Nachbarn fordern mehr Polizeikontrollen

BMW-Raser landet in Gartenzaun: Besorgte Mutter meldet sich zu Wort - Wirbel um stadtbekannte „Rennstrecke“

Marina Bihler steht mit ihrem Kind auf dem Arm an der Unfallstelle
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Die Spuren des Unfalls sind nicht zu übersehen: Anwohnerin Martina Bihler ist höchstbesorgt.

In Langwied gibt so mancher Autofahrer ordentlich Gas. Trotz Tempo-30-Zone. Gerade erst landete ein BMW in einem Zaun. Für eine Anwohnerin ist eine rote Linie überschritten.

München - Erst heulte der Motor auf, dann quietschten die Reifen. Doch zu spät: Ein Bruchteil einer Sekunde später bretterte der helle BMW in den Zaun, es schepperte und krachte, als das Holz zerbrach. „Ich bin aus meinen Liegestuhl hochgeschreckt“, sagt Martina Bihler, die mit ihrer Familie nur wenige Häuser entfernt von der Unfallstelle in Langwied wohnt.

Die Straße Im Stocket gilt bei Autofahrern und Bikern seit Langem als Beschleunigungspiste auf dem Weg aus der Stadt, erzählt die Mutter. „Wir haben Angst um unsere Kinder.“ Dass bei dem haarsträubenden BMW-Unfall am frühen Sonntagnachmittag nichts passiert ist, gleicht fast schon einem Wunder.

Raser-Wahnsinn am Stadtrand von München: 22-Jähriger stand bei Unfall unter Alkoholeinfluss

Denn: Gleich ums Eck, wo jetzt der demolierte Zaun liegt, gibt es eine Freifläche, die die Kleinen gern zum Rollern und Skaten hernehmen. Vom Stocket aus führt der Weg direkt zum Spielplatz und vis-à-vis ist eine Bushaltestelle. „Massives Glück“, nennt es Bihler, dass der Unfallfahrer - ein 22-Jähriger aus München* - niemanden ins Verderben gerissen hat.

Der Mann stand, wie die Polizei* auf tz-Anfrage bestätigt, bei dem Crash um 17.30 Uhr unter Alkoholeinfluss. Wie betrunken er war, lässt die Präsidiumssprecherin offen. Die genaue Unfallursache werde noch ermittelt. Für die Anwohner, die die Kollision mitbekommen haben, ist klar: Der BMW-Fahrer kann sich nicht an das Tempo-30-Limit gehalten haben!

Raser-Wahnsinn in München: Tempo-30-Zone wird zur „Rennstrecke für die Menschen aus der Stadt“

Die Nachbarn fordern mehr Tempokontrollen durch die Polizei. Und dass die Ortsdurchfahrt endlich sicher wird. „Das ist eine Rennstrecke für die Menschen aus der Stadt“, findet Bihler klare Worte.

Dass es Im Stocket so nicht weitergehen kann, sagt auch Sebastian Kriesel. „Die Situation beschäftigt uns seit Langem“, erklärt der Vorsitzende des Bezirksausschusses 22 Aubing-Lochhausen-Langwied. Die Politik überlege derzeit, mit zusätzlicher auffälliger Beschilderung auf das Limit von Tempo 30 hinzuweisen. Auch sei denkbar, Blumenkübel oder Ähnliches aufzustellen - um die Auto- und Motorradfahrer zum Bremsen zu bringen. Über entsprechende Anträge werde Kriesel zufolge nachgedacht.

Laut Polizei ist die Straße Im Stocket kein Unfallschwerpunkt. Von 2019 auf 2020 ist die Zahl der Tempo-Unfälle in München sogar zurückgegangen. Gerast wird munter weiter - wie am Sonntag Im Stocket.

Video: Im Münchner Raser-Prozess wurde der Anheklagte zu lebenslanger Haft verurteilt

Tempo-Irrsinn mitten in München

Immer wieder hat die Polizei in letzter Zeit Temposünder im Stadtgebiet ertappt - zum Teil hatten die Raser erheblich zu viel auf dem Tacho. Erst am vergangenen Samstag stoppten Beamte einen 19-Jährigen, der mit 123 km/h über die Ingolstädter Straße gebrettert ist. Erlaubt ist dort Tempo 50! Entsprechend teuer wird es jetzt für den Münchner: laut Katalog 480 Euro.

Noch krasser war ein 40-jähriger Autofahrer Anfang März unterwegs, der eine Verkehrskontrolle vermeiden wollte. Die Folge: Der Raser hat sich mitten in der Stadt, sonntagmorgens um 9 Uhr, eine Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert. Er ist mit Tempo 160 in den Richard-Strauss-Tunnel in Richtung Stadtgrenze gedonnert und konnte erst in Dachau gestoppt werden.

Ein Wochenende zuvor hatten sich zwei junge Münchner mit ihren Luxuskarossen ein Rennen in Moosach geliefert. Auch sie waren innerorts mit unfassbaren 160 Stundenkilometern unterwegs. Ende Februar musste die Polizei ein Autorennen mit drei beteiligten jungen Männern beenden. Sie hatten mit ihren PS-Boliden andere Autos mit über 100 auf der Ingolstädter Straße überholt. (nah) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Zuletzt kam es auch vermehrt zu Fahrradunfällen, weshalb die Polizei eindringlich warnt. Ein Rennpferd lieferte sich eine Verfolgungsjagd mit der Polizei durch den Münchner Westen.

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