Experten machen Mut

Mieten in München: Offenbar Ende des Immo-Irrsinns in Sicht

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Mietkosten als ständiges Thema: Viele Menschen gehen wegen der horrenden Preise auf die Straße.

Nicht nur Münchner Mieter verzweifeln an den stetig steigenden Kosten. Laut Experten winkt bald aber ein Ende des Immo-Irrsinns. Hier äußern sie sich.

München - Geht es so weiter mit dem Münchner Immo-Irrsinn? Steigen die Preise ins Unermessliche? Schon jetzt werden teils über 20 Euro Miete pro Quadratmeter fällig. Am Dienstag diskutierten im Literaturhaus Experten, Makler, Grundeigentümer und Politiker über dieses Thema. Gleichzeitig machte Mieterschützer Volker Rastätter beim Mieterstammtisch verzweifelten Münchnern Mut. Alle fragten sich: Wo stehen wir in fünf Jahren? „Der Höhepunkt des Plateaus scheint erreicht“, sagt beispielsweise Albert Fittkau vom Grundstückspreis-Bewertungsamt der Stadt. Wirklich? Wir hörten uns bei Experten um.

Aktuelle Befunden sagen aus: Medizin-Touristen verdrängen Mieter in München.

Das sagt der Makler

„Wirtschaft verläuft immer in Zyklen, auf ein Auf folgt ein Ab. Zu den Immobilien- und den Mietpreisen kann man sagen: Wir befinden uns am Ende des Zyklusses der Preissteigerungen. Es ist nur offen, an welchem Punkt des Endes wir stehen. Allerdings muss man auch sagen, dass es noch nie einen Preisverfall in München gab. Ich erwarte eine Zeit der gleichbleibenden Preise, wie zwischen den Jahren 1990 und 2006. Erst danach gab es die enormen Steigerungsraten bei den Kaufpreisen. Die Mieten sind in dieser Zeit lange nicht so stark gestiegen wie die Kaufpreise. Der Markt ist jetzt auch leergefegt, jedenfalls in der Innenstadt.“
Thomas Aigner, Geschäftsführer von Aigner Immobilien

Thomas Aigner ist Geschäftsführer von Aigner Immobilien.

Das sagt das Kommunalreferat

„Wo die Preise in fünf Jahren stehen, ist eine Frage der Nachfrage. München boomt, und wir wollen ja auch keine Mauer drumherum bauen. Fest steht allerdings, dass die Zahl der Verkäufe in den Erhaltungssatzungsbieten der Stadt 2016 einen Höchststand erreichte. 2017 brach die Zahl der Vorkaufsfälle stark ein. 2016 waren 95.000 Quadratmeter Wohnfläche in Erhaltungssatzungsgebieten in der Innenstadt von Verkäufen betroffen, 2016 waren es nur noch 33.000 Quadratmeter.
Kristina Frank, Kommunalreferats-Leiterin

Kristina Frank ist Kommunalreferats-Leiterin.

Das sagt die CSU im Stadtrat

„Ich glaube, wir haben die Phase der Überhitzung der Preise bald überstanden. Spätestens wenn die Zinsen steigen, sind Immobilien in fünf Jahren nicht mehr so attraktiv - ich könnte mir sogar vorstellen, dass es bei den Kaufpreisen eine Delle gibt. Das wird sich auch auf die Mieten niederschlagen. Günstiger werden sie wohl nicht, aber gleichbleiben. Wir wollen die 22 Erhaltungssatzungsgebiete in der Stadt auch in fünf Jahren noch haben, um hier zu steuern.“
Manuel Pretzl, CSU-Fraktionschef

Manuel Pretzl ist CSU-Fraktionschef.

Das sagt der Vertreter der Haus- und Grundeigentümer

„Die Preise steigen weiter - die Mieten in den nächsten fünf Jahren um zehn bis 15 Prozent, die Kaufpreise um 20 bis 30 Prozent. In den vergangenen fünf Jahren stiegen sie ja um 50 bis 70 Prozent, nun ist eine Schmerzgrenze erreicht. Doch die Nachfrage ist weiter enorm, in den fünf Jahren werden 100.000 Neumünchner erwartet. Weiter hängt es an der Zinsentwicklung. Zudem führt die hohe Erbschaftssteuer zu Gentrifizierung, da Erben verkaufen müssen. Hier muss es sein wie bei Unternehmen: Bleibt ein Haus in der Familie und das Mietniveau gleich, bleibt der Erbe von der Steuer verschont.“
Rudolf Stürzer, Vorsitzender von Haus & Grund München

Das sagt der Mieterschützer

„Der Mietspiegel ist einer der Preistreiber. Auch, weil in diesem keine Erhebungen über die Miethöhe von Altmietern enthalten sind. Deshalb fordert der Mieterverein München die Stadt München dazu auf, aus Mieterschutzgründen die derzeit laufenden Neuerhebungen von Daten für einen neuen Mietspiegel zu stoppen. Im Moment ist es günstiger, hier den Lebenskostenindex heranzuziehen. Erst in zwei Jahren sollte ein neuer Mietspiegel erstellt werden. Dann ist die Zeit der Preisexplosionen hoffentlich vorbei. Ein neuer Mietspiegel wäre jetzt schlecht, er könnte Mieter aus der Innenstadt vertreiben.“
Volker Rastätter, Geschäftsführer des Mietervereins München

Volker Rastätter ist Geschäftsführer des Mietervereins München.

Das sagen die Mieter

„Unser Haus in der Sedanstraße wurde heuer im Frühjahr für elf Millionen Euro verkauft, nun wird es wieder angeboten, und zwar für 14,8 Millionen. Das ist der Anfang einer bedrohlichen Entwicklung, denn in der Verkaufsanzeige steht, dass quasi einer Komplettmodernisierung nichts im Weg steht. Nochmal Glück haben werden wir nicht. Der vorherige Eigentümer das 2001 schon mal komplett saniert, ohne Kosten auf Mieter umzulegen.“

Charo Garcia, MTA, Susanne Koch, Beleuchterin und Jan Hehenberger, Architekt

„Ich zahle jetzt rund 1000 Euro Miete. Doch laut einer Modernisierungsankündigung vom April 2017 soll ich bald 2500 Euro Miete zahlen. Ich gerate in Panik, ob ich nicht bald auf der Straße stehe. ich wohne seit 40 Jahren in Haidhausen am Pariser Platz. Ich glaube, das Einzige, was hilft, ist meine rebellische Kraft, denn mit Nettigkeit kommt man gegen die Profitgier meist nicht an. Ich hoffe, ich schaffe es, die Modernisierung zu stoppen.“
Ute Armanski (73), Rentnerin

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