Keine Angaben zur Veranstalterin

Martinsumzug für Kinder? Treff in Münchens Zentrum entpuppt sich als etwas ganz anderes: „Makaber und unwürdig“

Etwa 100 Eltern und Kinder versammelten sich am Mittwochabend am Odeonsplatz. Unter dem Motto „Kinderrechte während der Corona-Zeit“ fand hier eine Protestaktion statt
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Etwa 100 Eltern und Kinder versammelten sich am Mittwochabend am Odeonsplatz. Unter dem Motto „Kinderrechte während der Corona-Zeit“ fand hier eine Protestaktion statt.

Am Mittwoch fand auf dem Odeonsplatz in München eine Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen statt. Die Aktion erinnerte an St.-Martin, doch auf den Laternen standen streitbare Sprüche.

  • Ein St.-Martins-Umzug am Münchner Odeonsplatz sorgt in den sozialen Netzwerken für empörte Reaktionen.
  • Bei der Veranstaltung handelte es sich offenbar auch um eine getarnte Demo gegen Corona*-Maßnahmen.
  • Laternen mit entsprechenden Botschaften lassen keinen Zweifel. Anderswo in Bayern gibt es ähnliche Fälle.

München - Eltern stehen mit ihren Kindern am Martinstag am Odeonsplatz, die Kleinen halten gebastelte Laternen in die Luft. Was auf den ersten Blick nach einem harmlosen St.-Martins-Umzug aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als getarnte Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen (hier geht‘s zum München-Ticker*). „Wo sind die Toten?“ steht auf einer Laterne. Auf einer anderen: „Sind Masken für Kinder sicher?“ Die Schrift zeigt: Das ist das Werk von Erwachsenen, die Kinder für ihre Zwecke instrumentalisieren. In den sozialen Medien gehen die Bilder der Aktion derzeit viral. „Wie kann man sowas seinen Kindern antun?“, fragt ein Nutzer der Plattform Twitter. Ein anderer wettert: „Das ist makaber, pietätlos (weil es leider Tote gibt) und unwürdig!“

München: St.-Martins-Umzug als Demo getarnt? „Kinderrechte während der Corona-Zeit“

Was steckt dahinter? Laut Kreisverwaltungsreferat hatte eine Privatperson zunächst eine sich fortbewegende Versammlung mit 500 Teilnehmern angemeldet. Diese wurde abgesagt – die richtigen, traditionell großen Laternenumzüge in München* und Freising mussten wegen Corona* übrigens auch entfallen. Das KVR begrenzte die Veranstaltung dann auf 100 Teilnehmer und ließ die Aktion als stationäre Versammlung am Odeonsplatz zu. Unter dem Motto „Kinderrechte während der Corona-Zeit“ wurde dort von 17.30 bis 18.45 Uhr demonstriert. Augenzeugen zufolge haben die Veranstalter etwa 20 Laternen mit den fragwürdigen Parolen an die Kinder verteilt. Hauptthema war die Masken-Pflicht – diese sei für die Kleinen unzumutbar. „Mögt ihr die Masken?“, hätte die Veranstalterin die anwesenden Kinder gefragt, so Augenzeugen. Die Kinder verneinten.

Zur Veranstalterin können weder die Polizei noch das Kreisverwaltungsreferat nähere Auskünfte geben. Eine Verbindung zur Querdenker-Bewegung, die seit Monaten deutschlandweit große Demonstationen gegen die Corona-Maßnahmen organisiert, ist nicht bekannt. Der Polizei zufolge hielt man sich bei der Versammlung am Odeonsplatz weitgehend an die Corona-Auflagen. Insgesamt gab es fünf Anzeigen, unter anderem wegen der Vorlage möglicherweise ungültiger Atteste.

Corona-Demo als St. Martinsumzug getarnt: Fälle auch in anderen bayerischen Städten

Ähnliche Aktionen gab es übrigens auch andernorts in Bayern. In Passau entpuppte sich ebenfalls ein geplanter Martinszug als Demo gegen die Corona-Auflagen. Dazu aufgerufen hatte unter anderem die rechtsextreme Partei NPD. Dieser Umzug wurde dann der Passauer Neuen Presse zufolge verboten und wie in München als stationäre Veranstaltung zugelassen. Auch hier war der Streit um die Maskenpflicht ein großes Thema.

In Kaufbeuren folgten laut der Allgäuer Zeitung rund 150 Personen einem Aufruf der Initiative „Querdenken 8341“. Angemeldet war die Aktion als „Lichterumzug zur Wahrung unserer Tradition.“ Auch hier gab es Empörung, weil Kinder offenbar als Instrument genutzt worden seien, um gegen Corona-Regeln zu demonstrieren. *Merkur.de ist ein Angebot des Ippen Digital Netzwerks

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