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Bayerns größte Baustelle: Führt der Ukraine-Krieg bald zu Lieferengpässen? „Spüren die Auswirkungen“

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Von: Andreas Thieme

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Justizminister Georg Eisenreich (51, CSU) zeigt den Neubau am Leonrodplatz, der 2024 fertig sein wird
Justizminister Georg Eisenreich (51, CSU) zeigt den Neubau am Leonrodplatz, der 2024 fertig sein wird. © ACHIM FRANK SCHMIDT

Erst die Corona-Krise, jetzt der Ukraine-Krieg: Für den Neubau des Münchner Justizzentrums gab es einige Hürden - sogar Sprengstoffreste wurden am Leonrodplatz schon gefunden!

München – „Die Fassade ist jetzt geschlossen und die einzelnen Räume nehmen Gestalt an“, sagt Justizminister Georg Eisenreich (51, CSU) über Bayerns größte Hochbaustelle in München*. Bis zu 500 Arbeiter werkeln hier täglich am Ausbau der 40.000 Quadratmeter großen Nutzfläche. Büros für 1300 Mitarbeiter werden bis Ende 2023 entstehen – dazu 54 moderne Gerichtssäle, darunter auch einer der bundesweit größten mit 200 Sitzplätzen. Hier werden künftig die Prozesse gegen Schwerverbrecher und Terroristen geführt.

Der Saal verfügt über eine Schachteltreppe: Richter kommen von oben, Angeklagte von unten – ohne, dass sie sich begegnen. Bei Bedarf kann der Saal sogar geteilt werden. Doch aktuell ist alles noch im Rohbau – und Münchens Strafjustiz muss weiter in der Nymphenburger Straße verhandeln. Das 1974 gebaute Gebäude ist marode, die Säle und Flure mittlerweile arg vergilbt. Schrittweise ziehen einzelne Abteilungen 2024 rüber in den neuen Prunkbau am Leonrodplatz im Stadtteil Neuhausen*, wo sich die Technik dann einpendeln muss. „Es werden aber schon erste Prozesse stattfinden“, sagt Eisenreich.

München: Justizzentrum am Leonrodplatz ist Bayerns größte Hochbaumaßnahme

Die Gerichtssäle dafür entstehen gerade. Sie sind lichtdurchlässig, verfügen über schickes Industrieparkett und Interieur in Eiche und Weiß. Im Neubau haben Richter künftig keinen festen Verhandlungssaal mehr, stattdessen gibt es ein Saal-Management, das nach Bedarf gebucht wird. Das soll die Zuteilung erleichtern.

Neubau trotz Corona-Pandemie*: „Wir sind relativ gut durchgekommen“, sagt Eberhard Schmid, Leiter des Staatlichen Bauamts. Aber aktuell spüre man die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine*: Stahl, Aluminium und Elektroteile werden teurer – es gebe Störungen in den Lieferketten, auch mit Materialengpässen sei zu rechnen. „Es läuft für die Größe aber gut. Wir sind zufrieden mit dem Baufortschritt.“

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Neubau in München: Stahl, Aluminium und Elektroteile werden jetzt teurer – es drohen Lieferengpässe

440.000 Kubikmeter umfasst der Bau, der in zwei Karrees unterteilt ist. Dazwischen liegt der begrünte Innenhof. Außen beeindruckt eine „lebende Glasfront“, wie Architekt Markus Frick erklärt. Winkelförmig zueinander kippende Faserbetonelemente vergrößern die Fläche – dahinter verbirgt sich die Wärmedämmung.

Schmuckstück des neuen Strafjustizzentrums wird ein zweigeschossiger Raum an der vorderen Glasfront, von außen kann man hier in die Bibliothek sehen. „Das Wissen der Justiz soll auch nach außen hin sichtbar sein“, sagt der Architekt. Doch so schick das Gebäude wird: Einige Besucher werden es nur von innen sehen. Denn 2024 werden hier Urteile gefällt – mit bis zu lebenslangen Haftstrafen! *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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