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Betrugsmasche geht nach hinten los: Münchner Senior trickst falsche Polizisten aus

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Von: Phillip Plesch

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Reinhold F. aus München überlistete falsche Polizisten.
Reinhold F. aus München überlistete falsche Polizisten. © Marcus Schlaf

Die Betrugsmasche „Falsche Polizisten“ führt in München immer wieder zum Erfolg. Diesmal aber nicht. Denn ein Senior überlistete die Verbrecher.

München - Die Masche ist bekannt, der Ausgang aber höchst ungewöhnlich. Am Sonntag haben Betrüger bei Reinhold F. aus München angerufen. Unter einem Vorwand wollten sie Bargeld von ihm. Doch der über 70-Jährige fiel nicht drauf rein. Im Gegenteil: Er überlistete die Betrüger. Nun möchte er andere warnen – und für Verständnis werben.

„Die Opfer sind meist nicht dumm oder naiv – sie bekommen durch raffinierte Manipulation Angst und handeln deshalb falsch“, sagt der Pensionär. Schließlich bleiben sie als Geschädigte zurück und Verwandte hätten oft kein Verständnis dafür. Reinhold F. möchte das durch seine Geschichte ändern.

Und die geht so: Am Sonntag gegen 15 Uhr klingelt bei ihm das Telefon. Ein Mann gibt sich als „Oberkommissar Westermann“ aus. Reinhold F. merkt sofort, dass etwas nicht stimmt. Also gibt er seiner Lebensgefährtin Zeichen, die richtige Polizei München zu alarmieren.

Er wird mehrmals weitergeleitet, spricht mit einem „Staatsanwalt“ und einem „Richter“

Der „Oberkommissar“ erklärt ihm unterdessen, dass in der Nähe seines Wohnortes in Berg am Laim eine Frau überfallen worden sei. Ein Teil der Täter sei festgenommen worden. Dabei seien Adresse und Telefonnummer des Pensionärs gefunden worden. Alles gelogen.

„Es entwickelte sich ein Gespräch, das mit Unterbrechungen länger als eineinhalb Stunden dauerte“, erzählt Reinhold F. Er spielt mit und gibt sich als alter Mann mit unsicherer Stimme aus. Er wird mehrmals weitergeleitet, spricht mit einem „Staatsanwalt“ und einem „Richter“. Immer wieder gibt’s Gesprächspausen. Der Senior nimmt an, dass in dieser Zeit organisatorische Vorbereitungen getroffen werden.

Der „Oberkommissar“ fragt am Telefon nach Bargeld

Mittlerweile sind die richtigen Polizisten bei ihm angekommen – in Zivil. Sie setzen sich zu ihm, kommuniziert wird über Zettel. Schließlich fragt der „Oberkommissar“ am Telefon nach Bargeld. Er werde eine Kollegin vorbeischicken, um es in der Asservatenkammer sicher unterzubringen. Zur Bestätigung könne der Senior die 110 wählen.

Kurz darauf klingelt es an der Tür. Die echten Beamten schreiten zur Tat und nehmen die Abholerin fest. Die 33-Jährige aus dem Landkreis München wurde bereits dem Ermittlungsrichter vorgeführt, der Haftbefehl erließ. Dank Reinhold F. ging der Betrugsversuch nach hinten los. 93 Mal war die Masche „Falsche Polizisten“ in München 2021 erfolgreich. Gesamtschaden: 2,55 Millionen Euro. Der Tipp von F.: „Am besten gleich auflegen.“

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