„Würde ich das machen ...“

Plötzlich mehrere Impftermine: Münchner nach Datenpanne verwundert - doch Ministerium hat Erklärung parat

Ein Mann geht in ein Impfzentrum.
+
Durch Mailadressen ist es möglich, sich mehrmals für einen Impftermin zu registrieren. (Symbolbild)

Ein Mann aus München stellt fest: In Bayern ist es möglich, sich mehrmals für eine Corona-Impfung anzumelden. Das Ministerium verweist auf den Datenschutz.

München - Wolfgang Horn hat bereits Mitte April seine Erstimpfung gegen das Coronavirus erhalten. Der 70-jährige Rentner aus München gehört beim bayerischen Impfplan* zur Priorität zwei. Wie er feststellte ist es jedoch möglich, sich mehrmals im System des Bayerischen Impfzentrums (BIZ) anzumelden - und somit mehrere Termine zu erhalten.

In einer E-Mail an die Regierung, die tz.de* vorliegt, erklärte er: „Ich habe einen Test gemacht und mich ein zweites Mal beim BIZ angemeldet. Gleicher Vor- und Nachname, gleiche Adresse (Straße, Hausnummer, PLZ und Ort), gleiches Geburtsdatum, gleiche Telefonnummer“. Inklusive der gleichen gesundheitlichen Daten.

Corona in München: Neue E-Mail-Adresse sorgt für neuen Impftermin

Das Einzige was er änderte, so Horn, war die E-Mail-Adresse. Dabei habe er „verwundert“ festgestellt, dass das System in keinerlei Hinsicht erkannte, dass er bereits registriert sei - geschweige denn schon mit einer Impfung versehen worden war. Wenige Tage später bekam er auf die neue Mail-Adresse das Angebot für einen Termin zur Erstimpfung.

„Würde ich das machen, blockiert man für andere unnötig einen Termin“ so Horn. Er meint, dass es also theoretisch möglich wäre, mit dutzenden weiteren Mail-Adressen Impftermine ergattern zu können. Dadurch könne man das System für Menschen, die wirklich auf die Impfung warten, „unnötig blockieren“. „So etwas darf nicht sein“, stellte der Münchner klar. Er appelliere an die IT-Verantwortung des Ministeriums. Ein IT-Experte aus dem Norden bot unterdessen Impftermine bei eBay an - und hat nun Ärger mit dem Ministerium*.

Ministerium verweist auf Datenschutz: „keine eindeutige Personenidentifizierung“ bei Dateneingabe

Auf Anfrage erklärte ein Ministeriumssprecher tz.de* gegenüber, dass der Grund für diese Möglichkeit momentan der Datenschutz sei. Für die Online-Registrierung als auch für telefonische Anmeldung für Impftermine* verwenden die Impfzentren zur Dateneingabe die zentrale IT-Plattform BayIMCO. „Aus Datenschutzgründen durfte in BayIMCO keine eindeutige Personenidentifizierung (wie z.B. die Personalausweisnummer oder Sozialversicherungsnummer) integriert werden“, so das Ministerium.

Dies habe zur Folge, „dass namensgleiche Personen bzw. identische Personendaten systemseitig als eigenständige Datensätze angelegt sind“. Das automatisierte Löschen von Accounts sei daher datenschutzrechtlich nicht erlaubt. Das Ministerium erklärte weiter, dass es dabei wäre ein „datenschutzkonformes Verfahren zur Identifizierung und letztlich Löschung von unberechtigten Mehrfachanmeldungen“ zu etablieren. Bis diese Lücke geschlossen ist, wird es also weiterhin möglich sein, sich mit mehreren Adressen im System einzutragen. *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Kommentare