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Corona-Impfung bald per Nasenspray? „Großes Potenzial“, aber in München fehlt das Geld

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Nasenspray gegen Corona
Einer neuen Studie zufolge kann ein Nasenspray Sars-CoV-2-Viren beinahe vollständig inaktivieren. Eine echte Alternative zur Corona-Impfung? © Florian Gaertner/Photothek/Imago Images

Forscher setzen große Hoffnungen in Impfungen per Nasenspray, die die Schleimhaut immunisieren. Seit August wird ein Forschungsprojekt an den Ludwig-Maximilians-Universität vom Bund unterstützt.

München/Berlin – Wenn die Covid-Impfung nicht nur schwere Verläufe verhindert, sondern die Ansteckung an sich, dann ist das Virus schachmatt gesetzt und die Pandemie vorbei. So jedenfalls sieht das Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). Der hat hohe Erwartungen an nasale Impfstoffe gegen Corona und schrieb am Sonntag bei Twitter, dass „die Pandemie endet, wenn wir zum Beispiel über nasale Impfstoffe Schleimhautimmunität erreichen“. Hier werde viel zu wenig Geld investiert, so Lauterbach weiter, dessen Tweet mit dem Satz endet: „Solche Impfstoffe könnten wir schon haben.“

Nasale Impfstoffe gegen Corona: Forscher brauchen für schnelle Entwicklung mehr Mittel

„Es ist schwierig, im Nachhinein zu kritisieren, dass ein aussichtsreiches Projekt zu wenig gefördert wurde“, sagt der Forscher Professor Josef Rosenecker. Er leitet in München die Arbeitsgruppe zur Erforschung nasaler Impfstoffe und sagt klar: „Um diese schnell zu entwickeln, bräuchten wir ähnliche finanzielle Mittel wie zum Beispiel Biontech und Pfizer zu Beginn der Pandemie.“ Rosenecker ist Chef der Ambulanz für rehabilitative und präventive Pädiatrie am Klinikum der Ludwigs Maximilians Universität (LMU) und leitet die Arbeitsgruppe für Molekulare Pneumologie am Dr. von Haunerschen Kinderspital.

Er forscht seit 15 Jahren an Verfahren mRNA gezielt in die Atemwege einzuschleusen: „Nasale Impfstoffe haben viele Vorteile. Erstens: Mit dem nasalen Impfstoff bildet sich auf der Schleimhaut im Nasenrachenraum eine sehr hohe Zahl an Antikörpern. Wir gehen davon aus, dass so Infektionen von vornherein verhindert werden – das würde die Pandemie beenden“, sagt Rosenecker. Zudem müsse der Impfstoff nicht stark gekühlt werden so wie der, der in den Muskel gespritzt wird. Ebenso könnte auch medizinisches Fachpersonal mit dem Nasenspray impfen – vielleicht sogar der Patient selbst. Schmerzen durch eine Spritze oder gar Risiken durch unhygienische Anwendung, wie es sie sich in ärmeren Ländern immer wieder realisieren, wären ebenso gebannt.

Nasale Impfstoffe gegen Corona: „Großes Potenzial, allerdings nicht für diesen Herbst“

Das klingt alles sehr hoffnungsvoll, doch macht man in München noch immer nur Versuche mit Mäusen, in die Phase I der klinischen Studien sind die Forschungen der Münchner noch nicht eingetreten. „Hier könnte es tatsächlich schneller gehen, wenn uns mehr Geld zur Verfügung stünde“, sagt Rosenecker. 15 Millionen Euro wären nötig, damit er und sein Team gleich in die erste Phase der klinischen Erprobung eintreten könnten – mit den derzeitigen Forschungsmitteln wären sie erst in drei Jahren so weit. Bis dann der Impfstoff auf den Markt kommen kann, vergehen noch Jahre – wie viele, hängt vor allem davon ab, wie viel Geld die Forscher bekommen.

„Ich sehe in den nasalen Impfstoffen ein großes Potenzial, allerdings nicht für diesen Herbst“, sagt Clemens Wendtner, Infektiologe und Corona-Experte an der München Klinik Schwabing. „Bis hier eine Zulassung erfolgt, dauert es noch eher Jahre als Monate, insofern bieten im Moment eher eine Art Silberstreif am Horizont.“

Ähnlich äußert sich Christoph Spinner, Infektiologe und Corona-Spezialist des Uniklinikums rechts der Isar der Technischen Universität München. Dass in der Pandemie in einem solch schnellen Tempo die Corona-Impfstoffe auf den Markt kamen, lag unter anderem daran, dass Zulassungsschritte beschleunigt wurden und Studien parallel stattfinden konnten: „Dieses Vorgehen kann nicht im Allgemeinen angewendet werden“, sagt Spinner. Insofern bräuchte es für die Entwicklung der nasalen Impfstoffe ähnliche Sonderregelungen. Auch aus seiner Sicht können nasale Impfstoffe in Zukunft ein wichtiger Baustein werden. „Dennoch bieten die bereits heute zugelassenen Impfstoffe sehr guten Schutz vor schweren Verläufen und bereits guten Schutz vor einer Infektion.“ Der Schutz lasse aber im Laufe der Zeit nach – wichtig sei deshalb, Impfungen aufzufrischen.

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