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Bestechung bei BMW: Manager strich Millionen an Schmiergeld ein - Schuhbeck-Richterin kritisiert Auto-Konzern

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Von: Andreas Thieme

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Ingo K. (52) legte ein Geständnis am Landgericht ab
Ingo K. (52) legte ein Geständnis am Landgericht ab © Jantz

Ein ranghoher Mitarbeiter bei BMW hat Millionen an Schmiergeld kassiert, um Aufträge zu vergeben. Seit Freitag muss Ingo K. (52) sich vor dem Landgericht verantworten. Die Richterin wundert sich, wie seine Taten im Konzern überhaupt möglich waren.

München - Bestechung in Millionenhöhe: Das ist der Vorwurf gegen einen ranghohen Mitarbeiter des Autobauers BMW. Ingo K. (52) kassierte laut Anklage der Staatsanwaltschaft München I in den Jahren 2015 bis 2017 insgesamt 2,7 Millionen Euro an Schmiergeldern. Seit Freitag muss er sich vor dem Landgericht verantworten.

Die Vorwürfe räumte der Manager ein. Demnach kam das Geld von zwei Firmen, die Aufträge von BMW bekommen wollten und dann bei der Vergabe auch tatsächlich bevorzugt wurden - davon wiederum profitierte Ingo K. Die Masche dahinter: Die Bestechungszahlungen sollen die Verantwortlichen in den Firmen laut Anklage wiederum auf die Rechnungen geschlagen haben, die sie später für die Aufträge von BMW ausgestellt haben. Dadurch wurde BMW den Ermittlungen zufolge um mehrere Millionen Euro geprellt.

München: BMW-Manager kassierte Schmiergelder - Richterin kritisiert den Konzern

„Mein Job war es, die Bewerber gegeneinander auszuspielen“, sagte Ingo K. „Hat dieser Konzern keine Compliance Abteilung?“, wunderte sich Vorsitzende Richterin Andrea Wagner am Freitag über die dubiosen Geschäftsgebahren, mit denen Ingo K. mehr als zwei Jahre lang offensichtlich recht einfach durchgekommen war. „Ich habe mit den Geldern meinen Baukredit sowie Autos und Urlaube finanziert“, sagte der Manager. „Eigentlich sollte es nur bei einem Deal bleiben.“ Dann sei die Sache mit den Schmiergeldern aber „Routine geworden“, sagte Ingo K.

Richterin Andrea Wagner im Gerichtssaal im Landgericht München.
Richterin Andrea Wagner verhandelt den Fall des BMW-Managers am Münchner Landgericht © Matthias Balk/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Er verfügte nach eigener Aussage über ein Budget von bis zu sieben Millionen Euro, die ihm der Konzern für seine Management-Tätigkeit zur Verfügung stellte. Nachdem der Skandal aufgeflogen war, hatte BMW ihn freigestellt. Richterin Wagner hatte kürzlich Alfons Schuhbeck zu Knast verurteilt - nun muss sie die millionenschwere Bestechungsaffäre bei BMW aufklären. Bis zu acht Jahren Haft forderte die Staatsanwaltschaft für Ingo K. - sechs Jahre werden es laut der Richterin wohl werden. Der Prozess dauert noch an. Ein Urteil soll erst im Januar fallen. So lange wird das Landgericht noch brauchen, um den Fall aufzuklären.

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