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Inzidenz-Irrsinn: München weit über 1000! Das sagen OB-Reiter, Ärzte und Gastro-Vertreter

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Von: Sascha Karowski

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Die Inzidenz in München hat die 1000er-Marke geknackt.
Die Inzidenz in München hat die 1000er-Marke geknackt. © Peter Kneffel/dpa

Die Omikron-Welle lässt die Corona-Zahlen in München in die Höhe schießen. Wie geht es nun weiter? Unsere Zeitung sprach mit dem OB, Experten und Berufsgruppen.

München – Es ist ein beängstigender Rekord! 1122,4: So hoch lag die Sieben-Tage-Inzidenz für München* am Freitag (21. Januar). Zum ersten Mal hat der Wert bei uns damit die 1000er-Marke überschritten* - was eigentlich einen erneuten Lockdown bedeuten würde. Doch der Freistaat Bayern hatte vergangene Woche die sogenannte Hotspot-Regel ausgesetzt, um die Inzidenz-Marke der neuen Omikron-Variante anzupassen.

Unsere Zeitung fragte nun nach: Wie sehen Politiker, Experten und Geschäftsleute die Lage? Und wie soll es weitergehen?

Corona in München: Handelsverband fordert „Politik der ruhigen Hand“

„Wir sind sehr froh, dass die Hotspot-Regel ausgesetzt wurde“, sagt Thomas Geppert vom Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband. Die Regel hätte unter anderem für die Münchner Gastronomie, den Einzelhandel oder Fitnessstudios die erneute Schließung bedeutet.

Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern fordert deshalb: „Die Hotspot-Regel muss vom Tisch!“ Ohlmann hofft, dass die Staatsregierung mit Blick auf die Inzidenzen besonnen reagieren wird: „Wir brauchen jetzt eine Politik der ruhigen Hand.“ Man müsse die Situation mit Blick auf die Omikron-Variante anders bewerten – und zwar nicht nach der Inzidenz, sondern der Intensivbettenbelegung. Diese sinkt seit Anfang Dezember wieder. Lagen am 4. Dezember 2021 noch 1081 Erwachsene auf bayerischen Intensivstationen, sind es jetzt 345.

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Corona in München: OB Reiter und Infektiologe richten Fokus auf Krankenhäuser

„Wichtig ist für mich die Situation in unseren Krankenhäusern“, sagt Oberbürgermeister Dieter Reiter* (SPD). Dort entspannt sich die Lage mit Blick auf die Belegung der Intensivstationen zwar aktuell. Aufgrund der vielen Neuinfektionen droht sich aber ein neues Problem aufzutun.

„Hohe Inzidenzen bedeuten auch, dass mehr Klinikpersonal erkrankt und damit ausfällt. Das betrifft Ärzte, Pfleger bis hin zur Verwaltung und der Logistik“, so Infektiologe Christoph Spinner, der Oberarzt im Klinikum rechts der Isar ist. Dennoch hält Spinner die Lockerung der Corona-Regeln für nachvollziehbar. „Es geht nicht darum, hohe Inzidenzen zu verhindern, sondern darum, die Überlastung des Gesundheitswesens zu verhindern.“ Wäre die Zahl der Geimpften höher, müsste man darüber nicht mehr diskutieren, so der Infektiologe.

Corona in München: Bürgermeisterin Habenschaden über niedrige Impfquote besorgt

Die hohe Zahl der Ungeimpften beunruhigt auch Bürgermeisterin Katrin Habenschaden (Grüne): „Die Zahl der Infizierten explodiert gerade, das macht mir Sorgen, denn anders als in Spanien oder England ist bei uns die Zahl der Geimpften zu niedrig.“ 71,6 Prozent der Münchner Bevölkerung sind mindestens erstgeimpft (Stand: 21. Januar).

Vor knapp zwei Jahren behandelte die München Klinik den ersten Corona*-Patienten Deutschlands. Seitdem folgten vier Wellen - Omikron noch ausgeklammert. Insgesamt hat die München Klinik seitdem etwa 3700 Corona-Patienten versorgt. 2021 lag ein Intensivpatient mit Corona dort durchschnittlich 14,8 Tage auf der Intensivstation. Bei Nicht-Covid-Patienten waren es vier Tage. *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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