Münchens Kulturtempel: Baustelle Gasteig

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Der Gasteig lockt jährlich 750 000 Besucher in die Veranstaltungssäle.

München - Großer Sanierungsbedarf bei Münchens Kulturtempeln: Der Gasteig, das Deutsche Theater und die Galerie im Lenbachhaus stehen vor großen Verändeurngen.

Baustelle Gasteig

Die Generalsanierung des Kulturtempels am Gasteig muss warten, weil das Geld fehlt. Rund 200 Millionen Euro würde der große Wurf inklusive der ersehnten Verbesserung der Akustik in der Philharmonie nach einem bereits erarbeiteten Masterplan kosten. Das ist nach Überzeugung des rot-grünen Rathausbündnisses zur Zeit unerschwinglich.

Deshalb drehte sich der Streit im Wirtschaftsausschuss des Stadtrats um die Schmalspurmodernisierung, den Dringlichkeitsplan von Gasteig-Chefin Brigitte von Welser: Elf Millionen für unaufschiebbare Sanierungs- und Aufrüstungsarbeiten. Entscheiden wird das Plenum am 25. Januar. Zur Diskussion steht aber auch die von der CSU geforderte schrittweise Umsetzung des Masterplans, „beginnend mit dem Bau eines zukunftsfähigen Konzertsaales“.

Dass ein weiteres gigantisches Kulturprojekt – neben den Umbauten des Lenbachhauses und des Deutschen Theaters (siehe unten) angesichts der unsicheren Haushaltslage derzeit nicht geschultert werden kann, zeichnet sich ist seit Monaten ab. Der Aufsichtsrat der städtischen Gesellschaft beauftragte die Geschäftsführerin bereits Mitte 2010 mit der Auflistung der drängendsten Maßnahmen und sprach sich letztlich für die Umsetzung des Elf-Millionen-Pakets aus.

München Architektur: Stadtplanung und -Entwicklung

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Dazu gehören neben Brandschutzmaßnahmen etwa die Sanierung der Philharmonie-Dachhaut mit einer Folie, eine der Maßnahmen, die bei einer späteren Generalsanierung nicht weiter verwendet werden kann. Für CSU-Stadtrat Richard Quaas ein Beispiel für die Unwirtschaftlichkeit der Notaktionen. Irritiert reagierten SPD-Fraktionschef Alexander Reissl und OB Christian Ude auf die von der CSU geforderte Reihenfolge des Vorgehens: Der OB solle die Haltung des Freistaats hinsichtlich eines weiteren Konzertsaals erfragen, und die Gasteig-Stufenmaßnahmen sollten mit der Philharmonie beginnen.

Ude erinnerte an die jahrelangen ergebnislosen Gespräche mit Kabinettsmitgliedern, erst über den Marstall, jetzt über einen Konzertsaal-Neubau – wobei weder Standort noch Finanzierung bekannt seien. „Wir blicken in eine Nebelwand, und daran wird sich in absehbarer Zeit nichts ändern.“

Barbara Wimmer

Masterplan contra Notmaßnahmen

Gasteig-Chefin Brigitte von Welser hofft darauf, dass der Masterplan für die Sanierung des 26 Jahre alten Kulturzentrums 2012 genehmigt wird, so dass der Umbau 2014 beginnen kann. „2018 wollen wir uns ja nicht als Baustelle präsentieren,“ sagt sie im Hinblick auf die Olympischen Winterspiele.

Eine leichte Optimierung der Akustik zumindest für die Musiker könnte sie schon vorher realisieren – durch einen Umbau des Podiumsbereiches. Während im Masterplan grundlegende Umbauten in Stadtbibliothek, Volkshochschule und natürlich vor allem Philharmonie vorgesehen sind, beschränkt sich der Dringlichkeitsplan auf Sicherheitsaspekte (Außenbeleuchtung, Notruf im Behinderten WC, Sprinkler- und Hydrantenanlagen und andere Leitungen etc.), Garderoben, Lautsprecher und bühnentechnische Anlagen.

Deutsches Theater

Die Stadt sammelt seit Jahren unangenehme Erfahrungen mit der Sanierung ihrer Kulturbauten. Dem finanziellen Kammerspieldesaster der 90er folgte vor fast zehn Jahren das Deutsche Theater. Nach einigem Hin und Her entschloss sich der Stadtrat, die Bühne in Regie der Stadt zu behalten und zu sanieren. 80 Millionen Euro, so lautete Kostenvoranschlag, nachdem zunächst von einem Sanierungsbedarf von 130 Millionen die Rede war.

So verändert München sein Gesicht

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Vor zweieinhalb Jahren zog die Bühne aus dem Haus an der Schwanthalerstraße hinaus nach Fröttmaning. Die Interimsphase im Zelt wird sich nun wohl um ein Jahr bis zum Herbst 2012 hinziehen, denn Mitte 2010 stellte sich heraus, dass die Bausubstanz durch den darunter verlaufenden U-Bahntunnel mehr als gedacht in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Galerie im Lenbachhaus

Seit 2009 ist die städtische Galerie im Lenbachhaus Baustelle. Ein ganzer Flügel des Hauses, das für seine Sammlung des Blauen Reiters weltberühmt ist, wurde abgerissen. Der gesichtslose Baukörper stammt aus den 70er Jahren. Der gesamte Komplex wird generalsaniert. Als Eingang, Foyer und Café wird künftig ein kubischer Neubau an der Brienner Straße fungieren – konzipiert von Sir Norman Foster.

Die Fassade besteht aus vertikalen Stäbchen, die die Ockerfarbe des originalen Lenbachhauses aufnimmt. 56 Millionen Euro bewilligte der Stadtrat für das Projekt, das eine Schließung der Galerie für drei Jahre erfordert. In dieser Zeit finden nur im unterirdischen Kunstbau Ausstellungen statt. Die Werke der Blaue-Reiter-Künstler sind währenddessen auf Welttournee.

München - auferstanden aus Ruinen

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