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Faustschläge am Marienplatz - BR-Reporter nach Angriff: „Muss den Vorfall erst einmal verdauen“

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Von: Phillip Plesch, Andreas Thieme

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Polizist am Marienplatz
Nach der Attacke auf einen BR-Reporter wurde ein Mann am Münchner Marienplatz festgenommen (Symbolbild). © IMAGO / IPA Photo

Schlimmer Vorfall auf dem Marienplatz: Bei einer Pressekonferenz wurde ein Journalist angegriffen. Hier schildert er den Vorfall und erzählt, wie es ihm geht.

München - Es war ein brutaler Angriff während der Arbeit! Als Bayerns Gesundheitsminister am Dienstag am Marienplatz in München für die vierte Corona-Impfung warb, attackierte ein 23-Jähriger einen Reporter des Bayerischen Rundfunks. Er hatte den 38-jährigen Journalisten nach einer Pressekonferenz mehrfach mit der Faust geschlagen. Gegen den Täter wurde mittlerweile Strafanzeige gestellt, bestätigt das Polizeipräsidium. 

Während einer offenen Fragerunde war der bereits polizeilich bekannte Münchner plötzlich auf Journalisten losgegangen und beschimpfte sie „als Volksverräter und Impfterroristen“. Uniformierte Beamte erteilten dem Mann einen Platzverweis. Dem kam er auch nach. Nach der Fragerunde kam der 23-Jährige laut Polizei aber zurück und schlug dem BR-Reporter am Marienplatz ins Gesicht.

München: BR-Reporter erzählt von der Attacke

So schildert der betroffene Reporter die Situation: „Als mich der junge Mann während eines Gesprächs mit zwei Impfgegnern überraschend von der Seite mit der Faust schlug, bin ich instinktiv nach hinten zurückgewichen, gleichzeitig haben meine Gesprächspartner ebenso schützend die Hände ausgestreckt und dem Angreifer signalisiert, er solle mich in Ruhe lassen. Das empfand ich positiv, da die beiden Gesprächspartner selbst mit heftigen Vorwürfen gegenüber unserer Berichterstattung auf mein Kamerateam zugegangen sind. Mit ihnen war jedoch eine Gesprächsbasis gegeben, der Angreifer schrie auf mich ein und gab dabei Verschwörungs- und Vernichtungsfantasien von sich.“

Der Angreifer schrie auf mich ein und gab dabei Verschwörungs- und Vernichtungsfantasien von sich.

BR-Reporter berichtet von Attacke

Weiter berichtet er: „Daraufhin haben zwei Sicherheitsleute, die noch von der Pressekonferenz von Gesundheitsminister Klaus Holetschek anwesend waren, den Angreifer auf Distanz gehalten. Dafür bin ich den beiden Securitys sehr dankbar. Er machte auf dem Rathausplatz eine Runde und lauerte mir offenbar wenige Minuten lang auf. Denn als ich das Gespräch mit den Impfgegnern beendete, näherte er sich wieder blitzschnell und schlug erneut von der Seite mit seinen Fäusten auf meinen Kopf ein. Erneut wich ich aus, und er wurde von den privaten Sicherheitsleuten solange festgehalten, bis eine Polizeistreife eintraf, ihn festnahm und die gefährliche Situation klärte.“

Auf dem Weg zur Wache beleidigte und bedrohte der Schläger dann noch die Polizisten. Ihm droht jetzt ein Prozess wegen Körperverletzung, Bedrohung und Beleidigung.

München: BR-Reporter erstmals tätlich angegriffen

Dem BR-Reporter hilft das erst mal nicht weiter. Körperlich sei er zwar nicht verletzt, sagt er, doch: „Seelisch muss ich den Vorfall erst einmal verdauen.“ Als Reporter müsse man immer mit unvorhergesehenen Situationen rechnen. Er sagt: „Wir bewegen uns im öffentlichen Raum, da kamen bei Drehaufnahmen gerade im Zuge der Corona-Krise in der Vergangenheit immer wieder einmal böse Sprüche und Gesten in unsere Richtung.“ Einen tätlichen Angriff habe er bisher aber noch nicht erlebt. Nun sei er ein wenig geschockt, „wie sehr die Verrohung in manchen Teilen der Gesellschaft fortgeschritten ist.“

Seinem Job ging der Reporter schon einen Tag nach dem Angriff wieder nach. Er werde ihn und seine Kolleginnen und Kollegen nicht davon abhalten, unvoreingenommen alle Seiten eines Themas zu betrachten und dabei auch im öffentlichen Raum in Kontakt mit Bürgern zu gehen und schwierige Themen einzuordnen. „Viele Vorurteile gegen die Öffentlich-Rechtlichen können ungehindert in den Sozialen Netzwerken kursieren. Dagegen müssen wir aus meiner Sicht in irgendeiner Weise stärker vorgehen, denn es richtet - nicht nur in meinem Fall gestern - großen Schaden an.“

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