Blutgruppe verantwortlich?

„Einmal Hölle und zurück“: Münchner erzählt tragische Familiengeschichte - Fall lässt selbst Corona-Experten rätseln

Auf den Covid-19-Stationen des Uniklinikums rechts der Isar wurden am Montag 31 Patienten behandelt
+
Auf den Covid-19-Stationen des Uniklinikums rechts der Isar wurden am Montag 31 Patienten behandelt.

Reihenweise Infektionen, die Oma ist gestorben: Das Coronavirus prüft die Familie von Mariano Frate aus München enorm. Eher Zufall oder steckt mehr dahinter?

  • Ein Deutsch-Italiener aus München* erlebte eine ausgeprägte Corona-Leidensgeschichte.
  • Ein Familienmitglied ist verstorben, weitere haben sich mit dem gefährlichen Virus infiziert.
  • Mariano Frate, vor seiner Covid-19-Erkrankung körperlich fit, spricht über seine Leidenszeit.
  • Unser brandneuer München-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alles, was in der Isar-Metropole passiert. 

München - Eine Münchner Familie erlebt gerade Corona-Horror hoch drei: Mariano Frate (49) ist nach seiner Infektion* zu Hause bewusstlos zusammengebrochen und ins Klinikum rechts der Isar eingeliefert worden. Am zweiten Tag seines Aufenthalts erfuhr er, dass seine 90-jährige Oma an Covid-19 gestorben ist. Inzwischen kämpft auch noch sein 70-jähriger Vater auf einer Corona-Intensivstation in Bari um sein Leben. „Covid-19 ist die schlimmste Erkrankung, die ich bisher erlebt habe – wie einmal Hölle und zurück“, sagt Mariano Frate.

Die dramatische Familiengeschichte gibt selbst Experten Rätsel auf. Denn gerade Mariano ist relativ jung, sportlich aktiv, hat keine bekannten Vorerkrankungen. Gibt es ein genetisches Risiko für einen schweren Verlauf? „Dafür liegen bislang keine belastbaren Hinweise vor“, erläutert Privatdozent Dr. Christoph Spinner. Skeptisch ist der Chefinfektiologe des Uniklinikums rechts der Isar auch mit Blick auf Berichte, wonach bestimmte Blutgruppen Einfluss auf die Erkrankung haben könnten. „Der Zusammenhang ist umstritten.“ Ist die Familie Frate also ein Zufallsopfer des tückischen Virus, das rein statistisch gesehen viele Infizierte glimpflich davonkommen lässt?

München: Mann schildert Corona-Infektion - und bangt um weitere Familienmitglieder

Auch Marianos Schwester und seine Mutter haben sich angesteckt, sein 19-jähriger Sohn Michelangelo dagegen blieb verschont. Dabei hatte er engen Kontakt zu seinem Vater, die beiden leben in einer gemeinsamen Wohnung in Neuperlach. Der junge Mann fand seinen Papa hilflos im Bad – am vermutlich vierten oder fünften Tag von dessen Infektion. „Mir ist plötzlich schwindlig geworden, dann bin ich mit dem Kopf auf dem Boden aufgeschlagen und habe mir eine Platzwunde zugezogen.“ Sein Sohn leistete Erste Hilfe, rief den Sanka. „Michelangelo hat alles richtig gemacht, er ist über sich hinausgewachsen“, erzählt Mariano dankbar und stolz.

Mariano Frate in seinem Bett auf der Corona-Station im Uniklinikum rechts der Isar.

Im Klinikum diagnostizierten die Ärzte schlechte Blutwerte und behielten ihn dort. „Das war mein Glück“, weiß Frate. Denn kurz darauf verschlechterte sich sein Zustand derart, dass eine Verlegung auf die Intensivstation im Raum stand. Doch das erfahrene Mediziner-Team konnte ihn stabilisieren. Mariano ist übern Berg, am Wochenende durfte er nach Hause. Allerdings fühlt sich der 49-Jährige noch immer sehr schwach auf den Beinen: „Ich gehe so langsam wie ein 80-Jähriger.“

Noch dazu treibt ihn die Sorge um seine Familie um. Immerhin geht es seiner Schwester, bei der sich Frate vermutlich angesteckt hat, wieder recht gut. Auch seine Mama ist einigermaßen auf dem Posten – allerdings psychisch angeschlagen. „Um meinen Vater steht es schlecht. Er wird beatmet, hat Wasser in der Lunge. Ich hoffe, dass er durchkommt.“

Mann aus München leidet an Corona - „Im Nachhinein der schlimmste Moment meines Lebens“

Die Oma hat es leider nicht geschafft. Die Nachricht traf Frate, einen Familienmenschen mit italienischen Wurzeln, ins Mark. „Die Trauer um sie, noch dazu die Angst, was mit mir noch alles geschehen könnte – das war eine furchtbare Gefühlswelle.“

Als es Frate zwischenzeitlich immer schlechter ging, spielte er für einen Augenblick mit dem Gedanken, sich selbst aufzugeben. „Im Nachhinein war das der schlimmste Moment meines Lebens. Ich schäme mich auch dafür, weil ich normalerweise überhaupt nicht der Typ bin, der aufgibt.“ Am Ende siegte sein Kämpferherz. Es schlägt für seine leidgeprüfte Familie.

Kürzlich wurden „geheime und verstörende Bilder“ aus dem Klinikum rechts der Isar verbreitet und sorgten für Wirbel - sie zeigen jedoch nur die halbe Wahrheit.*tz.de ist ein Angebot des Ippen Digital Netzwerks

Auch interessant

Kommentare