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Corona-Eskalation im Englischen Garten: Video zeigt schockierende Szenen - Polizeisprecher: „Das ist Irrsinn“

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Von: Nadja Hoffmann, Katharina Haase

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Eskalation im Englischen Garten.
Mehrere Videos, die im Netz kursieren, sollen die Eskalation im Englischen Garten zeigen. © Instagram/munchner.gesindel

Trotz Corona-Auflagen tummelten sich am Samstag tausende Menschen im Englischen Garten in München. Als die Polizei einschritt, eskalierte die Situation.

Update vom 9. MaI; 19.30 Uhr: Ein Sprecher der Münchner Polizei und der bayerische Innenminister Joachim Herrmann reagierten am Sonntag mit klaren Ansagen auf die Randale und Gewalt vom Englischen Garten. „Wir haben so etwas in dieser Dimension auch noch nicht erlebt“, erklärt Polizeisprecher Damian Kania am Sonntag. „Das ist lebensgefährlich. Das ist Irrsinn“, sagt er mit Blick auf die Flaschenwürfe. Die Schlussfolgerung der Einsatzkräfte: In der Gemengelage sei es zu einer fragwürdigen Solidarisierung gekommen. Diese habe aber ausdrücklich nichts mit Coronafrust zu tun. Denn den eigentlichen Anstoß zu den Auseinandersetzungen hat am Samstagabend ein sexueller Übergriff gegeben.  

Innenminister zur Randale in München: „Das dürfen und werden wir nicht dulden“

Innenminister Joachim Herrmann (CSU) zeigte Unverständnis für die Randale. „Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass es die Menschen bei dem schönen Wetter und den warmen Temperaturen nach draußen zieht“, sagte er am Sonntag. „Nicht nachvollziehen kann ich jedoch das Verhalten von Personen, die sich an keinerlei Regelungen halten, so wie dies gestern im Englischen Garten geschehen ist.“ Die Ausschreitungen und die Gewaltbereitschaft gegen Polizeibeamte machten ihn fassungslos. „Es ist erschreckend und völlig inakzeptabel, dass diejenigen, die uns schützen, selbst verletzt werden“, so Herrmann. „Das dürfen und werden wir nicht dulden.“ Ihm fehle jedes Verständnis, dass sich auch umstehende Personen mit den Angreifern verbündet hätten. „Die Polizei wird weiterhin konsequent gegen diese Störer vorgehen und die betroffenen Gewalttäter werden Konsequenzen tragen müssen.“

Update vom 9. Mai, 11.50 Uhr: Wie aus einem nun veröffentlichen Pressebericht der Polizei München hervorgeht, war der Auslöser für die Eskalation im Englischen Garten am Abend des Samstag, 8. Mai, eine Schlägerei zwischen Jugendlichen, die zuvor Alkohol konsumiert hatten. Wie die Polizei berichtet, hatte ein 16-jähriger Jugendlicher aus Fürstenfeldbruck eine 14-jährige Münchnerin gegen ihren Willen von hinten umarmt und anderweitig begrapscht. Nach einem Gerangel schritt die Polizei ein. Der 16-jährige Grapscher erhielt eine Anzeige wegen sexueller Belästigung. Danach wurde er wieder entlassen.

Corona-Einsatz im Englischen Garten eskaliert: Sechs Tatverdächtige festgenommen - manche waren erst 15

Beim Versuch der Polizeibeamten, die Situation zu deeskalieren, kam es gegen 20.15 Uhr zu einem Solidarisierungseffekt vieler Anwesender gegen die Beamten. Rund 50 Flaschen wurden geworfen, 19 Beamte leicht verletzt. Erst nach dem Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöcken durch die Beamten beruhigte sich die Situation nach einiger Zeit. Sechs männliche Jugendliche zwischen 15 und 20 Jahren, alle mit Wohnsitz in München, erhielten, wie bereits erwähnt, Anzeigen wegen diverser Vergehen. Nach Aufnahme der Personalien und der Anzeigenbearbeitung durften die Jugendlichen wieder gehen. Die noch minderjährigen Tatverdächtigen wurden ihren Erziehungsberechtigten übergeben.

Erstmeldung vom 9. Mai, 9.50 Uhr

München - Die Corona-Zahlen in München sinken*, das Wetter wird besser, und die Menschen zieht es nach draußen. Aufgrund noch immer herrschender Maßnahmen und coronabedingter Schließungen ist die Auswahl an Freizeitmöglichkeiten jedoch gering, weshalb sich die Menschen an den wenigen Orten versammeln, die noch übrig bleiben - mit teils fatalen Folgen.

Corona-Chaos im Englischen Garten: Hunderte Menschen solidarisieren sich gegen Polizisten

So tummelten sich auch am Samstag (8. Mai) wohl wieder tausende von Menschen beinahe schon zusammengepfercht im südlichen Teil des Englischen Gartens in München. Wie von Mitgliedern der Redaktion selbst beobachtet, war bereits ab frühem Nachmittag die Polizei vor Ort. Aufgrund der Menschenmenge war es für die Beamten jedoch kaum möglich, jeden Regel-Verstoß aufzuspüren. Am Abend schließlich eskalierte die Situation. Wie mehrere privat aufgenommene Videos zeigen, die derzeit im Netz kursieren, gingen gegen 20.15 Uhr plötzlich mehrere hundert Menschen - vornehmlich junge - auf die Ordnungshüter los. Polizeiangaben zufolge war es unter anwesenden Park-Besuchern zu einer Schlägerei gekommen, die Beamten griffen ein.

Eskalation im Englischen Garten: Einsatz gegen Corona-Verstöße läuft aus dem Ruder - 19 Beamte verletzt

Dann jedoch solidarisierten sich die Anwesenden plötzlich miteinander - und umringten stattdessen plötzlich die Polizisten, denen angesichts mehrerer hundert Angreifer zunächst nur der Rückzug übrig blieb. Schließlich traf Verstärkung am Ort des Geschehens ein. Mit Pfefferspray und Schlagstöcken gingen die Beamten gegen die aggressivsten Angreifer vor. Immer wieder hallten laute Rufe nach „Freiheit“ über die Wiese, auf die Polizisten ging ein wahrer Hagel an Flaschen nieder. Insgesamt wurden 19 Beamte verletzt, alle sind jedoch weiterhin dienstfähig. Wie ein Polizeisprecher auf Anfrage mitteilte, wurden insgesamt sechs Personen festgenommen. Gegen sie wird wegen Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte sowie Angriff derselben und Landfriedensbruch ermittelt.

Immer wieder Gewalt gegen Polizisten: Gewerkschafts-Chef sieht Politik in der Verantwortung

Es ist nicht der erste Einsatz im Englischen Garten der derart eskaliert. Erst vor zwei Wochen musste die Polizei dort hart durchgreifen, nachdem eine Schlägerei zwischen drei Männern* eskaliert war. Wenige Tage später kam es zu einem größeren Einsatz wegen sechs jugendlicher Mädchen*, die sich den Polizeibeamten im Englischen Garten widersetzten.

Der stellvertretende Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft. Jürgen Ascherl, zeigte sich auf eine Anfrage der Bild-Zeitung hin schockiert über die zunehmende Gewalt gegen Polizeibeamte. Er sei „entsetzt über das Verhalten unserer Mitbürger und vor allem über diese Aggressivität“ so Ascherl. Die Polizei mache schließlich nur ihre Arbeit - verantwortlich für das Chaos sei die Politik.

Auch die User im Internet zeigen sich größtenteils schockiert von den Vorgängen. „Traurig“, heißt es da unter anderem und ein User meint ironisch: „Tolles Verhalten von der Jugend. Top! Eure Großeltern und Eltern sind ganz stolz auf euch, wie ihr mit der Pandemie und vor allem der Polizei umgeht.“

*tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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