Besuch im Impfzentrum

Impftempo sinkt: Schafft München die Corona-Impfquote von 80 Prozent?

Corona-Impfungen in München: Ärztin Inge Lengel impft Fahrad Dekhordi im Impfzentrum in Riem.
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Corona-Impfungen in München: Ärztin Inge Lengel impft Fahrad Dekhordi im Impfzentrum in Riem.

Mehr als 50 Prozent der Münchner sind vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Das Impftempo sinkt zwar, aber in Riem ist trotzdem viel los.

München/Riem* - Es ist kurz vor 9 Uhr. Die Türen des Impfzentrums in Riem sind noch verschlossen. Trotzdem haben sich davor schon zwei lange Schlangen gebildet – für Erst- und Zweitimpfungen. Dutzende Münchner möchten sich hier gegen das Coronavirus impfen lassen. Was wie ein Bild aus dem Frühjahr klingt, ist ganz aktuell.

München: Lange Schlangen vor Impfzentrum - „Merken noch nichts von Impfmüdigkeit“

„Wir merken noch nichts von einer Impfmüdigkeit“, sagt Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek. Wenngleich die Zahl der täglichen Impfungen am Impfzentrum deutlich gesunken ist. Am Freitag mussten 11 900 Dosen Moderna weggeworfen werden, teilte das Gesundheitsreferat mit. Die Umverteilung an andere Impfzentren sei nicht möglich gewesen. Die Dosen seien vor 31 Tagen aus dem Tiefkühler entnommen worden, die weitere Verwendung sei nicht zulässig.

Im Schnitt werden laut Gesundheitsreferat derzeit täglich 2500 Erst- und Zweitimpfungen vorgenommen. Zu Spitzenzeiten Mitte Juni waren es 9000. Die Quote der vollständig geimpften Münchner beträgt 51,4 Prozent. Damit liegt die Landeshauptstadt* im bundesweiten Vergleich ein gutes Stück hinter anderen Großstädten.

Corona-Impfungen in München: Impfquote soll 80 Prozent erreichen - Frage der Solidarität

Die Impfquote in München sinkt langsam. Wird dennoch eine Impfquote von 80 Prozent erreicht?

Zurek ist dennoch nicht unzufrieden. „Ich finde es gut und schön, dass wir schon so viele erreicht haben“, sagt sie. Andererseits fordert die Gesundheitsreferentin: „Wir sollten eine Impfquote von 80 Prozent erreichen.“ Wenn nicht gesundheitliche Gründe dagegen sprechen, sollte ihrer Meinung nach jeder geimpft werden. Für Zurek eine Frage der Solidarität.

Noch vor ein paar Wochen gab es nicht genug Corona*-Impfstoff, um alle zu impfen, die gerne wollten. Das ist jetzt anders. Die Herausforderung liegt nun darin, den Impfstoff an die Menschen zu bringen. Zurek: „Das zeigt uns, dass das Thema Aufklärung weiter wichtig ist.“ Und auch das Geschehen in den Hallen C3 und C4 des Messezentrums hat sich verändert. Die Schlangen sind kürzer, die Frequenz niedriger.

Corona-Impfungen in München: „Vier Minuten Zeit für eine Impfung“ - Ärzte immer noch viel zu tun

„Im Juni hatte ein Arzt vier Minuten Zeit für eine Impfung“, berichtet Maximilian Hinkofer, Leiter des Impfzentrums. Heute hat München bis in die Nachbarbundesländer den Ruf für gute individuelle Beratung vor allem in Bezug auf Allergien. Seit Kurzem gibt’s zudem die Möglichkeit für Familien mit Kindern über zwölf Jahren, sich über eine Impfung zu informieren. „So ein Beratungsgespräch dauert in der Regel rund 45 Minuten“, sagt der diensthabende Arzt im Impfzentrum, Prof. Dr. Johann Wilhelm Weidringer. Über 16-Jährige können alleine zur Impfung kommen. Die Arbeit sei für die Ärzte also nicht weniger stressig geworden, nur weil weniger geimpft werde. 251 Menschen, davon 53 Ärzte, sind derzeit im Einsatz. In der Hochzeit waren es 290, davon 73 Ärzte.

Für Hinkofer und sein Team gibt’s noch eine weitere Herausforderung. Seit Mitte Juli organisieren sie die mobilen Impfungen (siehe Kasten). Schon jetzt machen die Spritzen am Marienplatz* an manchen Tagen circa ein Zehntel aller Impfungen München aus. Und: „Die mobilen Teams nehmen mehr Personal als erwartet in Anspruch“, sagt Hinkofer.

Corona-Impfen in München: Impfzentrum soll weiter bestehen - Staatsregierung verlängert Betrieb

Das Impfzentrum soll aber weiter bestehen bleiben. Jüngst hat die Staatsregierung den Betrieb der Impfzentren mit angepasster Kapazität bis zum 30. April 2022 verlängert. Schon jetzt wird die morgendliche Schlange schnell abgearbeitet. Die Wartehalle ist dann gut gefüllt. Am Nachmittag ändert sich das, und am Impfzentrum sieht’s deutlich leerer aus.

Bis zu den 80 Prozent ist der Weg also weiter als der knappe Kilometer durchs Impfzentrum. (pp) Noch mehr Nachrichten aus München lesen Sie hier. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA Unser München-Newsletter informiert Sie rund um die anstehende Bundestagswahl über alle Entwicklungen und Ergebnisse aus der Isar-Metropole – und natürlich auch über alle anderen wichtigen Geschichten aus München.

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