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Traum vom 9,99-Euro-Haus in München geplatzt: Unternehmen macht Rückzieher

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Von: Miriam Haberhauer

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Im Schwabinger Kreativquartier sollte billiger Wohnraum für Münchner entstehen. Der Auftrag ging an Euroboden, das Unternehmen gibt den Auftrag jetzt aber wieder zurück.

München – Die Grünwalder Euroboden GmbH macht bei der Bebauung im Kreativquartier einen Rückzieher. Grund dafür seien die dramatisch gestiegenen Baukosten und Zinsen – billiger Wohnraum in Schwabing sei unter diesen Umständen nicht mehr möglich. Die Stadt sucht nun händeringend nach einer Alternative.

Günstiger Wohnraum in München: Euroboden plante 9,99€-Wohnraum

Der Immobilienentwickler Euroboden ist eigentlich eher für seine luxuriösen Immobilien bekannt. Gründer Stefan Höglmaier realisierte mit seinen Geschäftspartnern in München, Berlin und am Starnberger See bereits zahlreiche Immobilienprojekte im Luxussegment. Otto-Normalverdiener können von den Projekten von Euroboden meist nur träumen.

Als aber im Sommer 2022 das städtische Grundstück der früheren Luitpoldkaserne in einem umgekehrten Bieterverfahren zur Bebauung vergeben wurde, ging der Zuschlag an Euroboden. Gemeinsam mit dem TU-Professor Florian Nagler wollte Höglmaier im Kreativquartier zwei einfache Wohnhäuser aus Holz bauen. Die von der Stadt damals vorgegebene Mietobergrenze von 13,50 pro Quadratmeter hatte das Münchner Unternehmen unterboten.

Kreativquartier München Ehemalige Gewerbehallen im Kreativquartier München / former industrial buildings in Munich
Im Kreativquartier soll günstigere Wohnraum geschaffen werden. © IMAGO/C3455 Robert B. Fishman

Gerade einmal 9,99 Euro hätte der Quadratmeter im Münchner Norden kosten sollen – ermöglicht werden sollte der sensationell niedrige Preis durch das Prinzip „Einfach Bauen“, welches auf jeglichen Luxus und unnötige Details verzichtet. Geplant war, 60 Prozent der 42 Wohnungen an „systemrelevante“ Mieter geben – darunter Feuerwehrleute, Polizisten, Krankenpfleger und Kita-Beschäftigte. Die restlichen 40 Prozent sollten frei vergeben werden.

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„Entscheidung sehr bedauert“ – Stadt sucht Euroboden-Ersatz

Anfang November gab das dann Grünwalder Unternehmen bekannt, „von einer Realisierung des ‚Haus für München‘ Abstand zu nehmen und den Zuschlag zurückzugeben“, so Euroboden in einer Pressemitteilung. „Sowohl die Zins- als auch die Baukostenlandschaft haben sich seitdem erheblich verändert. Inflation, Krieg und Pandemie-Nachwirkungen haben dazu geführt, dass sich die Baukostensteigerungen weiter fortgesetzt haben und darüber hinaus die Zinsen von unter einem Prozent auf mittlerweile über vier Prozent gestiegen sind“, erklärte Euroboden seine Entscheidung.

Architekt Nagler und das Unternehmen hatten noch versucht, die Baukosten weiter zu senken und auch nach neuen Investoren für das „Projekt mit sozialer Rendite“ gesucht – vergeblich. „Die Entscheidung der Firma Euroboden, den Zuschlag zur Realisierung der Baugebiete im Kreativfeld zurückzugeben, haben wir sehr bedauert“, erklärte ein Sprecher des Münchner Planungsreferats gegenüber unserer Redaktion.

Das Angebot liegt nun beim ersten Nachrücker des Ausschreibungsverfahrens. „Eine Zusage haben wir bislang noch nicht erhalten“, so die Stadt München. „Wir gehen davon aus, dass eine Zuteilung an die Nachrücker erfolgen wird“, heißt es jedoch weiter. Doch auch für werden die aktuellen Umstände nicht leichter. „Bei einer Zusage gelten weiterhin die damaligen Ausschreibungsbedingungen“, betont das Planungsreferat. (mlh)

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