Auf Wasserburger Landstraße

Alptraum-Unfall in München: Vater spricht über Todes-Raser: „Er hat meine beiden Kinder auf dem Gewissen“

Jean-Pierre L. (Mi.) mit Tochter Ann-Sophie und Sohn Julien, die bei dem Unfall ums Leben gekommen sind
+
Jean-Pierre L. (Mi.) mit Tochter Ann-Sophie und Sohn Julien, die bei dem Unfall ums Leben gekommen sind

Mit 122 km/h raste Nestor P. (64) über die Wasserburger Landstraße - und tötete drei Menschen. Jetzt steht der Raser erneut vor Gericht und muss den Angehörigen gegenübertreten. Dem Raser droht jetzt lange Haft - oder ein Freispruch.

  • Bei einem Unfall auf der Wasserburger Landstraße starben 2017 drei Menschen
  • Unfall-Fahrer Nestor P. (64) steht erneut wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht
  • Gutachter müssen klären, ob der Senior schuldfähig ist

München - In seinem Blick liegt grenzenlose Trauer. „Dieser Mann hat mir alles genommen“, sagt Jean-Pierre L. (72) in Richtung Anklagebank. Dort sitzt Nestor P. (64), der Raser von der Wasserburger Landstraße. Er hatte vor vier Jahren einen schlimmen Unfall verursacht, bei dem drei Menschen starben - darunter auch Ann-Sophie (†29) und Julien (†36), die Kinder von Jean-Pierre L.

Der völlig zerquetschte Opel Corsa nach dem Unfall in der Wasserburger Landstraße

München: Das Auto-Wrack wurde meterweit geschleudert und fing Feuer

Es waren schreckliche Bilder, die sich den Einsatzkräften geboten haben. Der Opel Corsa wurde durch den Crash regelrecht zermalmt, das Autowrack wurde meterweit geschleudert und fing Feuer. Nestor P. wurde bereits wegen fahrlässiger Tötung verurteilt - doch der Raser ist immer noch auf freiem Fuß. Die vierjährige Haftstrafe musste er bislang nicht antreten. Denn gegen sein Urteil des Amtsgerichts hatte er erfolgreich Berufung eingelegt, jetzt wird der Fall am Landgericht neu verhandelt. Dort will der Raser nun durch verschiedene Gutachten einen Freispruch erzielen.

Nestor P. (64) vor Gericht. Er ist wegen fahrlässiger Tötung angeklagt

„Eine Schande! Das war Mord“, glaubt Jean-Pierre L. Doch der angeklagte Nestor P. gibt an, an Epilepsie zu leiden. Er könne sich an nichts erinnern. Am 16. September 2017 habe er krankheitsbedingt „einen Blackout erlitten“, wie er sagt. Bislang konnte der Raser das jedoch nicht eindeutig beweisen. Fakt dagegen ist: Mit seinem schweren BMW X5 war Nestor P. mit 122 km/h über die Wasserburger Landstraße gebrettert- und rammte den Opel Corsa der Franzosen so heftig, dass die Insassen zerquetscht wurden. Bei dem Unfall starb auch der Verlobte von Pierre L.s Tochter, seine Ex-Frau hingegen überlebte schwer verletzt. Ein Ersthelfer zog sie aus dem brennenden Autowrack.

Es ist ein Fall, der viel Leid hinterlässt. Doch auch vier Jahre danach gibt es bislang kein rechtskräftiges Urteil. Gestern verhandelte Richter Robert Hamberger bis zum späten Abend, musste sich dann aber doch vertagen.

Auch interessant

Kommentare