Autos sollen Bahn frei machen

Kampf um Parkplätze im Münchner Osten: Anwohner veranstalten Demo gegen Halteverbot

Ärger in der städtischen Idylle: Die Anwohner der Heilbrunner Straße sind sauer, weil ihre Parkplätze verschwinden sollen
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Ärger in der städtischen Idylle: Die Anwohner der Heilbrunner Straße sind sauer, weil ihre Parkplätze verschwinden sollen.

Statt eines zeitweisen Halteverbots soll in einer Siedlung im Münchner Osten plötzlich ein Großteil der Parkplätze wegfallen. Die Anwohner sind außer sich und protestieren.

München - „Statt die Interessen der Bürger zu vertreten, sind die weit übers Ziel hinausgeschossen und missachten die Bedürfnisse im Quartier!“ Die Anwohner der Bad-Kissingen- und Heilbrunner Straße im Osten von München* sind massiv verärgert über den Beschluss des Bezirksausschusses Berg am Laim. „Wir sind völlig unwichtig, das ist eine rein ideologische Entscheidung.“

Gemeint sind die Stadtteilpolitiker von Grünen, SPD, Linken und FDP, die sich für ein komplettes halbseitiges Halteverbot in den schmalen Sackgassen ausgesprochen haben. Um Rettungsdiensten und Müllabfuhr freie Fahrt zu verschaffen. Die Abfallwirtschaftsbetriebe (AWM) hatten sich – mal wieder – beschwert, dass die Müllwerker wegen der Parker nicht in die Straßen kämen, wiederholt anfahren oder lange rangieren müssten. Der Vorschlag: Ein einseitiges Halteverbot zwischen 7 und 12 Uhr an Leerungstagen. Bei nur neun Problemfällen in den letzten drei Jahren etwas extrem, aber auszuhalten, fanden die Bürger.

München: Anwohner protestieren - Unversehrtheit weniger wert als Parken vor der Haustür?

Die Mehrheit der Stadtteilpolitiker lehnte den Kompromiss jedoch ab. Es sei keine Lösung für die Rettungsdienste. „Das Recht auf körperliche Unversehrtheit ist mir mehr wert als das Parken vor der eigenen Haustür“, argumentierte Albrecht Dorsel-Kulpe (FDP). Auch Rollstühle und Behinderte bräuchten ausreichend Platz, ergänzte SPD-Sprecherin Daniela Schäfer. Allerdings ist die vorgeschriebene Breite von über zwei Meter gar nicht machbar, so breit waren die Wege in der reinen Anwohnerstraße nie.

Parkplatz-Stress im Münchner Osten: Die Heilbrunner Straße liegt in der Maikäfer-Siedlung.

München: Anwohner stemmen sich gegen Parkplatzverlust - „Theorie“ gegen „Realität“

Auf den kaum befahrenen, knapp 100 Meter langen Sackgassen könne man problemlos auf der Straße gehen, erklärte eine Anliegerin. Feuerwehr* und Rettungsdienst hätten beim Ortstermin kein Problem gesehen. „Es gibt einen polizeilich dokumentierten Fall, wo der Krankenwagen nicht durchkam“, widersprach BA-Chef Alexander Friedrich (SPD). „Wegen einem Falschparker – das kann in München überall passieren“, hielt ein Anwohner dagegen. Hier werde ideologisch Ärger produziert. „Sie haben Ihre Theorie, wir sehen die Realität.“ Schon länger gibt es in dem Viertel diesbezüglich Probleme.

Die 188 alten Häuschen hatten nie Stellplätze. Für die benachbarte Tiefgarage existieren Wartelisten. „Einige haben sich E-Autos angeschafft, die sie über ihre Photovoltaikanlagen laden – wie soll das denn künftig funktionieren“, fragte eine Frau entsetzt. Andere parken ihre Lastenräder und Radlanhänger vor der Tür. Auch sie wären vom drohenden Parkverbot betroffen. Ein verkehrsreduziertes Stadtleben werde durch dieses Gießkannen-Prinzip boykottiert.

Die ohnehin prekäre Parksituation in der Siedlung verschärfe sich zusätzlich. Die Anlieger haben in wenigen Tagen über 200 Protest-Unterschriften gesammelt, die an die Stadt gehen sollen. (Carmen Ick-Dietl) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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