Der Weg in die Innenstadt wird oftmals beschwerlich

„War vollkommen entsetzt“: Bahn-Mitteilung schockiert Münchner Einzelhändler

Eine S-Bahn fährt an einem Bahnsteig entlang.
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Ein Jahr voller Einschränkungen: An mindestens 16 Wochenenden soll in München der S-Bahn-Verkehr beeinträchtigt sein.

Kaum dürfen die Einzelhändler in München einer baldigen Öffnung entgegenfiebern, setzt es den nächsten Tiefschlag. Dieser kommt von der Bahn, die schlechte Nachrichten für ÖPNV-Nutzer hat.

München - Vom Regen in die Traufe - oder in diesem Fall: von der Pandemie* direkt in die S-Bahn-Baustelle. Das sind die Aussichten für die Geschäftsleute in der Innenstadt. Die sind am Dienstag von einer Mitteilung der Bahn kalt erwischt worden: Demnach gibt’s heuer Stammstrecken-Sperrungen an insgesamt 18 Wochenenden. Die Händler der Innenstadt-Läden fürchten, dass deshalb weniger Kunden kommen werden - ausgerechnet dann, wenn die Geschäfte nach dem Lockdown* (hoffentlich) wieder aufmachen dürfen…

„Ich war ohne Worte“, sagt David Thomas, Verkaufsleiter beim Herrenausstatter Hirmer. „Jetzt dürfen wir nach fast drei Monaten eventuell wieder öffnen - und dann so ein Hammer!“ An 16 Wochenenden von März bis August wird es zahlreiche Umleitungen und Ausfälle auf der Stammstrecke geben - die Bauarbeiten werden nahezu alle S-Bahn*-Linien betreffen.

München: Wegen Bauarbeiten für 2. Stammstrecke kommt es zu Fahrplanänderungen

Ein Bahn-Sprecher erklärt auf tz-Nachfrage, dass es wegen „Arbeiten für die 2. Stammstrecke* (u.a. Kabel- und Brückenarbeiten zwischen Laim und Donnersbergerbrücke)“ zu Fahrplanänderungen kommen werde, „da im betroffenen Bereich nur ein Gleis zur Verfügung steht“. Das gilt jeweils von Freitag, 22.30 Uhr, bis Montag, 4.30 Uhr. Der Bahn-Sprecher weist zwar darauf hin, dass das keine Komplettsperrungen sind - allerdings: Normal fahren an diesen Wochenenden ausschließlich S6 und S7. Dazu kommen dann noch zwei Wochenenden (im Mai und Oktober), an denen auf der Stammstrecke gar nix geht - wegen Instandhaltungsarbeiten.

„Die Nachricht war schockierend. Es fühlt sich an wie ein Dolchstoß“, sagt Hirmer-Verkaufsleiter Thomas. Und: „Man hätte einen besseren Zeitpunkt für die Bauarbeiten wählen sollen.“ Denn gerade die Wochenenden sind für den Handel wichtig. Wolfgang Fischer vom Händlerverband CityPartner berichtet: „Heute Morgen kam die Information von der Bahn. Im ersten Moment war ich vollkommen entsetzt! Wir wussten zwar von den Bauarbeiten, aber mit 16 Wochenenden hat wirklich niemand gerechnet - gerade in dieser Zeit, wo ohnehin zahlreiche Existenzen bedroht sind.“

Seine düstere Prognose für die Baustellen-Zeit: „Deutlich weniger Menschen aus dem Umland werden in die Innenstadt kommen.“ Und: „Da, wo Existenzen bedroht sind, muss ein Kompromiss gefunden werden, ansonsten werden wir die Münchner Innenstadt nicht wiedererkennen.“ (dw, day) *tz.de und merkur.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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