Er muss isoliert für sich werben

Für München-Nord in den Bundestag? SPD-Kandidat Florian Post sieht sich als „Klartexter“

Der Wahlkreis München-Nord war lange die letzte Bastion der SPD im Freistaat. Jetzt muss Florian Post ihn zurückerobern, um wieder ins Parlament einzuziehen.
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Der Wahlkreis München-Nord war lange die letzte Bastion der SPD im Freistaat. Jetzt muss Florian Post ihn zurückerobern, um wieder ins Parlament einzuziehen.

„SPD-Rebell“ Florian Post will den Wahlkreis München-Nord zurückerobern. In seiner Partei hat er nicht nur Fürsprecher.

München - Parteirebell? Persona non grata? Florian Post sagt: Nein, er fühle sich nicht in dieser Rolle. Dass ihm vor der Bundestagswahl 2021 jene Attribute von Medien angeheftet werden, stört ihn aber auch nicht besonders. Der Sozialdemokrat sieht es so: „Ich bin ein Klartexter.“ Womit er aneckt.

Post ist um keinen markigen Spruch verlegen. Egal, ob in der Corona-Politik, in der Migrationsfrage oder dem „Quatsch mit dem Gender-Gaga“, wie er es ausdrückt. Erst vergangene Woche bei der Sondersitzung im Bundestag hat Post mal wieder die Parteilinie missachtet. Schon tags zuvor hatte er via Twitter angekündigt: „Ich werde gegen die Verlängerung der epidemischen Lage stimmen.“ Und das tat er.

Bundestagswahl München-Nord: Florian Post (SPD) sieht sich als „Klartexter“

Post sagt, er sei doppelt geimpft und habe alle Vorsichtsmaßnahmen zur Eindämmung der Pandemie mitgetragen. Doch nun seien die Einschränkungen unverhältnismäßig. Überhaupt sei er die „Schwarz-Weiß-Diskussion“ leid. Wer Kritik an den Corona-Regeln übe, werde schnell in die Querdenker-Ecke gestellt. „Das macht mich wütend.“ Ihn treibe die Sorge um die jüngere Generation und die Gefahr bleibender psychischer Schäden um: „Kinder und Jugendliche sind die Verlierer der Pandemie.“

Seit 2013 sitzt Florian Post im Bundestag. Er zog über die SPD-Landesliste ins Parlament ein, genauso wie 2017. Diesmal wollten ihm die bayerischen Genossen keinen sicheren Listenplatz zugestehen, woraufhin es zum Eklat kam. Post sprach von einer Intrige und einem „Angriff aus dem Hinterhalt“ und verzichtete auf eine Listenkandidatur. Was bedeutet, dass er nun das Direktmandat im Wahlkreis Nord gewinnen muss, um wieder im Bundestag vertreten zu sein.

München-Nord: Florian Post führt isolierten Wahlkampf

Laut Umfragen stehen die Chancen dafür nicht schlecht, weshalb Post sich als „Klartexter“ bestätigt fühlt. Viele Menschen würden ihm schreiben, dass sie in der Politik, die er vertrete, „die alte SPD“ wiedersähen. Post selbst erklärt, er habe ja auch kein Problem mit der Partei, sondern mit den „Funktionären“. 80 bis 90 Prozent der Mitgliederbasis seien ihm wohlgesonnen, glaubt er.

Dass er isoliert von der Münchner SPD seinen Wahlkampf führen muss, tangiert ihn daher kaum: „Ich bin acht Jahre lang herumgetingelt wie ein Irrer. Das macht sich jetzt bezahlt. Die Ortsvereine unterstützen mich.“ Sein Rat an die eigene Partei: „Die SPD muss wieder normaler werden.“ Die wichtigsten Themenfelder in der neuen Legislaturperiode sind für den Münchner die Bekämpfung von Altersarmut und das Schaffen bezahlbarer Wohnungen.

Mit SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz hat der gebürtige Oberpfälzer auch kein Problem, sagt er. „Der macht handfeste Politik.“ Auch Scholz stehe in gewisser Weise „für die alte SPD“. Es gebe in der Bevölkerung „eine große Sehnsucht“ für eine Alternative jenseits der Union. Scholz könne den Wechsel herbeiführen. Er habe für eine neue Geschlossenheit in der SPD gesorgt. Posts persönliche Präferenz nach der Wahl ist eine „Deutschland-Koalition“, also eine Allianz aus CDU/CSU, SPD und FDP. „Ein guter Querschnitt“, wie er meint.

Bundestagswahl: Florian Post (SPD) zeigt sich gerne mit Alt-OBs

Der frischgebackene Familienvater ist ein Politiker, der in den sozialen Medien sehr präsent ist. Auf seinem Facebook- und Twitter-Profil wird er von den Münchner Alt-OBs Christian Ude und dem 2020 verstorbenen Hans-Jochen Vogel flankiert. „Nicht die schlechtesten Vorbilder“, findet er. Zwischen Ude und ihn passe politisch kein Blatt. Und der große Sozialdemokrat Hans-Jochen Vogel, der einst 1976 und 1980 das Direktmandat im Norden holte, sei auch nicht von Beginn an verehrt worden. „Es imponiert mir, wie er immer Kurs gehalten hat.“

Post sagt, er werde bis zum letzten Tag um das Direktmandat im Norden kämpfen. Sollte er es nicht schaffen, „überlege ich mir einen Plan B“. Er habe Betriebswirtschaft studiert und eine gute Ausbildung. Und versichert: „Ich brauche keinen Versorgungsjob bei den Stadtwerken oder einer Gewerkschaft.“

Vor neun Wochen ist Florian Post stolzer Vater von Zwillingen geworden: „Wenn ich die Mädchen sehe, da ist dann alles relativ.“ Er sei dadurch geerdeter und entspannter geworden.

Wobei, einen völlig entspannten Florian Post kann man sich eigentlich schwer vorstellen.

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