„Möchte ein Zeichen setzen“

Rassismus-Streit bei BMW: Techniker berichtet von fremdenfeindlichen Parolen - dann verliert er seinen Job

Herzstück der Innovation: Das Forschungs- und Entwicklungszentrum (FIZ) von BMW im Münchner Norden. Hier soll es zu den Vorfällen gekommen sein.
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Herzstück der Innovation: Das Forschungs- und Entwicklungszentrum (FIZ) von BMW im Münchner Norden. Hier soll es zu den Vorfällen gekommen sein.

Er protestierte gegen rassistische Parolen seiner Kollegen. Dann verlor Leiharbeiter Ronny F. seinen Job. Die Gegenseite bestreitet einen Zusammenhang. Nun liegt der Fall beim Landesarbeitsgericht.

München - Die Beschimpfungen sollen schockierend gewesen sein: „Bimbos, Neger, Kanacken“ – Worte wie diese sollen in einer Abteilung bei BMW gefallen sein. Leiharbeiter Ronny F. (40) konnte das nicht ertragen. „Ich sprach die jeweiligen Kollegen an, aber sie waren völlig uneinsichtig“, sagt der Techniker.

Nachdem auch sein Meister nichts von den rassistischen Äußerungen habe hören wollen, traf Ronny F. eine Entscheidung: Er informierte den BMW-Betriebsrat über die Vorfälle, die er im Forschungs- und Innovationszentrum (FIZ) beobachtet hatte. „Ich wusste nicht mehr weiter und dachte: So etwas darf es einfach nicht geben.“ Doch damit brachte der Leiharbeiter eine Lawine ins Rollen: Erst stellte BMW ihn frei, danach wurde er von seinem Arbeitgeber gekündigt.

Was tatsächlich vorgefallen ist, muss nun das Landesarbeitsgericht klären. Dort klagt F. gegen seinen Rauswurf. Eine Zeitarbeitsfirma hatte den Sachsen im Juli 2018 unbefristet angestellt und ihn in einer zwölfköpfigen Arbeitsgruppe im FIZ eingesetzt, die sich um Ersatzteile kümmert. „Ich habe schnell gemerkt, dass der Ton im Team rau ist“, sagt F. „Aber dass Mitarbeiter, Kunden oder Zulieferer so übel beschimpft wurden, fand ich schlimm.“

Rassismus-Streit bei BMW: Techniker berichtet von fremdenfeindlichen Parolen

In erster Instanz hatte das Arbeitsgericht bestätigt, dass „zumindest von einem Kollegen“ rassistische Äußerungen gefallen seien. Das Gericht erklärte die Kündigung für unwirksam. Begründung: „Ein von rassistischen Beleidigungen geprägtes Arbeitsumfeld muss ein Arbeitnehmer nicht hinnehmen“. Auch nicht als Leiharbeiter und selbst dann nicht, wenn der Fremdenhass sich nicht gegen ihn selbst richte.

München: So reagierte BMW auf den Vorfall 

BMW teilt dagegen mit, eine interne Untersuchung habe die rassistischen Äußerungen nicht bestätigt. Der Konzern betont, für Vielfalt zu stehen. „Mehr als 120 Nationalitäten arbeiten bei uns allein in Deutschland zusammen. Unterschiedliche Kulturen, Sichtweisen und Herangehensweisen sind für uns ein Erfolgsfaktor. Wir tolerieren keinesfalls Diskriminierung“, sagt Sprecherin Martina Hatzel auf Anfrage unserer Zeitung. „Ebenso konnte nicht nachvollzogen werden, dass die angeblichen Beschwerden des Klägers zur Kündigung durch seinen Arbeitgeber geführt haben.“

Im Berufungsprozess will Richter Wolfgang Karrasch nach dem ersten Verhandlungstag nun Zeugen hören. Der Grund: Inzwischen bestreitet die Leihfirma, dass es rassistische Äußerungen gegeben habe. „In der ersten Instanz war das noch nicht der Fall“, sagte der Richter.

Rassismus-Streit bei BMW: „Werde mich nicht mit Geld ruhigstellen lassen“

Seinen Vorschlag, sich gütlich zu einigen, lehnte Ronny F. kategorisch ab: „Es geht um Alltagsrassismus. Ich werde mich mit Geld nicht ruhigstellen lassen, sondern möchte ein Zeichen setzen, dass man nicht wegschauen soll.“ Er wolle „aufrecht“ das Gericht verlassen können. Aktuell ist der Techniker arbeitslos. Der Deutsche Gewerkschafts-Bund unterstützt ihn im Prozess, der wohl im Februar fortgesetzt wird. 

Im BMW-Werk Landhut kam es 2018 zu zwei Vorfällen im rechtsextremen Bereich. Ein „Sieg Heil“-Gruß und ein Hitler-Gedenkbild sorgten für Aufsehen. Das Unternehmen hat sich dazu geäußert.

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Zu einer fremdenfeindlichen Aktion kam es in Weißenhorn (Bayern). Unbekannte sorgten mit einem DIN A 4 Blatt für Aufsehen. Die Polizei ermittelt. In Berlin bekommt ein Mann wegen seiner Herkunft die härteste Absage, die man sich vorstellen kann.

Andreas Thieme

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