Mehrwert für Anwohner sowie Flora und Fauna

„In mehreren Dimensionen denken“: München plant Wertstoffhöfe von Morgen

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Neues Konzept für München: So könnten Wohnungen am Wertstoffhof an der Arnulfstraße aussehen.

Der Wohnraum ist nach wie vor knapp in München. Nun will die Stadt neue Wege gehen - mit Überbauungen von Wertstoffhöfen. Das könnte auch den Bienen zugute kommen.

  • Münchens Wertstoffhöfe sollen bald weit mehr bieten als die Möglichkeit, Abfall abzuliefern.
  • Geplant sind Werkswohnungen als Überbauung.
  • Andere Projekte könnten den Lebensraum der Bienen erweitern.
Kreative Wege: Kommunalreferentin Kristina Frank von der CSU will Wertstoffhöfe überbauen.

München - Wer in der engen Stadt Wohnungen bauen will, der muss kreativ werden. Ein Beispiel dafür liefert jetzt Kommunalreferentin Kristina Frank (38, CSU): Sie will gemeinsam mit dem Abfallwirtschaftsbetrieb (AWM) Wertstoffhöfe überbauen - etwa für Werkswohnungen. Eine Möglichkeit bestehe unter anderem darin, Gebäudeteile aufzustocken oder eben Teilbereiche zu überbauen, sagte Frank, die auch erste Werkleiterin des AWM ist.

Sabine Schulz-Hammerl, zweite Werkleiterin, unterstützt die Ideen und treibt die Realisierung im städtischen Eigenbetrieb gemeinsam mit Frank voran: „Die Zukunft Münchens entscheidet sich maßgeblich mit der Frage, wie wir neue Flächen generieren beziehungsweise Flächen effizienter nutzen können. Mutige Konzepte leisten dazu einen wichtigen Beitrag.“ Für sie sei es daher extrem wichtig, auch bei den Münchner Wertstoffhöfen neue Wege zu gehen: „Dreidimensional denken und durch Überbauung doppelt so viel Platz schaffen.“

München soll weitere Wertstoffhöfe erschließen: Überbauung von bestehenden Strukturen als Möglichkeit

Die Überbauungsskizzen des Wertstoffhofs Arnulfstraße seien ein erster Entwurf, baurechtliche Fragen und technische Details würden im nächsten Schritt mit den zuständigen Behörden geklärt. Wo für welche Zwecke eine Überbauung von bestehenden Strukturen möglich ist, werde durch Machbarkeitsstudien geklärt. „Durch den Zugewinn neuer Nutzungsmöglichkeiten können wir mehr Service für die Münchner anbieten. Die vorhandene Fläche und Struktur soll künftig nicht mehr nur auf die Abgabe von Wertstoffen beschränkt sein“, sagt Frank.

Durch die Überbauung entstünden einige Vorteile, die sowohl einen ökologischen Nutzen als auch soziale Aspekte beinhalten könnten. Denkbar seien neben Werkswohnungen oder Büros etwa Repair-Cafés und Nachbarschaftsinitiativen, die helfen würden, Abfälle zu vermeiden und Kontakte unter den Menschen zu fördern. Ferner vorstellbar seien Proberäume für Bands oder Ateliers, die eine kreative Unterstützung für die lokale Künstlerszene bedeuten würden. Ebenso könnten „Urban Gardening“ oder „Dächer für alle“ für mehr Natur sorgen und gleichzeitig Treffpunkte im Stadtviertel bilden.

München soll weitere Wertstoffhöfe erschließen: Mehr Lebensraum für Bienen schaffen

Blühende Dachgärten trügen schließlich zur Artenvielfalt und zum Lebensraum für Bienen bei. Photovoltaikanlagen auf dem Dach könnten gleichzeitig Strom produzieren. „Viele Wertstoffhöfe haben mitten in der Stadt gute Lagen. Ein Wertstoffhof würde dadurch zu einem echten Mehrwerthof werden“, sagt Frank. „Deshalb ist es aus meiner Sicht wichtig und richtig, in mehreren Dimensionen zu denken.“

So läuft‘s am Dantebad

Der Platz in München ist begrenzt, Raum für neue Wohnungen auch. Daher lässt sich die Stadt schon einiges einfallen: Konzepte, um Parkplätze zu überbauen, gibt es schon, beispielsweise haben die Stadtwerke München (SWM) am Dantebad auf einem rund 2000 Quadratmeter großen Areal 53 Wohnungen für Mitarbeiter errichtet. Das Gebäude, das direkt neben dem Eingang des Dante-Freibads hochgezogen wurde, hat vier Stockwerke und steht auf Stelzen.

Im Erdgeschoss gibt es Stellplätze für die Bewohner sowie Lagerflächen fürs Dantebad. Auch gibt es Vorschläge, weitere ­Flächen zu überbauen, etwa bei flachen Gewerbebauten oder Supermärkten. Aldi und Lidl wollen beispielsweise beim Neubau ihrer Discounter gleich Wohnungen miterrichten. Zwei Bauprojekte von Aldi Nord in Berlin und Potsdam sollen im Frühjahr dieses Jahres fertig sein.

Wohnen über dem Dantebad: Auf rund 2000 Quadratmetern sind 53 Wohnungen entstanden.

München leidet unter Wachstumsschmerzen, denn der Zuzug geht munter weiter - doch wohin mit all den Menschen? Bereits im Spätsommer 2019 stellte Ministerpräsident Markus Söder in einem Interview klar: „München darf kein Metropolis werden.“

Sascha Karowski

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