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Corona-Impfung für Kinder gestartet - doch Münchens Ärzte klagen über Probleme

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Von: Laura Felbinger, Leoni Billina, Nina Bautz

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Ein Kind hält einen Teddy, einen Impfpass und eine Versichertenkarte in seinen Händen
Seit dem 15. Dezember werden in München auch fünf- bis elfjährige Kinder gegen das Coronavirus geimpft. © Daniel Reinhardt/dpa

Endlich können sich auch Kinder die Corona-Impfung abholen. Der Start ist in München erfolgt, allerdings sehen Ärzte zahlreiche Probleme.

München – Tapfer hält Quirin Heitzer (6) aus Laim* den Häkelaffen Momo in der Hand. Eine kurze Schrecksekunde beim Einstich, dann ein Lächeln. „War ja gar nicht schlimm“, sagt Quirin. Er ist einer der ersten jungen Münchner, die gestern den Kinder-Impfstoff gegen das Coronavirus* von Biontech erhalten haben.

Solch einen Pieks wollen derzeit viele Eltern – aber so leicht ist das nicht. Viele Kinderärzte impfen gar nicht. Auch der Andrang bei den städtischen Impfzentren ist riesig. Und obendrein ist die Impfstoffverteilung immer noch undurchsichtig. In der Schwabinger* Praxis, in der Quirin geimpft wird, kommen die Arzthelferinnen nicht mehr vom Telefon weg. „Das Interessse ist riesig. Aber wir können nur unsere eigenen Patienten impfen“, sagt Dr. Sandra Hermanns. Bis Weihnachten sollen 150 Kinder drankommen. Etwa jede dritte Familie frage nach einer Kinder-Impfung.

München: Corona-Impfungen für Kinder gestartet – „Nachfrage ist riesig“

„Die Nachfrage ist riesig groß“, bestätigt auch der Landesvorsitzende des Verbands der Kinderärzte, Dominik Ewald. „Jeder hat einen kranken Verwandten oder Schulkinder, die bei einer Infektion in Quarantäne müssten.“ Das stelle die Praxen vor Herausforderungen. Das Problem: Die niedergelassenen Kinder haben meist nicht genug Kapazitäten, viele Kinder zu impfen. „Für die 40 Impfungen, die heute bei uns durchgeführt werden, fallen fünf Stunden Bürokratie-Aufwand an“, sagt Kinderarzt Philipp Schoof, der auch Obmann für München* des Berufsverbandes ist.

Er schätzt, dass etwa die Hälfte aller Münchner Ärzte Kinder impft. „Gerade für Einzelpraxen mit nur einem Arzt ist das nicht händelbar.“ Mitten in der Infektwelle müssten die Ärzte oft in der Freizeit impfen. Zu allem Überfluss könne der Mediziner vorher nie genau wissen, wie viel Impfstoff er wirklich bekommt. „Da bleibt manchen Ärzten nur, Interessenten ans Impfzentrum zu verweisen.“

Beim städtischen Impfzentrum schien gestern – nachdem der Rechner für die Terminbuchung am Dienstag (14. Dezember) wegen Überlastung zusammenbrach – alles zu funktionieren. Laut Gesundheitsreferat wurde die Kapazität des Servers erhöht. Auch Termine gab es noch: Am Mittwoch (15. Dezember) zum Beispiel für Ende Dezember. Im städtischen Kinderimpfzentrum am Gasteig geht’s am Donnerstag (16. Dezember) los. Der Start hatte sich wegen Impfstoff-Lieferproblemen um einen Tag verzögert.

München: Kinder-Impfungen gestartet, doch es gibt zu wenig Corona-Impfstoff

Diese Probleme kritisiert auch OB Dieter Reiter*: Man könne keine Impfpflicht diskutieren und im nächsten Atemzug anmerken, dass es nicht genügend Impfstoff gebe, sagte er am Mittwoch (15. Dezember) im Stadtrat. Aber wie kann es dazu kommen? Wie wird der Impfstoff verteilt? Ärzte bestellen den Impfstoff laut Apothekerverband bei den Apotheken, diese bekommen die Dosen vom Großhändler - und die vom Bundesgesundheitsministerium. „Am Montag erfahren wir von den Großhändlern die Bestellhöchstmengen“, erklärt der Münchner Apotheker Dr. Peter Sandmann. Biontech sei sehr beliebt, hier ist das Kontingent auf 30 Dosen pro Arzt und Woche begrenzt. Bei Moderna gibt’s kein Limit.

Donnerstag oder Freitag erfahren die Ärzte, wie viel Impfstoff vorhanden ist. Am Montag kommt er bei den Apotheken an. „Beim Kinderimpfstoff gab es diese Woche Lieferprobleme, die kamen mit einem Tag Verzögerung am Mittwoch“, sagt Sandmann. Es hake wohl bei einer Vorstufe der Großhändler, also auf Ministeriums-Ebene. Ein weiteres Problem ist, dass die Nachfrage aktuell teilweise das Angebot an Impfstoff übersteigt. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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