Bußgeld und Selbstkontrolle

Corona-Chaos um die Gästelisten: Was Münchner Wirte zu Merkels Kontroll-Aufruf sagen

Wer auf Gästelisten künftig falsche Namen angibt, muss mit Konsequenzen rechnen. Auch Wirte sollen stärker kontrollieren. Was die davon halten? Wir haben in München nachgefragt.

  • München* in der Corona-Pandemie: Wer bei der Gästeliste im Lokal schummelt, soll künftig bestraft werden.
  • Wirte werden von der Bundesregierung zur Wachsamkeit aufgerufen und sollen mit kontrollieren.
  • Die sind natürlich nicht begeistert von dem Mehraufwand. Wir haben bei einigen nachgefragt.

München - Donald Trump war am Nockherberg, Lucky Luke am Platzl: Mit der Corona-Schummelei im Restaurant ist nun Schluss! Künftig droht Gästen bei Falschangaben im Restaurant ein Bußgeld von mindestens 50 Euro. Zudem sollen die Wirte die Angaben besser überprüfen. Münchner Gastronome kritisieren den Beschluss.

„Es ist nicht in Ordnung, dass Wirte zu Hilfssheriffs herangezogen werden“, sagt Angela Inselkammer, Präsidentin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Bayern. Laut Kanzlerin Angela Merkel (CDU) müssten sich Gastronomen im Zweifel gar den Ausweis zeigen lassen. Das geht vielen Wirten zu weit, auch wenn sie die Maßnahme generell gutheißen. Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges: „Ich fürchte, dass die Gastwirte da auch keinen Anspruch darauf haben.“ Zudem herrscht große Verwirrung, wie die Regelung genau umgesetzt werden soll.

München: Gästelisten in Zeiten von Corona - Übliche Verdächtige wie Lucky Luke und Markus Söder

Angela Inselkammer appelliert daher an Gäste und Wirte, die Kontakterfassung ernst zu nehmen: „Jeder muss sich an die Regeln halten.“

Peter Inselkammer, Ayinger am Platzl/in der Au: Falsche Angaben dienen der Sache nicht – ich finde es gut, dass das jetzt konsequent gehandhabt wird. Wir hatten auch schon die üblichen Verdächtigen auf der Liste: Lucky Luke zum Beispiel, und auch Markus Söder. Wenn viel los ist, hat das Personal nicht immer sofort die Möglichkeit, das zu kontrollieren. Wir werden unsere Mitarbeiter nun darauf schulen, bei Fantasienamen nachzufragen, und die Gäste nicht anzunehmen, wenn sie sich weigern, den richtige Angaben zu machen. Allerdings werden wir keine Ausweise kontrollieren.“ FOTOS: M. SCHLAF (2), J. HARTMANN, Hoppe/dpa

Scherznamen auf Gästeliste in Corona-Zeiten - Nur eine dieser drei Personen existiert wirklich.

Ricky Steinberg, Hofbräukeller: Wir werden jetzt verstärkt darauf achten, ob die Angaben plausibel klingen. Wenn ein vernünftiger Name da steht, gehen wir auch davon aus, dass er stimmt – und dann war’s das für uns auch. Wir werden sicher nicht die Ausweise kontrollieren. Es ist ohnehin eher selten der Fall, dass jemand falsche Angaben macht. 

Corona in München: Wirte als Kontrollorgane des Staates? „Wissen nicht, was uns erwartet“

Gregor Lemke, Augustiner Klosterwirt: Inzwischen registrieren sich die meisten unserer Gäste per App. Die Richtigkeit der Daten lässt sich dabei natürlich nicht immer beurteilen - beispielsweise bei Namen wie Hans Maier. Wir Wirte sind in erster Linie Gastgeber und können keine Kontrollorgane des Staates werden. Trotzdem tun wir stets unser Möglichstes.

Christian Schottenhamel, Paulaner am Nockherberg: Auch bei uns waren laut der Besucherlisten schon Donald Trump und Angela Merkel zu Gast. Ich befürworte die neue Regelung. Aber es ist unklar, wie das gehandhabt werden soll und wir Wirte wissen nicht, was von uns erwartet wird. Was soll der Restaurantleiter konkret machen, wenn jemand einen Fantasienamen angibt? Die Polizei rufen? Den Personalausweis verlangen? Dürfen wir das überhaupt? Schwierig wird es auch, wo die Kontrolle überhaupt anfangen soll. Was ist, wenn sich jemand weniger auffällig als „Lisa Müller“ ausgibt? *tz.de ist ein Angebot des Ippen Digital Netzwerks CMY, SB

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