Debatte um Notendruck und Maskenpflicht

Masken-Ausnahmeregel für München? Reiter enttäuscht von Söder-Regierung - „Überhaupt kein Verständnis“

Münchens OB Dieter Reiter mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. (Symbolbild)
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Münchens OB Dieter Reiter mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. (Symbolbild)

Die Herbstferien sind vorbei. Für Schüler und Lehrer startet wieder der Unterricht in Corona-Zeiten. Die Lage in den Schulen ist angespannt, auch in München.

  • In München steigen die Corona*-Fallzahlen.
  • Am Montag (9. November) startet der Unterricht für die SchülerInnen und LehrerInnen in Bayern und auch in der Landeshauptstadt.
  • Notendruck, Maskenpflicht und Home-Schooling sind ausgerechnet nach den Herbstferien DIE Reizwörter.
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Update vom 9. November, 11.49 Uhr: Der Streit um die Maskenpflicht in Grundschulen in München geht weiter. Nachdem die Bayerische Regierung die Ausnahmeregelung für die Isar-Metropole abgelehnt hatte, hat sich jetzt Oberbürgermeister Dieter Reiter geäußert.

Corona-Maskenpflicht an Münchner Grunschulen: OB Reiter enttäuscht von Söder-Regierung

„Ich - und mit mir viele Eltern und Schüler - bin mehr als nur enttäuscht von dieser Entscheidung. Die Münchner Ausnahmeregelung war für unsere Grundschüler und ihre Eltern eine echte Erleichterung in dieser schwierigen Zeit und infektiologisch gut begründet. Deshalb hatte sie das Gesundheitsministerium ja auch mitgetragen. Überhaupt kein Verständnis habe ich aber dafür, dass auch der von mir noch am Freitagabend mit der Staatsregierung auf höchster Ebene vereinbarte Kompromiss am Sonntagabend einfach aufgekündigt wurde, ohne dass sich die Faktenlage geändert hätte,“ so Reiter. Es sei ehrlicher, „die Möglichkeit einer fachlich begründeten Ausnahmegenehmigung ganz aus der Verordnung zu streichen, als als hier ein politisches Exempel auf dem Rücken der Münchner Grundschüler zu statuieren.“

Erstmeldung vom 9. November 2020

München - Mit dem Ende der Herbstferien beginnt für viele Schüler und Lehrer am Montag der Stress. Sofern der heuer überhaupt mal ausgesetzt hat. Denn: Nur weil der Unterricht während des ersten Lockdowns wochenlang ausgefallen ist, heißt das nicht zwingend, dass der Stoff dadurch weniger wurde. Klausuren, Exen, Präsentationen. Schüler sprechen von einer regelrechten Notenjagd, Lehrer vom „digitalen Chaos“. Mittlerweile schwirren sogar ein paar Brandbriefe durchs Netz, in denen die Betroffenen das bestehende System öffentlich anprangern. Und auch in München wird der Ton rauer. Grund dafür ist unter anderem ein Streit um die (ausgesetzte) Maskenpflicht an Grundschulen.

Die vergangenen Wochen waren wahnsinnig anstrengend“, bestätigt Joshua Grasmüller. Der 18-Jährige hat einen Großteil seiner Herbstferien daheim verbracht. Am Schreibtisch, zum Pauken. Der Leistungsdruck? Gewaltig, berichtet der Berufsschüler. Zu viel Stoff, zu viel Druck und zu viele Noten bei zu wenig Zeit und Konzept. Diese Kombination sei Gift, so Grasmüller, „gerade jetzt“.

Corona in München: Schulen vor Mammut-Aufgabe - Druck für Schüler enorm

Der Ansicht ist auch Jonas Hentschke. Bei dem Gymnasiasten geht’s am Donnerstag so richtig los. Sport, Mathe, Deutsch, Physik – ein echter Klausuren-Marathon. Und das, obwohl der Unterricht wochenlang nur digital stattgefunden hat. „Zum Glück kann ich mich selber ganz gut zum Lernen motivieren“, erzählt der 18-Jährige. Aber: Viele seiner Mitschüler bräuchten dringend mehr Hilfe. Einen Ansprechpartner, der ihnen Dinge erklärt. Persönlich. Und nicht erst dann, wenn das Problem schon wieder vom Tisch sei.

Zwar hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) immer wieder betont, dass es künftig keine automatischen Schulschließungen mehr geben soll. Aber: Angesichts der steigenden Coronazahlen ist die Angst vor einem zweiten, kompletten Lockdown nach wie vor da. Und was Klassenteilungen und Homeschooling angeht: Da haben viele Eltern längst wieder Info-Post von den Schulen bekommen – für den Fall der Fälle…

„Notendruck in der Krise – diese Kombi ist Gift“

Joshua Grasmüller, Berufsschüler

Maskenpflicht im Unterricht? OB Reiter mit klarer Meinung

Um das Ansteckungsrisiko im Klassenzimmer zu minimieren, hat das Kultusministerium einen Hygieneplan auf den Weg gebracht – mit Maskenpflicht am Platz für alle. Weil Grundschulen nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) allerdings keine Infektionsherde darstellen, hatte OB Dieter Reiter eine Ausnahmeregelung für München erwirkt. Das heißt: Unsere Erst- bis Viertklässler müssen am Platz keine Maske tragen. Doch der Freistaat lehnte am Sonntagabend (8. November) eine Verlängerung des Antrags ab. Grundschüler in München müssen nun doch auch Maske im Unterricht tragen. Ab Montag (11. November) heißt es auch an Münchner Grundschulen: Maske auf im Unterricht!

 „Vor dem Hintergrund des insbesondere im Regierungsbezirk Oberbayern aktuell sehr hohen, diffusen und weiter ansteigenden Infektionsgeschehens, (...) erscheint eine umfassende Maskenpflicht jedenfalls für die nächsten drei Wochen im gesamten Schulbereich geboten“, teilte das Gesundheitsministerium am Sonntagabend mit. 

Corona in München: Reiter schäumt ob der Maskenpflicht an Grundschulem

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) sagte der Deutschen Presse-Agentur, er erwarte am Montag (11. November) einen rechtsmittelfähigen Bescheid der Regierung von Oberbayern. „Danach werde ich prüfen, ob wir das akzeptieren müssen oder nicht, und gegebenenfalls wie wir weiter vorgehen.“ Reiter fügte hinzu: „Ich bin sehr enttäuscht von dieser Ankündigung zu Lasten der Münchner Grundschülerinnen und Grundschüler.“

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Während Stadt und Freistaat sich mit diesem Thema beschäftigten, scheinen sich Schüler und Lehrer einig zu sein: Egal, ob mit oder ohne Maske – „Jede Form des Frontal-Unterrichts ist uns lieber als Homeschooling.“ Zwar habe die plötzliche Verlagerung des Unterrichts auf digitale Kanäle während des ersten Lockdowns erstaunlich gut funktioniert, berichtet Birgit Dittmer-Glaubig (64), Konrektorin der Mittelschule an der Simmernstraße. Trotzdem sei das Konzept „noch lange nicht ausgereift“.

„Homeschooling: Das Konzept hat (zu) viele Lücken“

Birgit Dittmer-Glaubig, Konrektorin

Damit sich der Druck nicht noch auswächst, schlägt Gymnasiallehrer Fritz Schäffer vor, das bestehende System noch einmal zu überdenken. Denn: „Bloß, weil alle denselben Lehrplan befolgen, heißt das noch lange nicht, dass auch alle dasselbe lernen.“ Eine „Lehr-Planwirtschaft“, wie sie im Buche steht, so Schäffer, sei „reine Illusion“. Angst und Notendruck: „absolut unnötig“. Was es stattdessen brauche, sei ein offenes Miteinander – Kommunikation auf allen Ebenen. „Nicht nur während der Klausurenzeit.“ (sb,dpa)

Beim Corona-Schulgipfel wurde diskutiert, wie es in Bayern weitergeht. Kultusminister Michael Piazolo stellte die Ergebnisse (5. November) vor. *tz.de und Merkur.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Zum Start ins neue Schuljahr galt in Bayerns Schulen eine Maskenpflicht. Hier können Sie eine Umfrage dazu lesen.

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