Oft lange Warteschlangen

Kurz vor dem Corona-Lockdown: Münchner stürmen Friseursalons - Betreiber erleben denkwürdigen Arbeitstag

Mit dickem Farbansatz, fransigen Spitzen oder wuchernder Matte unterm Weihnachtsbaum – für viele Münchner ist diese Vorstellung ein Graus. Das hat Folgen - am Friseur-freien Montag.

  • Geschenke shoppen vor Weihnachten? Die Münchnerinnen und Münchner haben vor dem Lockdown* offenbar ganz andere Sorgen - ein haariges Problem.
  • Einige wollen zumindest am Corona-Weihnachten ordentlich aussehen.
  • Kein Wunder: Im ersten Lockdown im Frühjahr mussten die Friseurbetriebe zum Schutz der Bevölkerung Mitte März schließen und durften erst Anfang Mai wieder öffnen. „Wann öffnen Friseure wieder?“, landet übrigens beim Google-Jahresrückblick 2020 in der Kategorie Wann-Frage auf dem zweiten Platz.

München - In der ganzen Stadt hörte man am Montag die Scheren klappern. Und das, obwohl der Montag ja eigentlich der Friseur-freie-Tag ist. Teilweise warteten die Kunden in Schlangen vor der Tür, in vielen Geschäften glühten die Telefondrähte heiß. Jeder wollte noch einen Termin ergattern, bevor auch die Bader ab Mittwoch schließen müssen.

Corona-Lockdown 2.0 in München: Friseure müssen schließen. Glücklich, wer noch einen Termin ergattert hat.

München: Termin beim Friseur - ein Glücksfall

Julia Hannappel vom „Pony Club“ hat den Ansturm erwartet und sich bereits am Freitagabend gewappnet. „Wir haben gewusst: Jetzt müssen alle mit anpacken“, erzählt die Friseurin. Gemeinsam mit ihrem Mann Moritz leitet sie die fünf „Pony-Cub“-Filialen sowie die hauseigene „Academy“. Alle Mitarbeiter wurde mobilisiert. „Wir sind bis auf den letzten Termin ausgebucht“, sagt Hannappel. Zusätzlich fangen sie statt um acht bereits um sieben Uhr mit der Arbeit an, am Samstag hatten sie vier Stunden länger auf als sonst. „Unser Team ist wirklich der Hammer“, lobt Hannappel. Und auch die Kunden seien weniger fordernd als viel mehr dankbar, wenn sie einen Termin ergattern.

„Wir versuchen, die beiden Tage jetzt das Beste herauszuholen“, erzählt auch Ayse Auth vom „HaarWerk“ in der Altstadt. Eigentlich bleiben beim Friseur montags die Türen geschlossen. Doch jetzt ist alles anders. Von acht Uhr morgens bis acht Uhr abends sind sie und ihr Team im Einsatz. Die Kunden haben sie alle einzeln angerufen, die Termine waren schließlich bis zu den Feiertagen schon ausgebucht. Für manche konnten sie Ersatz finden, rund der Hälfte mussten sie aber absagen.

München vor dem Corona-Lockdown - Schneiden ohne Pause

Im „HaarWerk“ werden sonst auch oft Promihaare verschönert. Doch mancher aus der bekannten Kundschaft kann nun kurzfristig nicht mehr anreisen, viele kommen aus Berlin oder der Schweiz. Patricia Riekel, ehemalige „Bunte“-Chefin, hatte Glück: Sie hat sich vergangene Woche noch in die fachkundigen Hände von Ayse Auth begeben. Auch Suni Grahovac hat einen der kurzfristigen Termine ergattert. Die 40-Jährige ist dafür extra aus Ulm angereist. „Eigentlich wäre mein Termin erst Ende Dezember gewesen“, erzählt sie. Dass es nun spontan doch geklappt hat, findet sie klasse und freut sich auf ihre neue Frisur: „Da vertraue ich der Ayse voll und ganz.“

Auch Tim Weishäupl hätte eigentlich zugehabt. Doch er hat trotzdem aufgeschlossen, denn wie schon am Samstag stand das Telefon in seinem Friseursalon in Neuhausen nicht mehr still. „Wir können leider nicht alle auffangen“, sagt der Chef. Es fehlen eben fünf Tage, die er sonst offen gehabt hätte. Außerdem müssen natürlich trotzdem weiter die Abstände eingehalten werden. Vielen Kunden musste Weishäupl komplett absagen, um möglichst viele noch drannehmen zu können, schieben er und sein Team Extraschichten. An Pause ist nicht zu denken. Alles für die perfekte Frisur zum Fest. Lisa-Marie Birnbeck/ Achim Schmidt *tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Markus Söder hat für ganz Bayern eine nächtliche Ausgangssperre durchgesetzt, die auch an Weihnachten gelten soll. Bei Corona-Verstößen drohen saftige Bußgelder*. Über die weiteren Entwicklungen zum Lockdown in München und Bayern halten wir Sie in unserem News-Ticker* auf dem Laufendem.

Rubriklistenbild: © Achim Frank Schmidt

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