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Stromspar-Verordnung sorgt für Verwirrung: Gibt‘s in München einen leuchtenden Christbaum?

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Von: Regina Mittermeier, Klaus Vick

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Neues Rathaus am Marienplatz zur Weihnachtszeit mit Mond, Composing, Deutschland, Bayern, Muenchen
Erstrahlt der Christbaum auch in Zeiten der Energiekrise? Die Stadtverwaltung diskutiert das. © imago/blickwinkel

Der funkelnde Christbaum am Marienplatz gehört zur Weihnachtszeit einfach dazu. Ob das auch dieses Jahr gilt, diskutiert die Stadtverwaltung – denn seit September gilt Teil eins der Energieeinsparverordnung des Bundes.

München – So mancher Münchner Bürger tappt noch im Dunkeln – im übertragenen Sinn. Denn einige Häuser sind hell, andere dunkel – was gilt also? Was passiert bei einem Verstoß? Und: Ab Oktober soll Teil zwei der Verordnung gelten. Was kommt bald zusätzlich auf die Bürger zu? Wir erklären die wichtigsten Regeln.

Wo schaltet die Stadt das Licht aus?

Schon jetzt geht die Stadt mit gutem Beispiel voran. Denkmäler und historische Gebäude bleiben dunkel, die Straßenbeleuchtung wird gedimmt und Ampeln werden zu verkehrsschwachen Zeiten abgeschaltet. Den Christbaum kann sich OB Dieter
Reiter (SPD) übrigens schwer ohne Lichter vorstellen. „Dann stellt sich die Frage, ob man überhaupt einen Baum aufstellen sollte“, sagt er. Bereits 2020 gab es keinen Baum auf dem Marienplatz – damals wegen der Corona-Pandemie.

Ist Weihnachtsbeleuchtung in Privathaushalten erlaubt?

Stand jetzt: ja. Denn weder der erste noch der zweite Teil der Stromspar-Verordnung sieht Regeln vor, durch die Privatpersonen im Dunkeln sitzen. Sie dürfen nur keine Privat-Pools beheizen. Zudem müssen sie Wohnräume nicht auf eine Mindesttemperatur heizen – sofern das keine Gebäudeschäden oder Gesundheitsrisiken verursacht.

Was gilt für Geschäfte und Büros?

Leuchtreklamen müssen in der Regel zwischen 22 und 16 Uhr ausgeschaltet sein. Ob dazu auch Schaufenster und Schriftzüge zählen, ist unklar. Bei den Innenstadt-Händlern sorgt das für Verunsicherung. In Arbeitsräumen müssen manche wohl dicke Socken anziehen, denn dort kann es kühl werden.

Wenn Mitarbeiter vor allem am Schreibtisch sitzen, ist die Höchsttemperatur auf 19 Grad festgelegt. Wer leichte Aufgaben im Stehen oder Gehen erledigt, kann sich auf 18 Grad einstellen. Das gilt auch für mittelschwere Arbeit im Sitzen. Bei schwererer Arbeit im Stehen oder Gehen liegt die Mindesttemperatur bei 16 Grad, und wer körperlich schwer schuftet, kann sogar nur auf zwölf Grad pochen.

Was gilt für öffentliche Orte und Behörden?

Auch hier soll die Heizung heruntergedreht werden. Flure und Gemeinschaftsflächen sollen nicht beheizt werden. Mindesttemperaturen in Arbeitsräumen müssen gesenkt werden. Die Maximaltemperaturen entsprechen denen in Geschäften und Büros. Wo möglich, soll nur kaltes Wasser zum Händewaschen genutzt werden. Ausgenommen davon sind medizinische und Pflegeeinrichtungen, Kitas und Schulen.

Was ist mit Parkhäusern?

Sie sind in der Verordnung nicht berücksichtigt. Oft werden sie aus Sicherheitsgründen durchgehend beleuchtet – das gilt auch für das BMW-Parkhaus an der Dostlerstraße. Sogar auf dem obersten Parkdeck sind die Strahler an, auch am helllichten Tag. „Wir prüfen nun eine technische Lösung dafür“, sagt ein Sprecher auf Nachfrage.

Vielleicht könne mit einem Bewegungsmelder Energie erspart werden. BMW habe neben den Werbetafeln, die ausgeschaltet werden müssen, auch die Außenbeleuchtung mehrerer Gebäude abgestellt, so der Sprecher weiter.

Wo dreht die Stadt die Heizung runter?

Die Stadt heizt Büros auf maximal 19 Grad, Flure und wenig genutzte Räume werden gar nicht beheizt. Außerdem wird das Warmwasser abgedreht. Zusätzlich werden Heizungsanlagen gewartet, für eine optimale Effizienz.

Was passiert bei Verstößen?

In der Verordnung sind keine Bußgelder festgelegt. Damit fehlt Ordnungsämtern eine Handhabe. Das gilt auch für München. Über mögliche Konsequenzen für Verstöße werde diskutiert, heißt es dazu vom KVR.

Wann tritt Teil zwei der Verordnung in Kraft? Und welche Änderungen sollen kommen?

Wenn der Bundesrat zustimmt, gilt Teil zwei ab 1. Oktober 2022. Er soll – im Unterschied zu Teil eins – für zwei Jahre gelten, also bis 30. September 2024. Gebäudeeigentümer sollen Heizungen regelmäßig auf Mängel prüfen und ineffiziente Pumpen austauschen. Und Unternehmen, die im Durchschnitt mehr als zehn Gigawattstunden Energie verbrauchen, sollen zum Energiesparen verpflichtet werden.

Wie Sie selbst zu Hause Energiesparen können, erfahren Sie hier.

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