Wer ist für Problem verantwortlich?

Trauriger Fall: Münchnerin (90) muss Wohnung verlassen – Vermieter macht ihr auch noch Vorwürfe

Schimmel-Problem in München Berg am Laim: Die 90-jährige Vermieterin Siglinde Kraus sitzt in ihrer alten Wohnung
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Die 90-Jährige aus Berg am Laim konnte vor lauter Schimmel ihr Gäste- und Schlafzimmer nicht mehr betreten. Die Hausverwaltung unternahm nichts.

Wer zahlt bei Wasserschäden und Schimmel-Problemen? Nachdem die Hausverwaltung die Verantwortung von sich wies, blieb einer 90-Jährige nur noch der Auszug.

München/Berg am Laim* – Stehen Reparaturen an, kommt es häufig zum Streit zwischen Mieter, Vermieter und Hausverwaltung. Wer ist verantwortlich und vor allem: Wer zahlt? Eine verzweifelte tz-Leserin wandte sich mit einem Brief an die Redaktion.

Ich bin fast 90 Jahre alt und wohne zur Miete. Im April stellte ich im Esszimmer meiner Wohnung einen Wasserschaden fest. Ich meldete ihn dem Vermieter und der Hausverwaltung. Daraufhin wurde ein Leck an der darüberliegenden Dachterrasse festgestellt. Der Hausverwaltung liegt ein entsprechender Leckortungsbericht vor. Aber trotz meiner und der Bemühungen meines Vermieters wird die Reparatur verschleppt.
Der Wasserschaden in meiner Wohnung wird immer größer. Nun wird mir auch noch falsches Lüften und Heizen* unterstellt. Inzwischen hat sich so viel Schimmel* gebildet, dass ein beauftragter Fachmann auch Schäden an den Möbeln feststellte. Die Verhältnisse wurden so schlimm, dass mich meine Tochter vorübergehend in einem Appartement untergebracht hat. Ich kann meine Wohnung erst wieder beziehen und renovieren, wenn das Leck in der darüberliegenden Terrasse abgedichtet ist. Aber die Vermieterin verweist auf die Hausverwaltung und diese auf die nächste ordentliche Eigentümerversammlung. Was sollen wir tun?
Siglinde K. (90) aus München*
Ein Wasserschaden sorgte in einer Miet-Wohnung in Berg am Laim für Schimmel an den Wänden. Die 90-jährige Siglinde Kraus war machtlos.

Wer haftet bei Schimmel-Schäden? - Mieterverein München erklärt Rechte und Pflichten

Um der alten Dame zu helfen, schalteten die tz den Mieterverein München ein. Dessen Sprecherin Anja Franz machte klar, dass der einzige Ansprechpartner von Siglinde Kraus der Vermieter ist. Er muss dafür sorgen, dass die Wohnung in Ordnung ist, und er muss auch für Folgeschäden durch das Leck in der darüberliegenden Terrasse aufkommen. Weiter schreibt uns Anja Franz: „Leider versuchen Vermieter bei Schimmelschäden* immer wieder, die Mieter zur Verantwortung zu ziehen, indem sie ihnen vorwerfen, sie hätten nicht genügend geheizt oder gelüftet. Letztlich ist aber der Vermieter in der Beweispflicht.“

Leider versuchen Vermieter bei Schimmelschäden immer wieder, die Mieter zur Verantwortung zu ziehen, indem sie ihnen vorwerfen, sie hätten nicht genügend geheizt oder gelüftet. Letztlich ist aber der Vermieter in der Beweispflicht.

Anja Franz, Sprecherin des Mietvereins München

Weiter weist die Sprecherin des Mietervereins München darauf hin, dass der Mieter in solchen Fällen ein Mietminderungsrecht hat. „Hinsichtlich der Schadenbeseitigung muss dem Vermieter eine Frist gesetzt werden, innerhalb derer er sowohl den Schaden als auch die Ursache beseitigen muss. Wenn der Vermieter seiner Verpflichtung nicht nachkommt, kann ihm der Mieter auch mitteilen, dass er selbst Handwerker beauftragt und dem Vermieter in Rechnung stellt“, schreibt der Mieterverein München.

Bei Schäden oder Schimmel – Wer darf wann eine Reparatur in Auftrag geben?

In dem Brief von Leserin Siglinde Kraus (90) ist auch die Rede davon, dass das Leck auf der Terrasse über ihrer Wohnung zwar als Verursacher des Schadens identifiziert wurde, die Hausverwaltung es aber nicht repariert, solange nicht ein Beschluss der Eigentümerversammlung vorliegt.

Um zu klären, wie in diesem Fall die Rechtslage ist, schalteten wir den Anwalt und Vorsitzenden von Haus und Grund München, Rudolf Stürzer, ein. Er schrieb uns, so eine Reparatur sei eine komplizierte Angelegenheit, über die durchaus eine Eigentümerversammlung entscheiden müsse. Er schränkt aber ein: „In dem vorliegenden Fall kann wegen Gefahr im Verzug – sowohl für die Bewohner als auch für das gemeinschaftliche Eigentum – eine Beschlussfassung durch die Eigentümerversammlung nicht abgewartet werden.

Reparatur bei Miet-Wohnungen: Wer haftet? Wer zahlt? - Hausverwaltung, Vermieter und Mieter

Der Verwalter ist daher verpflichtet, zunächst eine Notreparatur in Auftrag zu geben, damit sich der Schaden nicht weiter vergrößert. Insofern ist auch jeder Wohnungseigentümer berechtigt, ohne Zustimmung der anderen Eigentümer die Maßnahmen zu treffen, die zur Abwendung eines dem gemeinschaftlichen Eigentum unmittelbar drohenden Schadens notwendig sind. Dies gilt auch für den Verwalter (Paragraf 21 Abs. 2 WEG). „Aber nur, wenn sofortiges Handeln notwendig ist.“ Zulässig seien jedoch nur Maßnahmen, so Rudolf Stürzer, durch die eine drohende Gefahr beseitigt wird. Nicht solche, die den Schaden dauerhaft beheben (BGH, Urteil vom 25. 9. 2015, V ZR 246/14).

Weiter klärt Rudolf Stürzer auf, dass die Eigentümergemeinschaft beziehungsweise der Verwalter auch für weitere Schäden haftet, die durch eine unterlassene Notfallreparatur entstehen. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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