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Schlag um Schlag aus der Krise - Boxwerk eröffnet zweiten Standort - auch wegen Corona

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Von: Phillip Plesch

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Mit viel Liebe zum Detail hat Nick Trachte sein neues Schmuckstück geschaffen.
Mit viel Liebe zum Detail hat Nick Trachte sein neues Schmuckstück geschaffen. © Oliver Bodmer

Corona hat viele Unternehmen in die Knie gezwungen. Nicht so das Boxwerk. Nick Trachte hat sich durchgekämpft und jetzt sogar einen zweiten Standort eröffnet.

Für Nick Trachte fußt der Boxsport auf vier Säulen: Technik, Taktik, Kondition und Psyche. Mentale Stärke war für Trachte ein zentrales Thema in den vergangenen zwei Jahren. Denn der Betreiber des Boxwerks in der Maxvorstadt hat sich selbst eine Mammutaufgabe gestellt. In der Schwindstraße hat er eine zweite Trainingsstätte geschaffen - und, auch wenn es nicht immer leicht war, sich im wahrsten Sinne durchgeboxt.

Gestern, am Tag der offenen Tür, gab’s einen ersten Einblick. „Das erste offizielle Training kann ich hoffentlich am 4. März halten“, sagt Trachte. An seinem Geburtstag. Genau wie vor 13 Jahren, als er 2009 das Boxwerk ins Leben rief. Knapp 500 Mitglieder hatte der Klub vor Corona. Dann kam die Pandemie - und mit ihr Abstands- und Hygieneregeln. Der Platz reichte nicht mehr.
Trachte wollte sich schon vor der Pandemie vergrößern, das Virus gab nun den entscheidenden Anstoß. Trotz und wegen Corona kam’s also zum zweiten Standort. Auf über 600 Quadratmetern hat der 47-Jährige seinen Traum verwirklicht.

Während der Pandemie verabschiedeten sich 30 Prozent der Mitglieder

In einer ehemaligen Eisenschmiede gibt es alles, was das Boxerherz begehrt - mit viel Liebe zum Detail. An einem Fitness- und Kraftbereich im Untergeschoss geht’s vorbei nach oben, zum Zentrum des zweiten Boxwerks. In einer großen Halle steht der Original-Boxring von den Olympischen Spielen 1972 in München. 50 Jahre nach Olympia hat er endlich ein neues Zuhause gefunden. Rund herum baumeln jahrzehntealte Sandsäcke von der Decke. In einer kleineren Halle nebenan steht ein zweiter Ring. Wie schon im ersten Boxwerk soll es auch hier wieder Kulturveranstaltungen geben.

Im Hinterhof wird aus der Maxvorstadt die Boxvorstadt.
Im Hinterhof wird aus der Maxvorstadt die Boxvorstadt. © Oliver Bodmer

„Ich spiele gerne mit Klischees“, sagt Trachte schmunzelnd. Er trägt einen dicken Mantel, hat eine Bronzekette um den Hals hängen. Seine gute Laune hat der Vizepräsident des Bayerischen Boxverbandes nicht verloren. Dabei traf die Corona-Krise ihn und sein Boxwerk mit den 13 Trainern hart. Alle Maßnahmen kann er nicht verstehen. Zehn Monate war komplett geschlossen. Es gab nur Online- und Freiluft-Training. Rund 30 Prozent der Mitglieder verabschiedeten sich, dazu stiegen die Kosten an der Baustelle mehr und mehr. Etwa eine halbe Million Euro hat Trachte letztlich für sein zweites Boxwerk investiert.

Das Boxwerk ist Trachtes Lebenswerk

Doch es hat sich gelohnt. „Stolz und glücklich“ mache ihn das Ergebnis. Rückhalt bekam der Münchner während der Zeit von seiner Familie - und dem Boxsport. Kämpfen sei er gewohnt. Zudem biete das Boxen in Krisenzeiten ein gutes Ventil. „Im Training ist man im hier und jetzt, kann loslassen und am Sandsack rausboxen, was sich angestaut hat.“ Für Trachte ist klar: Boxen ist seine Passion - das Boxwerk sein Lebenswerk.

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