Es soll sogar eine Quote geben

Spektakuläre Projekte in der Stadt: So will München klimafreundlicher bauen

Alles aus Holz: Diese Siedlung der GWG im Prinz-Eugen-Park gilt als Leuchtturmprojekt.
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Alles aus Holz: Diese Siedlung der GWG im Prinz-Eugen-Park gilt als Leuchtturmprojekt.

München trägt dem Klimawandel Rechnung. Deshalb sollen künftig viele Häuser aus Holz gebaut werden. Sogar ein Europarekord ist in Planung. Und auch das grünste Hochhaus der Stadt kommt.

  • München will bei künftigen Bauprojekten auf Klimafreundlichkeit setzen.
  • So sollen viele neue Gebäude aus Holz bestehen - eine Quote ist angedacht.
  • Im Arabellapark wird das grünste Hochhaus der Stadt entstehen.

München - Bei Münchner Neubauprojekten soll zunehmend auf Holz gesetzt werden. Der Planungsausschuss des Stadtrats hat am Mittwoch einen Grundsatzbeschluss in diese Richtung gefasst. Konkrete Standorte für Fördermodelle können der zweite Realisierungsabschnitt in Freiham Nord, das Kreativquartier und die Bayernkaserne sowie geeignete Teilflächen im Baugebiet südwestlich der Henschelstraße in Aubing-Lochhausen sein. Noch ist unklar, in welcher Größenordnung dort zusammenhängende Holzbausiedlungen entstehen sollen. Letztlich ist dies auch eine Kostenfrage. Auf alle Fälle ist aber an mehrgeschossiges Bauen gedacht.

Ein Leuchtturmprojekt gibt es bereits. Im Prinz-Eugen-Park in Bogenhausen entsteht gerade Europas größte Holzbausiedlung mit 570 Wohnungen. Der Aspekt der Nachhaltigkeit ist hier im Vergleich zur herkömmlichen Bauweise besonders wichtig. Holz ist ein nachhaltiger Rohstoff. Die Bauten tragen aufgrund ihrer besseren Öko-Bilanz zum Klimaschutz bei. Im Prinz-Eugen-Park zum Beispiel werden etwa 13.000 Tonnen Kohlendioxid langfristig gespeichert.

München baut nachhaltiger: Stadtrat hält Holzbau für „die Zukunft“

Die Bauzeiten sind kürzer, die Logistik nicht so aufwendig. ÖDP-Stadtrat Johann Sauerer sagte im Planungsausschuss: „Holzbau ist die Zukunft.“ Wenn Gebäude statt mit herkömmlichen Materialien wie Beton, Stahl und Ziegeln in Holzbauweise errichtet würden, könnte ein Drittel des Kohlendioxid-Austoßes vermieden werden. Eine Bedingung bei der Ausschreibung der Parzellen im Prinz-Eugen-Park war auch, dass das Holz aus maximal 400 Kilometern Entfernung herantransportiert werden darf.

Das Echo auf die Holzbau-Initiative war am Mittwoch über alle Parteigrenzen hinweg positiv. Allerdings wollen die Stadträte die Kostenseite noch genauer ergründet wissen. Ein FDP-Antrag, dies auf Grundlage der ökologischen Mustersiedlung im Prinz-Eugen-Park zu untersuchen, wurde einstimmig bewilligt.

München baut nachhaltiger: Finanzieller Mehraufwand wohl bei bis zu 25 Prozent

Dabei soll auch offengelegt werden, wie sich die Mehrkosten für Holzbauweise bei den städtischen Wohnungsgesellschaften darstellen. Bei der Vergabe städtischer Grundstücke sollen nämlich künftig 50 Prozent der Gebäude in Holzbauweise angestrebt werden. Bislang gibt es nur grobe Schätzungen des Planungsreferats für den finanziellen Mehraufwand der Holzbauweise in Relation zu konventionellen Baustoffen. Eine Mitarbeiterin der Behörde sprach von fünf bis 25 Prozent.

Stadtbaurätin Elisabeth Merk riet unterdessen davon ab, in Bebauungsplänen verbindliche Festsetzungen für Holzbauweise zu verankern. „Das wäre nicht klug für unsere hochgesteckten Ziele im Wohnungsbau“, sagte sie. Es gelte, bürokratische Hürden zu vermeiden. Mit der detaillierten Kostenbetrachtung soll der Stadtrat noch in diesem Jahr befasst werden. Dann will man konkrete, weitere Einzelprojekte beschließen.

München baut nachhaltiger: Grünstes Hochhaus Münchens wird 52 Meter hoch

An der Arabellastraße 26 ist ein 52 Meter hoher Turm geplant, dessen Fassade vollständig bepflanzt werden soll. Hier soll das grünste Hochhaus Münchens entstehen. Mit der notwendigen Änderung des Bebauungsplans macht das spektakuläre Projekt einen entscheidenden Schritt in Richtung Umsetzung.

Das Gebäude mit 16 Geschossen, entworfen vom Büro Schluchtmann Architekten, soll sich nach oben mehrfach verschlanken. Auf diesen Absätzen sollen Dachgärten angelegt werden. Zudem gibt es immer wieder Gemeinschaftsterrassen und Treffpunkte. In den unteren fünf Etagen sind Gewerbeflächen eingeplant, ab dem sechsten Geschoss sollen etwa 40 Wohnungen entstehen.

Voller Pflanzen: Münchens grünstes Hochhaus ensteht im Arabellapark.

München baut nachhaltiger: Klettergurken und Duftstreben an der Fassade

Der Glanzpunkt wird die vertikale Begrünung der Fassade. Auf der Pflanzliste stehen Klettergurken, wilder Wein, Clematis, Kletterrosen, Duftreben und andere Pflanzen. Wichtig ist, dass sie pflegeleicht, windfest, schattenverträglich und anspruchslos sind. Außerdem müssen sie auch im Winter ein gutes Bild abgeben. Das Bepflanzungskonzept ist präzise ausgetüftelt, enthält unter anderem Regenwassertanks, vertikale Steigleitungen und Feuchtesensoren.

Der innovative Bau soll der Hochschule Weihenstephan als Pilotprojekt zur Verfügung gestellt werden. Dabei sollen die Effekte in Bezug auf eine steigende Aufheizung der Städte durch den Klimawandel erforscht werden.

Die hängenden Gärten sollen auf dem rund 2200 Quadratmeter großen Areal errichtet werden, auf dem sich derzeit noch eine alte Postfiliale und eine Schaltzentrale der Telekom befinden. Der Mietvertrag endet dieses Jahr. Weil sich damit die Nutzung ändert, muss der Bebauungsplan geändert werden.

Ein Mega-Bauprojekt in München soll neuen Wohnungsraum schaffen. Wegen der Wohnungsknappheit gibt es auch einen Hochhaus-Plan. Nach dem Verkauf des Tucherpark sollen neue bezahlbare Wohnungen entstehen. Ein Bürgerbegehren stellt sich gegen Nachverdichtung und will mehr Grün statt Grau.

Klaus Vick, Carmen Ick-Dietl

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