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Aussetzung der Hotspot-Regel: München atmet auf - Reiter mit eigenem Vorschlag

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Von: Claudia Schuri, Leonie Hudelmaier, Christian Deutschländer

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Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) befürwortet die Aussetzung der Corona-Hotspot-Regelung.
Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) befürwortet die Aussetzung der Corona-Hotspot-Regelung. © MARCUS SCHLAF/Archiv

Muss München wieder in den Lockdown? Das befürchteten viele in der Stadt wegen der hohen Corona-Inzidenzen. Jetzt wurde klar: Zusperren ist erst einmal vom Tisch.

München - Die Zahlen schießen in die Höhe: 645,3 betrug die Corona-Inzidenz am Donnerstag in München* – am Vortag lag sie noch bei 596,8. Damit nähert sich die Stadt einer kritischen Marke. Denn bisher galt in Bayern: Ab einer Inzidenz von 1000 wird dichtgemacht. Wirtshäuser, Hotels, Sport- und Kulturstätten müssen schließen, in die Geschäfte dürfen weniger Kunden.

Lockdown-Regel ausgesetzt: Reiter befürwortet den Schritt Holetscheks

Doch jetzt die erlösende Nachricht von Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU): Die Hotspot-Regel wird ausgesetzt*. Ein Lockdown ist in München erst einmal vom Tisch. Er wolle dem Beschluss der Besprechung im Ministerrat kommende Woche nicht vorweggreifen, sagt Holetschek. „Ich könnte mir aber vorstellen, dass wir den heutigen Grenzwert für einen regionalen Hotspot von 1000 anheben werden.“ Das hatte Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) bereits angedeutet, weil Omikron zwar ansteckender, aber weniger tödlich ist. Statt 1000 vielleicht erst dichtmachen bei 3000, so wird in der Regierung geraunt.

Das sind die Beschlüsse des Ministerrats von dieser Woche. Bayern geht in der Gastronomie einen Sonderweg*.

Auch Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter* (SPD) befürwortet eine Anpassung: „Man muss die Regelungen, die unter dem Eindruck der Deltavariante im Herbst festgelegt wurden, genau prüfen, ob sie auch im derzeitigen Infektionsgeschehen sinnvoll sind“, sagt er. „Für mich ist nach wie vor entscheidend, wie sich die Lage in den Kliniken darstellt.“ Das sei sinnvoller, als die Maßnahmen nur an der Zahl der Neuinfektionen auszurichten. In den Münchner Krankenhäusern sind derzeit 251 Betten von Patienten mit Corona-Infektion belegt. Dazu zählen 73 Intensivbetten und zehn Betten in der Intensivüberwachungspflege.

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Münchner Gastronomie froh über die Entscheidung aus dem Gesundheitsministerium

In der Gastronomie ist man froh, dass die Gefahr gebannt ist, bis zu einer Entscheidung doch noch schließen zu müssen. „Das wäre fatal“, sagt der Sprecher der Innenstadtwirte Gregor Lemke. „Die Schäden wären sehr groß.“ Auch Hofbräukeller-Chefin Silja Schrank-Steinberg erklärt: „Es ist nicht so, dass man in der Gastronomie einfach den Lichtschalter ausmachen und nach Hause gehen kann.“ Ein Lockdown wäre außerdem eine große Belastung für die Mitarbeiter gewesen.

Durch eine geschlossene Gastronomie käme zudem „die Innenstadt sofort zum Erliegen“, gibt Peter Eduard Meier vom Schuhgeschäft „Ed.Meier“ zu bedenken. Im Einzelhandel wäre auch die Kundenzahl weiter reduziert gewesen. „In Stoßzeiten hätten sich zum Beispiel vor Supermärkten wieder lange Schlangen bilden können“, sagt Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern. Er fordert: „Weg mit den Inzidenz-Regeln und zurück zur Krankenhaus-Ampel.“

Die Kultur hätte ein Lockdown ebenfalls hart getroffen. „Ein komplettes Herunterfahren wäre ein Riesen Schaden für die ganze Branche“, sagt Frederik Mayet vom Volkstheater. David Süß vom Verband der Münchner Kulturveranstalter fordert zudem: „Die Kultur darf nicht länger so unangemessen ungleich zu anderen Lebensbereichen wie der Gastronomie behandelt werden.“

Wie Holetschek betont, wird die Belegung der Kliniken „sehr engmaschig im Blick behalten“. Der Ministerrat werde auch diskutieren, wo 2G- und 2G-plus-Regeln nötig sind – auch bei Gastronomie und Beherbergung. *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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