Im TV am Sonntagabend

Ansage bei ARD-Talk: Münchner Unternehmerin knöpft sich Minister vor - sie will „sofort öffnen“

„Lasst die Geschäfte öffnen“: Brigitte Meier fordert die Politik auf, den Einzelhandel nicht untergehen zu lassen
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„Lasst die Geschäfte öffnen“: Brigitte Meier fordert die Politik auf, den Einzelhandel nicht untergehen zu lassen.

Im TV-Talk mit Anne Will wurde die Münchner Unternehmerin Brigitte Meier in Sachen Corona-Lockdown am Sonntagabend sehr deutlich: Sie warf der Politik „Gutsherrenstil“ vor - und hat knallharte Forderungen.

  • Beim TV-Talk mit Anne Will zum Thema Corona*-Lockdown und neue Perspektiven war die Münchner Einzelhändlerin Brigitte Meier zu Gast.
  • Direkt an den neben ihr sitzenden Wirtschaftsminister Peter Altmaier gewandt, äußerte sie im Umgang mit dem Einzelhandel schwere Vorwürfe und daraus entstehende große Nöte.
  • Jetzt sei es an der Zeit, dass die Politik endlich liefere und die Corona-Pandemie nicht nur auf dem Rücken der geschlossenen Betriebe ausgetragen werde.

München - Brigitte Meier ist Inhaberin des Münchner Traditionsunternehmens Eduard Meier, einem Modehaus in bester Lage an der Brienner Straße. Und wie alle anderen Einzelhändler hat Meiers Geschäft derzeit geschlossen - wegen des bundesweit verhängten Lockdowns in der zweiten Welle der Corona-Pandemie.

Corona München: Ladeninhaberin Meier bei Anne Will zu Gast

Im TV-Talk mit Anne Will am Sonntagabend sitzt Brigitte Meier neben Wirtschaftsminister Peter Altmaier im Studio, das Thema nach einem Jahr mit Corona: Welche Perspektiven gibt es?

Für den Einzelhandel nicht viele im Moment. Und genau das ist der Grund, warum Brigitte Meier in der Talk-Runde auftritt. Wir sind „extrem betroffen“, sagt sie und meint sich und die anderen 1,6 Millionen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Einzelhandel in Deutschland.

Münchner Unternehmerin Meier bei Anne Will: Einzelhandel „sofort öffnen!“

Nach dem ersten Lockdown in der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 habe ihr Unternehmen „viel viel mehr getan, als notwendig gewesen wäre“, um für Hygiene und sicheres Einkaufen zu sorgen. „Ich nehme alles ernst“, versichert Meier. Und trotzdem musste sie im Dezember 2020, kurz vor Weihnachten und damit auf dem Höhepunkt des Weihnachtsgeschäfts ihr Geschäft in München wieder schließen. Eine bittere Pille, die Meier nicht länger bereit ist zu schlucken. Nach Wochen des Stillstands muss sich etwas tun.

„Ich fordere, dass wir jetzt mit klugen und vorsichtigen Maßnahmen an den Start gehen können.“ „Sofort öffnen?“, fragt Moderatorin Anne Will. „Sofort öffnen!“ Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen.

Modehaus Eduard Meier: Inhaberin fordert den Staat auf, endlich zu liefern

Sie habe mal gerechnet, so Meier. München* liege derzeit bei einer Inzidenz von etwa 60. Da müssten Kontakte für die Ämter doch nachvollziehbar sein. „Ich finde, der Staat muss da jetzt mal liefern.“ Bei diesem Satz schaut sie zu Wirtschaftsminister Altmaier, der zunehmend auf seinem Stuhl herumrutscht. „Wir liefern auch immer, wenn das Finanzamt vor der Tür steht und eine pünktliche Zahlung will.“

Die Münchner Unternehmerin Brigitte Meier setzt Altmaier damit unter Druck. Sie sehe in ihm den „Anwalt der Wirtschaft“, „meine große Hoffnung“. Es seien zu viele Fehler passiert, zum Beispiel habe man bei positiv Getesteten nicht erhoben, welchen Beruf sie ausüben. Für die Rückschlüsse, dass im Einzelhandel Infektionen stattfinden, wäre das doch wichtig gewesen.

Wirtschaftsminister Altmaier verweist bei Anne Will auf Coronavirus-Mutationen

Altmaier räumt diese Fehler ein - das mit den Berufen sei übrigens am Datenschutz gescheitert. Trotzdem bittet er Meier um Geduld, ohne in einen direkten Dialog mit ihr zu gehen. „Wenn sie jetzt öffnet (Meier, Anm. d. Red.), dann muss sie doch wissen, dass länger als vier oder sechs Wochen offen bleibt.“ An diesem sicheren Punkt seien wir „leider Gottes noch nicht“, so Altmaier und verweist auf die sich in anderen Ländern derzeit ausbreitenden Coronavirus-Mutationen.

Brigitte Meier bleibt dabei: Der Einzelhandel müsse geöffnet werden, und zwar nicht erst ab einer Inzidenz unter zehn, wie von manchen Experten gefordert. „Das ist Gutsherrenstil mit Belohnung und Bestrafung“. Die Politik müsse hinterher sein, dass die Zahlen nicht wieder hochgehen, und verweist zum Beispiel auf Szenen aus dem Sommer am Münchner Gärtnerplatz. Dort hatten sich lange ungehindert zig Feiernde abends getroffen. „Tragt das bitte nicht auf dem Rücken von 1,6 Millionen Beschäftigten im Einzelhandel aus.“

Corona: Brigitte Meier fordert Umsatzerstattungen auch für den Einzelhandel

Und Brigitte Meier hat eine klare Forderung: Sollten die Läden weiter geschlossen bleiben, brauche der Einzelhandel eine ähnliche Regelung wie die Gastronomie: 75 Prozent des Umsatzes müsse erstattet werden. „Aktuell bleiben mindestens 30 Prozent der Kosten ungedeckt, die wir irgendwie finanzieren müssen.“

Bei diesen Worten ziehe Altmaier aber nur die Augenbraue nach oben, so Meier in Richtung des Wirtschaftsministers. Diese Hilfe „war barock, war schön. Da würde ich hier auch entspannter sitzen.“ *tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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