6191 Unterschriften

Aufstand gegen dieses Projekt!

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Die Glockenbachsuiten sind ein umstrittener Neubau in der Fraunhoferstraße.

München - Ärger um den Kastaniengarten in der Fraunhoferstraße! Seit Monaten kämpfen Stadtbildfreunde um den Erhalt des Areals, auf dem ein Investor einen achtstöckigen Neubau plant.

Stadtbild-Aktivist Andreas Dorsch hat bereits 6191Unterschriften von Bürgern gesammelt, die das Projekt ablehnen. Und es wirkt fast so, als ob auch der legendäre Karl Valentin (1882-1948) hinter dem Protest stünde …

„Leider hat der Fortschritt, der ja nicht aufzuhalten ist, geradlinige oder viereckige Häuserkolosse mitten in die Stadt gestellt.“ Dieser Satz scheint aus unseren Tagen zu stammen – tatsächlich aber hat ihn die Volkssänger-Legende geprägt. Karl Valentin standen schon lange vor dem Zweiten Weltkrieg die Haare zu Berge, wenn es um die Qualität der Neubauten ging. Auch an den „Glockenbachsuiten“, die der Investor Conceptbau anstelle der langjährigen Osteria Santini plant, hätte er sicherlich kaum Freude gehabt.

Karl Valentins Foto beweist: Der Kastaniengarten ist schon über 100 Jahre alt

Und ausgerechnet ein Bild aus Valentins Fotosammlung zeigt, wie alt der Kastaniengarten schon ist, den die Bauherren für einen achtgeschossigen Wohnpalast für 7500 bis 11.000 Euro pro Quadratmeter opfern wollen. Auf der zwischen 1901 und 1908 entstandenen Ansicht der Isar mit der damals noch unversehrten Maximilianskirche sieht man die Bäume aus der Fraunhoferstraße klar hervorstehen (siehe Foto).

Andreas Dorsch, der die Online-Petition „Kein Luxustempel in der Fraunhoferstraße“ bei Change.org ins Leben gerufen hat , geht noch weiter: „Diese Fläche war noch nie bebaut.“ Zum Beweis legt er Bebauungspläne von 1865, 1891 und 1934 vor. Nur anstelle des Hauses der Osteria Santini, in der bis zum Wochenende die Ruby Bar logierte, stand bis zum Zweiten Weltkrieg ein mehrgeschossiges Haus.

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So soll der Neubau von der Fraunhoferstraße aus aussehen. Der vordere Teil war noch nie bebaut.

Nun fürchtet Dorsch nach dem Nobel-Quartier The Seven im alten Kraftwerk an der Müllerstraße eine zweite „Luxusburg“ in der Isarvorstadt: „Die zum Teil noch vorhandene subkulturelle Atmosphäre wird zugunsten eines Hochpreis-Slums geopfert.“ Nach der Schließung der benachbarten Fraunhofer Schoppenstube glaubt Dorsch auch an das baldige Ende des Kiosks an der Reichenbachbrücke, wenn sich die potenten Käufer der Glockenbachsuiten daran stören.

Dorsch fordert die Stadtbaurätin Elisabeth Merk auf, eine Stadtbild-Erhaltungssatzung zu erlassen, damit dem bereits genehmigten Bauprojekt wieder die Genehmigung zu entziehen und vom Vorkaufsrecht Gebrauch zu machen. Damit will er auch die Entwicklung stoppen, dass „München an den Meistbietenden verkauft, ja regelrecht verhökert“ wird. Auch das Bündnis für bezahlbares Wohnen, das Bündnis Gartenstadt, Green City, die Glockenbachwerkstatt und der Bund Naturschutz unterstützen die freie Petition, die zwar keine rechtliche, aber durchaus politische Wirkung hat.

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Tobias Kofalk, Projektleiter der Glockenbachsuiten, kann den Ärger nicht verstehen: „Auf dem Grundstück war schon immer Baurecht.“ Man komme der Stadt sogar entgegen, indem man an der Fraunhoferstraße Platz für die Pflanzung von fünf stattlichen Pappeln lasse. Kofalk weiter: „Der Entwurf ist das Ergebnis eines Architektenwettbewerbs unter Federführung der Stadt.“ Die Sprecherin des Planungsreferats, Karla Schilde, erklärt: „Der Bauherr hatte Anspruch auf eine Baugenehmigung, die Höhe richtet sich nach der bestehenden Nachbarbebauung.“ Allerdings gebe es einen Anwohner, der gegen die Baugenehmigung juristisch vorgehe.

Von Johannes Welte

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