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„Alle Beatmungsbetten sind belegt“: Münchner Intensivmediziner verzweifelt

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Dr. Thomas Felbinger von der München Klinik Neuperlach hat kein Beatmungsbett mehr frei.
Dr. Thomas Felbinger von der München Klinik Neuperlach hat kein Beatmungsbett mehr frei. © Sebastian Gollnow/dpa/Neuperlacher Klinikum

Die Corona-Infektionszahlen steigen rasant. In München werden die Intensivbetten vor Covid-Patienten knapp. In der München Klinik Neuperlach ist die Lage ernst.

München -  Diese Woche hat Dr. Thomas Felbinger zwei ungewöhnliche Notrufe erhalten. „Zwei Anrufe von Chefärzten aus dem Münchner Süden. Sie haben gefragt, ob ich noch ein Beatmungsbett frei habe“, erzählt der Intensivmediziner, der in der München Klinik Neuperlach für die Covid-Intensivpatienten zuständig ist. „Ich habe ihnen geraten, gleich außerhalb Bayerns in den Norden zu verlegen, wo die Situation noch entspannter ist.“

Felbinger ist nicht unkollegial, er ist verzweifelt. Dass die vierte Welle schon so früh eskaliert, hat ihn überrascht. Auch auf seinen Stationen ist die Lage ernst. Neuperlach hat acht Beatmungsbetten für Covid-Patienten, Harlaching fünf. Alle sind belegt. Auch die Beatmungsbetten für Non-Covid-Patienten sind voll belegt.

München: Corona-Patienten zwischen 35 und 55 Jahre alt - meistens Ungeimpft

„Wir haben auf unseren Intensivstationen fast ausschließlich schwere Verläufe bei Ungeimpften“, sagt Felbinger. Und die Patienten werden jünger: Derzeit seien sie zwischen 35 und 55 Jahre alt, berichtet der Intensivmediziner. Auch das verschärft das Problem. Junge Menschen kämpfen länger gegen das Sterben, die Betten sind länger belegt.

Felbinger berichtet von weinenden Patienten, deren Operationen verschoben werden müssen, von erschöpften Pflegekräften - und von wütenden, wenn ungeimpfte Covid-Patienten, kurz bevor sie ins künstliche Koma versetzt werden müssen, weiter behaupten, sie hätten nur einen Schnupfen. „Das sind Momente der Frustration, die wir aushalten müssen.“  

Corona-Verschärfung in München: Krankenhausampel auf Gelb

Aufgrund der angespannten Corona-Lage in Bayern und München kehrt nun eine Regel zurück. Im ÖPNV gilt ab Sonntag (7. November) wieder eine FFP2-Maskenpflicht.

Die 7-Tage-Inzidenz für München beträgt laut RKI 111,2 (Stand 5. November.) Die Stadt München gibt Daten nach dem differenzierten Impfstatus heraus: Demnach liegt die Inzidenz bei Ungeimpften bei 528,5 und bei vollständig Geimpften bei 63,0.

(Stand 29.10. – da der Impfstatus der Neuinfektionen zum Teil erst im Rahmen weiterer Fallermittlungen erhoben und nachgetragen werden kann, wird auf die entsprechend aktualisierten Daten der Vorwoche zurückgegriffen).*tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

  

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