1. tz
  2. München
  3. Stadt

Weil sich Störungen bei S-Bahn häufen: Nächster Brandbrief erreicht Bosse - auch Münchens OB ledert

Erstellt:

Von: Dirk Walter

Kommentare

Wenn’s mal wieder länger dauert – hier werden Zugausfälle auf der Linie der S3 angezeigt.
Wenn’s mal wieder länger dauert – hier werden Zugausfälle auf der Linie der S3 angezeigt. © Marcus Schlaf

Erneut gibt es eine drastische Beschwerde über die S-Bahn. Den MVV-Gesellschaftern reicht es mit den andauernden Störungen. Sie bestellen in einem Brandbrief DB-Chef Richard Lutz und Infrastruktur-Vorstand Ronald Pofalla zum Rapport.

München - Es ist bereits der zweite Beschwerdebrief an Lutz und Pofalla in nur kurzer Zeit. Erst im Dezember hatte der Nürnberger Chef des Verkehrsverbunds, Andreas Mäder, namens des Beirats der Bayerischen Eisenbahngesellschaft die Probleme mit drastischen Worten (Münchner S-Bahn* „desaströs“) kritisiert.

(Unser München-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Isar-Metropole. Melden Sie sich hier an.)

Beschwerde-Brief an die Deutsche Bahn: OB Reiter und Ministerin Schreyer machen mit

An der Lagebeschreibung hat sich in dem Brief von Münchens OB Dieter Reiter*, Bayerns Verkehrsministerin Kerstin Schreyer und den acht Landräten der MVV-Region eigentlich nichts geändert. „Durch aktuelle Störungen und Beeinträchtigungen bei Infrastruktur und Betrieb der S-Bahn München haben wir derzeit ein sehr großes Akzeptanzproblem bei den Fahrgästen“, wird in dem Schreiben geklagt. Der Brief datiert vom 23. Dezember, dass ihn die Pressestelle des Verkehrsministeriums am 19. Januar öffentlich machte, könnte dem Umstand geschuldet sein, dass Ministerin Schreyer durch Spekulation über eine Umbildung des Söder-Kabinetts selbst unter Druck geraten ist.

Die S-Bahn München hat ein großes Akzeptanzproblem: Oberbürgermeister Dieter Reiter.
Die S-Bahn München hat ein großes Akzeptanzproblem: Oberbürgermeister Dieter Reiter. © Marcus Schlaf

Wie auch immer: An der Misere der S-Bahn gibt es wenig zu deuteln: Störungen an Weichen, Stellwerken, Signalen, Fahrzeugen und speziell Türen sowie Personalengpässe bei DB Netz werden in dem Brief aufgelistet. Das hat wie mehrmals berichtet zu einer fast beispiellosen Verspätungsserie geführt. Im November war die Pünktlichkeit auf ein Zehn-Jahres-Tief abgesunken – jede zehnte S-Bahn war mehr als drei Minuten zu spät. Normal sind 95 und 96 Prozent Pünktlichkeit. An einzelnen November-Tagen sank die Pünktlichkeit indes auf katastrophale 69,9 Prozent. Sieben Prozent der Züge fielen ganz aus, das ist in dieser Statistik gar nicht berücksichtigt.

DB-Chefs sollen nach München kommen - ein Termin, der nicht abgelehnt werden kann

Der erste Beschwerdebrief blieb offenbar folgenlos – ob die Berliner Bahnmanager den zweiten Brief auch so abtropfen lassen können, ist indes unwahrscheinlich. OB Reiter und Verkehrsministerin Schreyer laden zusammen mit den Landräten die beiden DB-Chefs nach München* ein – „bitte wenden sie sich zur Terminabstimmung an das Vorzimmer von Frau Staatsministerin Kerstin Schreyer“. Einen Termin gab es am Mittwoch noch nicht – dass es einen geben wird, scheint sicher, alles andere wäre ein Affront gegen die Stadtspitze und den Freistaat.

Verkehrsministerin Kerstin Schreyer hat die DB-Chefs nach München eingeladen.
Verkehrsministerin Kerstin Schreyer hat die DB-Chefs nach München eingeladen. © Rolf Poss/imago images/Archiv

„Die Fahrgäste sind die zahlreichen Verspätungen und Ausfälle leid“, erklärt OB Reiter ergänzend in einer Pressemitteilung. „Der DB-Vorstand muss jetzt endlich handeln.“ Schreyer berichtet über vermehrte Fahrgastbeschwerden. In dem Brief wird auch auf die Vielzahl an Baustellen verwiesen. Auch das ist ein Konfliktthema: „Ungenügend vorbereitete oder zu kurzfristig angegangene Baustellen sowie unzureichende Kommunikation“ hätten zu weiteren Problemen geführt. „Wir wollen ja, dass gebaut wird“, betont Schreyer. Aber das dürfe nicht zu einem „Vertrauensverlust in das System“ führen.

Fraglich ist, ob sich die Probleme schnell abstellen lassen. Baustellen und die störanfällige Infrastruktur sind das eine Thema, die Züge das andere. Vor allem die alten Züge der S-Bahn-Baureihe 420 („Olympia-S-Bahn“) gelten als störanfällig. Im Laufe des Jahres will sich die S-Bahn durch 15 Gebrauchtfahrzeuge aus Hannover verstärken. *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Auch interessant

Kommentare