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Autofahren im Alter: So mobil sind Senioren im Straßenverkehr - und so sicher sind sie unterwegs

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Von: Claudia Schuri

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Viele hochbetagte Senioren nehmen noch regelmäßig am Straßenverkehr teil.
Viele hochbetagte Senioren nehmen noch regelmäßig am Straßenverkehr teil. © Alexander Körner/dpa

Es ist ein Thema, über das heftig gestritten wird: Sollen Senioren noch Auto fahren? Wie sicher sind sie unterwegs? Und wie mobil sind sie überhaupt? Dazu gibt es jetzt eine neue Studie – mit einigen überraschenden Ergebnissen.

Dr. Stefan Arend ist sich sicher: „In unserer langlebigen Gesellschaft müssen wir den Blick aufs Alter anpassen“, sagt der Leiter des Instituts für Sozialmanagement und Neue Wohnformen in Gräfelfing. Er beschäftigt sich mit den Herausforderungen des demografischen Wandels und hat er eine Studie zur Mobilität von hochbetagten Menschen über 80 gemacht. Sein Schluss daraus: „Wir müssen manche Vorurteile revidieren“, sagt er. „Auch Hochbetagte sind noch sehr mobil und nutzen regelmäßig das eigene Auto.“

Arend hatte 960 Bewohner aus 19 Senioreneinrichtungen in ganz Deutschland befragt. Auch 104 Münchner waren dabei. Der Altersdurchschnitt lag bei 82 Jahren. Von den Teilnehmern gaben 84 Prozent an, dass ein Auto für sie ein Zeichen von Selbstständigkeit sei. 85 Prozent nutzen das Auto mindestens einmal in der Woche.

Die gute Nachricht: „Die Zahl der Unfälle ist überschaubar“, sagt Arend. So fuhren 89 Prozent der Senioren in den vergangenen fünf Jahren unfallfrei. Zehn Prozent hatten einen Unfall, nur ein Prozent mehr als einen Unfall. „Viele ältere Autofahrer entwickeln Strategien, um bestimmte Situationen zu meiden“, so der Forscher. Außerdem hätten sie langjährige Erfahrung: Die Männer hatten im Schnitt den Führerschein seit 1958 und die Frauen seit 1962. Auffällig ist allerdings auch: Das Unfallrisiko steigt einerseits mit der Häufigkeit der Autonutzung, andererseits aber auch mit dem Alter und dem persönlichen Hilfebedarf.

Regelmäßige ärztliche Checks sind sinnvoll

Ähnlich ist die Einschätzung des ADAC: „Entscheidend ist nicht das Lebensalter, sondern der individuelle Gesundheitszustand“, sagt Sprecher Alexander Kreipl. „Man kann nicht pauschal sagen, dass Ältere ein Risiko im Verkehr sind.“ Wichtig sei, sich regelmäßig selbst kritisch zu überprüfen und sich ärztlich durchchecken zu lassen. Auch ein Fahrtraining könne die Kompetenz steigern. „Bei neuen Fahrzeugen können Fahrassistenzsysteme viele motorischen Defizite ausgleichen“, erklärt er.

Die Autos der Befragten bei Stefan Arends Studie waren im Schnitt neun Jahre alt und damit relativ modern. „Das Interesse an der Teilnahme an einem Training ist groß“, ergänzt Arend. „Aber man muss das richtige Angebot finden, das auf die Senioren zugeschnitten ist.“ Je älter die Gesellschaft werde, desto wichtiger sei es, neue Unterstützungsformen zu finden – und das nicht nur im Autoverkehr. „Senioren wollen mobil bleiben“, betont er. „Wir müssen darum zum Beispiel auch an der Barrierefreiheit im öffentlichen Raum arbeiten.“ Zudem fehle es an Daten. Viele Studien zur Verkehrssicherheit von Senioren berücksichtigen Personen ab 65 Jahren. „Das ist viel zu ungenau“, sagt Arend.

Das sagt der Sicherheitsreport der Münchner Polizei

Auch beim Sicherheitsreport der Münchner Polizei werden Personen ab 65 extra betrachtet. Demnach waren im Jahr 2021 bei 13,2 Prozent aller Unfälle Menschen dieser Altersgruppe beteiligt. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung liegt bei 18 Prozent. Die Zahl der Unfälle mit Senioren ist im Vergleich zum Vorjahr 2021 um 1,4 Prozent auf insgesamt 3621 Unfälle gesunken. Knapp zwei Drittel der Verkehrsunfälle mit Senioren wurden jedoch auch von den Senioren verursacht. Die häufigsten Ursachen: Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärts- sowie Ein- und Anfahren in den Verkehr (876 Fälle). Doch nicht bei allen Unfällen waren Senioren am Steuer betroffen: Bezogen auf alle Verkehrsunfälle (mit und ohne Verletzte) waren die Senioren zu 60,2 Prozent als Fußgänger oder Radfahrer involviert. Tragisch: Von 15 Verkehrstoten 2021 waren acht älter als 65.

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