OB Reiter verärgert

Chaos um die Erstimpfung: In München müssen hunderttausende Impfwillige noch wochenlang warten

Gehören Sie vielleicht zu den vielen Münchnern, die sich längst für eine Erstimpfung gegen Corona registriert haben, aber bisher keinen Termin bekommen? Über dieses Chaos ärgern sich viele, auch der OB.

In Riem wurde am Sonntag die 500.000 Impfung vorgenommen. Die schlechte Nachricht: Noch bis 20. Juni finden im Impfzentrum keine Erstimmunisierungen statt. Hunderttausende Münchner sind in der Warteschleife. OB Dieter Reiter* (SPD) ist verärgert.

Corona in München: Auf ihre Erstimpfung müssen Hunderttausende noch warten

In Riem herrscht an diesem verregneten Sonntag wieder Hochbetrieb. Hunderte strömen in der Messehalle C3 zu ihrem Impftermin*. 120 Kabinen stehen bereit. Täglich sind rund 250 Mitarbeiter im Einsatz, darunter 74 Ärzte. Rund 6200 Menschen werden an diesem Sonntag eine Spritze mit einem Vakzin erhalten. Es handelt sich ausschließlich um Zweitimpfungen. Eigentlich läuft es nicht schlecht in München*.

„Wir könnten viel weiter sein“: OB Dieter Reiter und Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek besuchen das Impfzentrum.

Eigentlich. Denn die nebenan liegende Messehalle C4 ist aktuell verwaist. Dort werden jene Menschen registriert, die ihre Erstimpfung* erhalten. Doch die ist in Riem seit rund zwei Wochen nahezu ausgesetzt und wird es laut Gesundheitsreferat noch weitere zwei Wochen sein. Das Fazit von OB Reiter beim Pressetermin am Sonntag fällt daher durchwachsen aus: „Ich freue mich, dass wir in Riem bisher eine halbe Million stationäre Impfungen durchführen konnten.“ Das sei ein Meilenstein. Die Kehrseite: „Es könnten noch viel mehr sein, wenn wir genügend Impfstoff zur Verfügung hätten.“

Corona in München: Es fehlt an Nachschub beim Impfstoff

Zu den nackten Zahlen: In München wurden – Stand Freitag – bislang 912.223 Impfungen durchgeführt (624.677 Erst- und 287.546 Zweitimpfungen). Damit hat fast die Hälfte der Bevölkerung über 16 Jahren zumindest den Erstschutz* erhalten. In Riem wurden 500.000 Personen geimpft (317.000 Erst- und 183.000 Zweitimpfungen). Dazu kommen rund 50.000 Impfungen von mobilen Teams, etwa in Altenheimen sowie das Personal der Münchner Kliniken (31.732 Erst- und 28.664 Zweitimpfungen). In Arztpraxen wurden bisher 244.194 Erst- und 61.859 Zweitimpfungen verabreicht. Um den Impffortschritt einordnen zu können: Im April bekamen rund 86.000 Münchner einen Corona*-Schutz beim Hausarzt, im Mai waren es etwa 196.000. Dennoch fehlt es auch hier am Nachschub und an Transparenz.

Bademeisterstuhl für den OB: Auf diesem erhöhten Sitz wacht das Personal über den geregelten Ablauf im Wartebereich.

Noch immer jedenfalls warten hunderttausende Münchner auf einen Termin. Nach Auskunft der Stadt sind über das zentrale Vergabeportal des Freistaats, BayImco, allein 131.700 Personen der Prioritätsgruppe 3 registriert, die noch keine Einladung nach Riem erhalten haben. Von den zigtausend nicht priorisierten Personen ganz zu schweigen. Das Gesundheitsreferat weist allerdings darauf hin, dass unklar ist, wie viele Menschen sich bereits beim Hausarzt haben impfen lassen, ihren BayImco-Account aber dennoch nicht gelöscht haben.

Corona in München: Prognose über den Fortgang der Impfungen will niemand wagen

Eine zeitliche Prognose über den weiteren Fortgang der Impfungen in Riem wollen am Sonntag weder OB Reiter noch Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek (SPD) wagen. Der Mangel an Nachschub sei das große Problem, beteuern beide. Zurek sagt: „Die Datenlage ist weiterhin unklar. Wir hätten gerne mehr Planungssicherheit vom Gesundheitsministerium für die Lieferungen.“

Die 500 000. Impfung in Riem wurde am Sonntag Dieter Buchner verabreicht.

Das Zentrum in Riem ist laut Maximilian Hinkofer von der Aicher Ambulanz, Leiter des Betriebs vor Ort, auf eine Kapazität von 7000 bis 7500 Impfungen pro Tag ausgelegt. In den vergangenen Wochen konnten häufig aber nur halb so viele Spritzen gesetzt werden. Reiter ist sich sicher: „Wir würden es bis Herbst hinbekommen, alle Münchner zu impfen.“ Aber dafür müssten Gesundheitsminister Jens Spahn* (CDU) und die Bundesregierung endlich ihre Hausaufgaben erledigen. Insofern sei auch das Aufheben der Impfpriorisierung zum jetzigen Zeitpunkt keine gute Idee. „Die Hausärzte bedanken sich“, fügt der OB ironisch hinzu. In Riem wird die Priorisierung bei der Terminvergabe vorerst beibehalten. *tz.de und Merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Jens Hartmann

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