Fotoprojekt im Gasteig

„Die Menschen der Münchner Tafel“: Ausstellung gibt der Armut ein Gesicht

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Michaela von Schabrowsky ist seit fünf Jahren Gast bei der Tafel und war bei der Eröffnung am Samstag dabei.

Die Münchner Tafel hilft vielen Menschen in der Stadt, immer wieder. Eine Fotoausstellung im Gasteig würdigt den ehrenamtlichen Einsatz und gibt der Armut ein Gesicht. 

  • „Die Menschen der Münchner Tafel“ ist der Titel eines Fotoprojektes.
  • Die Ausstellung ist im Münchner Gasteig bis 5. Januar 2020 zu sehen
  • Vor allem Senioren gehören zu den Hilfeempfängern, die durch die Tafel unterstützt werden    

Ein voller Kühlschrank ist für 17 Prozent der Münchner keine Selbstverständlichkeit: Sie leben unterhalb der Armutsgrenze. Für knapp 20 000 von ihnen ist wenigstens für eine Mahlzeit gesorgt – sie erhalten Unterstützung von der Münchner Tafel. Die neue Fotoausstellung „Die Menschen der Münchner Tafel“, die am Samstag im Gasteig öffnete (zu sehen bis zum 5. Januar), würdigt die Arbeit der Ehrenamtlichen und gibt der Armut mit einfühlsamen Porträts ein Gesicht.

Es ist dringlicher denn je, auf Altersarmut und Bedürftigkeit aufmerksam zu machen. Denn vor allem für Senioren wird es schwieriger, das Leben in teuren Städten zu finanzieren. „Die Zahl der Rentner unter den Tafelkunden ist innerhalb eines Jahres um 20 Prozent auf 430 000 gestiegen“, sagte der Vorsitzende des Bundesverbandes der Tafeln, Jochen Brühl, gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung. Auch die Zahl überschuldeter Verbraucher über 70 Jahren wuchs in den vergangenen zwölf Monaten um fast die Hälfte. Zahlen, die zeigen, wie wichtig das Engagement der hier vorgestellten Menschen ist. 

Joel Ouagihino fand bei der Tafel Anschluss.

Wie Familie

Joel Ouagihino ist als Jugendlicher aus Nigeria geflohen und seit zwei Jahren ehrenamtlich für die Münchner Tafel tätig. Ouagihino arbeitet hart und gerne – doch sein größter Wunsch, eine Ausbildungsstelle, bleibt ihm derzeit verwehrt. Die Behörden legen dem jungen Mann große Steine in den Weg, obwohl die Münchner Tafel sogar eine Stelle für ihn frei hätte. Halt in schweren Zeiten findet Ouagihino bei der Tafel, denn seine Kollegen sind für ihn ein Art Gemeinschaft, Sie ersetzen die Familie und geben ihm Anschluss. 

Elfriede Edelmann macht auf Armut aufmerksam.

Fotomodel aus Dankbarkeit

Elfriede Edelmann hatte kein leichtes Leben: Sie arbeitete schwer und lange und dann starb auch noch ihr Mann relativ früh. Eine kleine Rente sowie Münchens hohe Miet- und Lebenshaltungskosten haben sie zur Tafel gebracht. Seit über zehn Jahren erhält Edelmann bei der gemeinnützigen Organisation Lebensmittel. Doch sie will auch geben: Edelmann hat die „GastGeber-Kampagne“ der Münchner Tafel mit dem Spruch „Ich schenke mein Gesicht der Armut“ geprägt. Die Rentnerin schämt sich nicht, zu ihrer Armut zu stehen. Vielmehr möchte sie mit ihrem Engagement den vergessenen Münchnern ein Gesicht geben und auf die prekäre Situation vieler Rentner aufmerksam machen. 

Hans Neisberger verwöhnt seine Kollegen ab und zu mit einer musikalischen Einlage.

Der Kaffee kochende Lkw-Fahrer

Seit 2012 gehört Hans Neisberger zu den Langstreckenfahrern der Münchner Tafel. Der ehemalige Bergwachtler liebt es, lange Strecken zu fahren, und übernimmt gerne Abholungen in Ober- oder Niederbayern. Hansi, wie ihn die meisten seiner Kolleginnen nennen, unterstützt die Ausgabestelle der Tafel am Westtor immer freitags, und manchmal auch samstags. Das Markenzeichen des Langstreckenfahrers: Charme und Kaffee. Letzteren kocht er kannenweise daheim und versorgt damit seine 20 bis 30 Kollegen. Übrigens: Neisberger kennt seine Kaffee-Kumpel gut und weiß genau, wer seinen Kaffee wie am liebsten trinkt.

Elmar Wanke ist immer fröhlich und gut gelaunt.

Krankenpfleger mit großem Herz

Elmar Wanke kann gar nicht anders, als Gutes zu tun. Seit über zwei Jahren setzt sich der Krankenpfleger neben seinem Hauptberuf auch noch ehrenamtlich für die Münchner Tafel ein. Seine Arbeitszeiten legt Wanke sogar extra so, dass er freitags an der Ausgabestelle der Münchner Tafel am Westtor mithelfen kann. Als ob das noch nicht reichen würde, ist Wanke zudem auch noch immer fröhlich, sanftmütig und zuverlässig. Seine Kollegen der Tafel haben ihn in seinen zwei Jahren bei der Organisation noch nie genervt oder schlecht gelaunt gesehen. Klar, dass auch die Tafelgäste den Krankenpfleger in ihr Herz geschlossen haben.

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