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Flug gestrichen - So erlebte eine Schauspielerin das Chaos am Münchner Flughafen: „kompletter Kontrollverlust“

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Von: Sophia Oberhuber

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Passagiere stehen am Check-In Schalter von Eurowings am Flughafen Düsseldorf an. Als erstes Bundesland startet NRW in die Sommerferien.
Symbolfoto: Lange Warteschlangen am Flughafen - hier Passagiere am Check-In Schalter von Eurowings am Flughafen Düsseldorf. © Thomas Banneyer/dpa

Frust statt Flug in den Urlaub: Weil Lufthansa unter anderem wegen Personalmangels Flüge storniert hat, kommt es zu Chaos-Szenen am Flughafen. Das berichtet eine Münchnerin.

München - Voller Vorfreude fuhr Josephine Kroetz am Freitag an den Flughafen. Seit sieben Jahren der erste Urlaub ohne Mann und Kind, seit Monaten geplant. Die Münchner Schauspielerin wollte eine Freundin in Valencia besuchen. Doch aus der Reise wurde nichts: Die Airline stornierte den Flug kurzfristig - und statt im sommerlichen Spanien stand Kroetz stundenlang in einer Warteschlange am Flughafen.

München: Flug von Schauspielerin Josephine Kroetz eineinhalb Stunden vor Abflug annulliert

„Das ist kein Totalversagen mehr, liebe Lufthansa, das ist ein kompletter Kontrollverlust“, schreibt die 33-jährige Tochter von Franz Xaver Kroetz und Marie Theres -Kroetz-Relin über die zuständige Airline. Das Chaos begann, als Kroetz am Freitag die Sicherheitskontrolle passierte und nach ihrem Gate sehen wollte. Doch statt einer Gate-Nummer hieß es auf dem Monitor: Flug annulliert. Lufthansa informierte die Münchnerin darüber auch per -E-Mail - eineinhalb Stunden vor Abflug.

„Ich konnte es gar nicht glauben, eben war doch alles noch in Ordnung gewesen: Kroetz wandte sich ans Service Center. Doch weil ihrer Einschätzung nach etwa 50 Flüge gestrichen wurden, wand sich bald „eine Riesenschlange mit bestimmt mehr als 1000 Menschen quer durch das Terminal 2“. Während Lufthansa per Durchsage über Inlandsflüge informierte, seien zu Auslandsflügen keine Informationen mitgeteilt worden.

Lufthansa-Sprecherin: Personalmangel, Streiks, Wetter und erhöhte Corona-Krankenquote Gründe für die Stornierungen in München

Auf Anfrage bei der Fluglinie teilt eine Sprecherin mit, dass die gesamte Luftfahrtbranche unter Engpässen und Personalmangel leide. „Streiks der Flugsicherheit, Wetterereignisse und insbesondere eine erhöhte Corona-Krankenquote haben das System nun zusätzlich belastet“, heißt es. Auch Eurowings kämpft mit Problemen, Easyjet hat Flüge gestrichen. Streiks bei Ryanair, Brussels Airlines und SAS verschärfen die Lage weiter.

Lufthansa streicht im Sommer tausende Flüge in Frankfurt und München - klassische Urlaubsziele sollen nicht betroffen sein

Bereits vor einigen Wochen hat die Lufthansa für Juli etwa 900 Flüge aus dem System genommen. Für den Sommer sollen weitere 2200 von etwa 80 000 Flügen in Frankfurt und München wegfallen. Zusätzlich seien vereinzelte kurzfristige Streichungen möglich. Die Ausfälle sind auf alle Wochentage verteilt, beträfen aber keine klassischen Urlaubsziele. Storniert werden insbesondere innerdeutsche und innereuropäische Flüge, „bei denen eine entsprechende Reisealternative per Flug oder Bahn angeboten werden kann“.

Josephine Kroetz hilft das nichts, sie hat bis heute nichts von der Lufthansa gehört. Drei Stunden lang stand die Münchnerin am Freitag noch in der Schlange, ohne Ergebnis. Sie fuhr zurück nach Hause. Die Telefon-Hotline der Lufthansa war wegen „außergewöhnlich hohen Anrufaufkommens“ nicht erreichbar. Um eine Erstattung geht es Kroetz gar nicht. Eigentlich will sie nur auf ein anderes Wochenende umbuchen - und dann endlich ihre Freundin in Valencia besuchen.

Start gestrichen? Diese Rechte haben Sie!

Annulliert eine Fluggesellschaft einen Flug, können Reisende laut ADAC bei Flügen aus oder in die EU eine Ausgleichszahlung nach der EU-Fluggastrechteverordnung verlangen. Wer die Reise trotzdem noch antreten möchte, kann eine Ersatzbeförderung verlangen beziehungsweise umbuchen. Für wen die Reise keine Option mehr ist, kann von der Airline die Erstattung des Flugpreises verlangen.

Zusätzlich können Reisende bei kurzfristigen Absagen grundsätzlich eine Entschädigung verlangen. Die Ausgleichszahlung bemisst sich nach der Länge der Flugstrecke, so der ADAC. Bei Kurzstrecken gibt es 250, bei Mittelstrecken 400 und bei Langstrecken 600 Euro. Bietet die Airline innerhalb bestimmter Zeitfenster einen Ersatzflug an, kann sie den Betrag halbieren. Bei außergewöhnlichen Umständen, zum Beispiel Streiks, oder bei rechtzeitiger Information gibt es keine Entschädigung.

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