Interview mit Anita Hollweck

Münchens erste Corona-Patientin gibt dramatische Einblicke: „Mein Leben hat sich gewaltig verändert“

Leidet bis heute an den Folgen der Corona-Infektion vor einem Jahr: Anita Hollweck.
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Leidet bis heute an den Folgen der Corona-Infektion vor einem Jahr: Anita Hollweck.

Anita Hollweck aus dem Landkreis Freising war Anfang März 2020 die erste Covid-19-Patientin am Klinikum rechts der Isar. Die 44-Jährige erkrankte schwer und hat bis heute mit den Folgen zu kämpfen.

Wie ging es los mit Ihrer Corona-Erkrankung?
Am Faschingsdienstag habe ich noch gefeiert, zwei Tage später fühlte ich mich krank. Mein Hausarzt hielt es erst für eine leichte Grippe, dann für eine Lungenentzündung – bis das Gesundheitsamt anrief, weil ich als Kontaktperson gemeldet worden war. Zwei Tage später kam ich als Corona*-positiv ins Krankenhaus Freising. Am nächsten Tag ging es weiter ins rechts der Isar (München*). Zu dem Zeitpunkt war ich kaum noch ansprechbar.
Sie waren 15 Tage im Krankenhaus. Welche Erinnerung haben Sie daran?
Ich war froh, in guten Händen zu sein, ansonsten war ich einfach nur schwach und erschöpft. So sehr, dass ich einmal dachte, ich stehe das nicht durch. Anfangs hatten die Pfleger auch Angst vor mir. Die Krankheit war ja für alle neu. Dr. Spinner habe ich zu verdanken, dass ich auf der Normalstation behandelt wurde. Er hat immer daran geglaubt, dass ich es schaffe. Ich bin allen sehr dankbar, die mich betreut haben.
Wie geht es Ihnen heute?
Mein Leben hat sich gewaltig verändert. Zu Hause und in meinem Job als Servicekraft in einer Kantine bin ich deutlich weniger belastbar. Ich gerate schnell aus der Puste. Bis vor einer Woche bin ich jeden Tag fünf, sechs Kilometer spazieren gegangen. Momentan schaffe ich das nicht. Meine Lunge hat sich zwar erholt, aber ich habe Probleme am Herzen, mit der Blase, und meine Blutwerte sagen, dass ich einen Diabetes entwickle. Dazu hatte ich lange schweren Haarausfall. Strenge ich mich zu sehr an, schwindet die Stimme. Ich mache Physiotherapie, doch meine frühere körperliche Verfassung werde ich nicht mehr erreichen.
Wie kommen Sie damit zurecht?
Ich lebe von Tag zu Tag und habe meinen Frieden geschlossen. Früher war ich nicht zu bremsen. Heute sage ich mir, was nicht geht, geht eben nicht. Ich bin trotzdem ein fröhlicher Mensch, und meine Familie unterstützt mich nach Kräften.

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