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Kurz vor großem Jubiläum: Münchner Austernkeller „dauerhaft geschlossen“ – Aus per Bandansage verkündet

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Von: Jannis Gogolin

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Corona, Personalmangel und die Lebensmittelpreise fordern ein weiteres Opfer. Der Münchner Austernkeller muss überraschend und dauerhaft schließen.

München – „Wir sagen leise ,Auf Wiedersehen‘“: Der letzte Satz des Anrufbeantworters im Münchner Restaurant Austernkeller ist beladen mit Trauer und Enttäuschung. Erwachte das Restaurant erst vor einer Woche aus der Winterpause, ist jetzt wieder Schluss. Diesmal aber endgültig. Ohne Vorwarnung schließt das Etablissement in der Stollenbergstraße seine Türen für die Liebhaber der klassisch französischen Küche.

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Hiobsbotschaft für Feinschmecker in München: Austernkeller „sofort und dauerhaft geschlossen“

Seit 44 Jahren bewirteten Kellner im blütenweißer Klamotte die Gäste in den gediegenen Räumen südlich der Maximilianstraße in München. Schon der pariserische Stil des Interieurs aus den 70er Jahren ließ auf eine Atmosphäre schließen, die weit über das reine Essen hinausging. Kamen dann erst die bestellten Speisen – Bouillabaisse, französische Zwiebelsuppe, Weinbergschnecken in Knoblauchbutter und natürlich Austern – war das Ambiente perfekt.

Austernkeller
Die Inneneinrichtung gab einen Vorgeschmack auf das, was die Gäste auf den Tellern fanden. © fkn

Multiple Gründe haben der Enklave der original französischen Küche nun ein Ende bereitet, wie Alexander Knobl, der mit seiner Frau Brigitte Knobl-Schönhofer das Restaurant 2007 übernahm, gegenüber der Süddeutschen Zeitung berichtet. „Die 50 Jahre hätten wir schon gerne gefeiert“, so Knobl. Trotz der tatkräftigen Unterstützung der gemeinsamen Tochter wurde die Last der zwei Lockdowns, dem Personalmangel und der extremen Lebensmittelpreise zu viel.

„Zweimal die Hauptsaison weggefallen“: Austernkeller-Inhaber litten schwer unter Corona-Lockdown

Wie der Name des Lokals bereits offenbart, liegt der Gastraum im Keller. Weil Außenanlagen zur Bewirtung unter freiem Himmel fehlen, seien er und seine Frau stark auf das Saisongeschäft angewiesen. Nach Angaben der Süddeutschen Zeitung lag der Hauptumsatz somit im Winter und Frühjahr, wenn die Witterung noch zu ungemütlich für die Außenwirtschaft der Konkurrenz war. Die vergangenen Lockdowns fielen jedoch zwei Jahre hintereinander genau auf die gewinnbringendste Zeit des Austernkellers. „Bei uns ist praktisch zweimal die Hauptsaison weggefallen.“

Austernkeller München
Ein Bild aus glücklicheren Zeiten zeigt Alexander Knobl und seine Frau Brigitte Knobl-Schönhofer. In ihrem Restaurant verwöhnten sie ihre Gäste mit delikaten Fischspezialitäten aus Frankreich. © fkn

Städtische Auflagen und Personalnot gaben den Rest: Münchner Austernkeller schließt „sofort und dauerhaft“

Auf die staatlichen Hilfen warten sie indessen immer noch. „Die Unterstützungszahlungen für 2021 sind immer noch nicht bei uns angekommen“, erklärt er. Ergänzt wurden die Schwierigkeiten mit den explodierten Preisen für Fisch, Meeresfrüchte & Co. „Hummer kostet seit der Herbstsaison sehr viel mehr als früher, es ist der Wahnsinn.“ Und die Personalsituation sei für das Inhaber-Paar ebenso desaströs wie für den Rest der Gastro-Branche, weswegen anderswo Wirte auf Service-Roboter setzen.

Als wäre das nicht genug, belegten die städtischen Behörden die Räume des Austernkellers laut des Berichts mit Auflagen zur Renovierung. Sonst dürfe im Gastraum keine Bewirtung mehr stattfinden. Die Eigentümer des Hauses lehnten jedoch ab. Und die zwei Mieter besaßen nicht die finanzielle Kraft, die Renovierung alleine zu bewältigen. So zogen die beiden nach 16 Jahren die Reißleine und schlossen laut Anrufbeantworter „sofort und dauerhaft“ das Restaurant.

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