei den Hausärzten stehen die Telefone nicht mehr still

Auch bei den Hausärzten stehen die Telefone nicht mehr still, seit Astrazeneca für alle Altersgruppen freigegeben wurde. Doch das sorgt nicht allenthalben für Freude. „Wenn der Gesundheitsminister sich hinstellt und verkündet, dass sich alle mit Astrazeneca impfen lassen können, ist es eine Unverschämtheit, wenn wir keinen Impfstoff haben“, sagt Hausarzt Karlheinz Zeilberger. Die Mitarbeiter hätten nun die undankbare Aufgabe, die Anrufer zu vertrösten. „Sie bekommen den ganzen Ärger ab. Es ist Land unter.“

Denn für die Hausärzte gibt es kommende Woche gar kein Astrazeneca. Zeilberger bekommt nur 24 Dosen Biontech*. „Für übernächste Woche hab ich nur die Zusage für mindestens ein Fläschchen Astrazeneca“, sagt er. „Das sind zehn Dosen. Wann die geliefert werden, weiß ich nicht.“ Hinzu kämen mindestens zehn Dosen Biontech und fünf Dosen Johnson & Johnson*.

Liegen geblieben ist bei ihm noch kein einziger Impfstoff – auch Astrazeneca nicht. Im Gegenteil: Er musste Impftermine von Patienten absagen, weil es nicht genug Impfstoff gibt. „Auch die Dosen, die andere Fachärzte bekommen, fehlen den Hausärzten“, erklärt er. „Ich habe immer noch über 300 Patienten auf der Warteliste, darunter einige, die dringend geimpft werden müssten.“

Ansturm auf Hausarztpraxis von Markus Frühwein: „Jeder einzelne Geimpfte ist wichtig“

Auch in der Praxis von Hausarzt Markus Frühwein könnte viel mehr geimpft werden – und dort war nach der Freigabe der Impfreihenfolge* ebenfalls der Ansturm riesig: „Das Interesse war sehr groß“, berichtet er. Frühwein appelliert, geduldig zu sein und zunächst noch darauf zu verzichten, zur Terminvergabe bei der Praxis vorbeizukommen oder anzurufen – denn dann werden die Telefonleitungen blockiert. Die Praxismitarbeiter kommen direkt auf die Patienten zu, außerdem gebe es eine Online-Warteliste. „Wir sind auf einem guten Weg.“ Noch ist der Ärger unter den Ärzten groß: „Die Frustrationstoleranz wird gerade gut ausgenutzt“, sagt Zeilberger. Aufgeben kommt trotzdem nicht infrage: „Jeder einzelne Geimpfte ist wichtig.“

Insgesamt sind in der Stadt München bis einschließlich Donnerstag 312.300 Erst- und 107.700 Zweitimpfungen gegen Corona* durchgeführt worden. Davon entfallen auf die Hausarztpraxen rund 47.700 Erstimpfungen. *Merkur.de/bayern und *tz.de/muenchen sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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