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Hochhäuser bei Paketposthalle: Kritiker sammeln Unterschriften gegen Türme - und wollen Bürgerentscheid erreichen

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Von: Claudia Schuri

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Zwei 155 Meter hohe Türme könnten am Paketposthallen-Areal entstehen. Doch die Initiative „HochhausSTOP“ wehrt sich dagegen – die Initiatoren fordern eine Höhengrenze von 60 Metern.
Zwei 155 Meter hohe Türme könnten am Paketposthallen-Areal entstehen. Doch die Initiative „HochhausSTOP“ wehrt sich dagegen – die Initiatoren fordern eine Höhengrenze von 60 Metern. © Herzog & de Meuron

Stimmen die Münchner bald wieder über Hochhäuser ab? Eine Initiative hat eine Unterschriftenaktion gegen die beiden geplanten 155 Meter hohen Türme am Paketposthallen-Areal gestartet. Das Ziel: Ein Bürgerbegehren – und ein Hochhaus-Stop.

Die Frage ist in München hochemotional: Wie weit dürfen in der Stadt Hochhäuser in den Himmel ragen? Nicht mehr als 100 Meter, hatten die Münchner 2004 bei einem Bürgerbegehren entschieden. Doch rechtlich binden ist dieser Entschluss schon lange nicht mehr.

Jetzt ist wieder ein Hochhausstreit entbrannt – und es könnte einen neuen Bürgerentscheid geben. Denn auf dem Areal der Paketposthalle sind zwei Türme mit einer Höhe von 155 Metern geplant. Die Initiative „HochhausSTOP“ möchte das unbedingt verhindern und hat jetzt eine Unterschriftensammlung für ein Bürgerbegehren gestartet. Geht es nach den Kritikern, dann sollen die Münchner über diese Frage abstimmen: „Sind Sie dafür, dass die Stadt München alle rechtlich zulässigen Maßnahmen ergreift, damit in Neuhausen im Umfeld der Paketposthalle kein Hochhaus gebaut wird, das über 60 Meter hoch ist?“ Mindestens rund 35 000 Unterschriften sind dafür notwendig, dann kommt es zum Bürgerentscheid. Vertreter der Initiative werden mit Unterschriftenlisten in der Stadt unterwegs sein.

Hochhäuser an der Paketposthalle wären Dammbruch

Robert Brannekämper

„Die Hochhäuser an der Paketposthalle wären ein Dammbruch“, erklärt Initiator und CSU-Landtagsabgeordneter Robert Brannekämper. Er befürchtet, dass sie der Auftakt „für den Weg Münchens zur Hochhausstadt“ sind. Auch der ehemalige SPD-Stadtrat Wolfgang Czisch warnt: „Wir dürfen die Stadt nicht an die Investoren ausliefern. Frankfurt an der Isar darf es nicht geben.“ Er betont, es ginge den Kritikern nicht darum, die Schaffung von Wohnungen zu verhindern. Aber: „Hochhäuser haben wenig mit sozialem Wohnraum zu tun.“

Die Initiatoren hatten überlegt, ob sie sie das Bürgerbegehren nur gegen die Paketposthallen-Türme oder komplett gegen Hochhäuser ausrichten. Unter anderem aus juristischen Gründen entschlossen sie, sich auf das konkrete Projekt zu beziehen. „Wir hoffen, dass die Stadt die Signale dann versteht“, sagt Brannekämper.

Die Bedenken der Kritiker

Außerdem kritisieren die Unterstützer die Auswirkungen der 155-Meter-Türme auf die Silhouette von Schloss Nymphenburg und den Schattenwurf. Auf einer Visualisierung zeigen sie, wie weit sich dieser im Dezember im Zwei-Stunden-Takt auf die Nachbarschaft ausreichen würden. Sie plädieren am Paketposthallen-Areal für eine maximale Gebäudehöhe von 60 Metern – und damit für deutlich weniger, als die Marke beim ersten Hochhaus-Bürgerentscheid 2004 war. „Ökologie und Nachhaltigkeit sind entscheidende Punkte und ab 60 Metern nicht mehr darstellbar“, erklärt Brannekämper.

Die Einschätzung der Münchner Stadträte

Dem widerspricht der Vorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion Christian Müller. „Gute Architektur und Klimaneutralität bemessen sich nicht an der Höhe“, erklärt er. Auch CSU-Stadtrat Manuel Pretzl findet: „Hochhäuser können, wenn sie ästhetisch gestaltet sind, an ausgewählten Orten auch höher als 100 Meter sein.“ Die CSU-Stadtratsfraktion ist dafür, die Bürger in einem Ratsbegehren abstimmen zu lassen, ob die 100-Meter-Grenze aufgehoben wird. Auch die Stadtratsfraktion Die Grünen-Rosa Liste hält es für richtig, die Bürger erneut zu befragen, bevor die 100 Meter überschritten werden. Aber: „Wir halten es nicht für zielführend, über einzelne Bauprojekte stadtweit Abstimmungen durchzuführen“, sagt die Fraktionsvorsitzende Anna Hanusch. Sie verteidigt auch das Bürgergutachten für das Paketposthalle-Areal: „Hier haben sich Bürgerinnen und Bürger Zeit genommen, um sich mit allen Aspekten dieses Projekts und seinen Auswirkungen auf das Quartier zu beschäftigen“, sagt sie.

Bei dem Gutachten, an dem 112 zufällig ausgewählte Münchner mitwirkten, hatte sich eine Mehrheit für den Bau der Türme ausgesprochen. Die Bürgerinitiative dagegen kritisiert, das Gutachten sei intransparent, unausgewogen und keine demokratische Beteiligungsform.

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