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Münchner Klinik-Chef erklärt weiteren Verlauf der Pandemie: „Noch ein paar Wochen durchhalten“

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Von: Andreas Beez

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Eine Frau hält auf dem Marienplatz eine FFP2 Maske.
Eine Frau hält auf dem Marienplatz eine FFP2 Maske. Wie lange dauert die Pandemie noch? © picture alliance/dpa | Karl-Josef Hildenbrand

Seit genau zwei Jahren leben wir in Deutschland schon mit dem Coronavirus. Der Münchner Klinik-Chef Dr. Axel Fischer gibt eine Prognose ab, wohin sich die Pandemie entwickelt.

München - Vor genau zwei Jahren – am 27. Januar 2020 – stand am Schwabinger Krankenhaus der erste Corona-Patient* Deutschlands vor der Tür. Inzwischen haben die Spezialisten der städtischen Krankenhäuser rund 3700 Patienten mit Covid-19 behandelt, darunter schwerste Fälle. Sie schulterten gefühlt einen Kraftakt nach dem anderen, in extremen Fällen kämpften mehr als 100 Mitarbeiter gemeinsam, um das Leben eines einzigen Corona-Patienten zu retten. Über die Folgen, seine Haltung zur Impfpflicht und die Perspektiven spricht München-Klinik-Chef Dr. Axel Fischer im tz-Interview:

Ihre Mitarbeiter arbeiten seit zwei Jahren im Krisenmodus. Wie können Sie Pflegekräfte und Ärzte noch motivieren?

Dr. Axel Fischer: Diese Frage stelle ich mir schon seit einem Jahr – und gebe zu: Es wird immer schwieriger, auch durch die Fehler bei der Impfkampagne. Die Kollegen sind einfach frustriert, weil die vierte Welle in diesem Ausmaß zu verhindern gewesen wäre, wenn sich noch mehr Menschen hätten impfen lassen. Wir haben es nicht geschafft, einen größeren Anteil der Bevölkerung davon zu überzeugen. Vielleicht lässt sich mit einem Vermittlungsvorschlag ein weiteres Auseinanderdriften der Gesellschaft verhindern.

Klinik-Chef Axel Fischer fürchtet Personalnot.
Klinik-Chef Axel Fischer hält die allgemeine Impfpflicht für nötig – unter einer Bedingung. © Götzfried

Corona in München: Klinik-Chef klärt über Omikron-Verläufe von Geimpften auf

Wie könnte dieser Vorschlag ausschauen?

Einerseits halte ich eine Impfpflicht für weite Teile der Bevölkerung* für sinnvoll. Allerdings nur so lange, bis die Pandemie endemisch wird und keine Überlastung unseres Gesundheitssystems mehr droht. Bis dieser Punkt erreicht ist, brauchen wir den größten Teil der Bevölkerung, nicht nur einzelne Gruppen wie etwa Mitarbeiter in Heimen und Krankenhäusern. Sonst kriegen wir die Pandemie* nicht in den Griff. Effektiver als eine einrichtungs- oder berufsbezogene Impfpflicht wäre eine Impfpflicht für alle – aber eben nur zeitlich begrenzt.

Haben wir denn das Schlimmste hinter uns?

Nein, noch nicht. Wir sind mittendrin in der Omikron-Welle. Wir merken, dass die Zahl der Klinikeinweisungen auf die Normalstationen wieder ansteigt*. Die Quote der schweren Verläufe wird niedriger sein als bei Delta, aber angesichts der Masse der Infektionen kann die Situation trotzdem wieder schwierig werden. Andererseits könnte Omikron auch eine Art Motivationsschub für uns alle sein, weil die Verläufe bei Geboosterten meist milder sind als noch bei Delta. Einmal müssen wir jetzt noch ein paar Wochen durchhalten, bis wir im Frühjahr hoffentlich das Schlimmste überstanden haben. Aber es könnten ja neue Varianten kommen.

Münchner Klinik-Chef prognostiziert weiteren Verlauf der Pandemie: „Ich bleibe Optimist“

Sehen Sie nicht die Gefahr, dass wir im nächsten Herbst vor ähnlichen Problemen stehen wie derzeit?

Die Frage haben Sie mir vor einem Jahr auch schon gestellt. Damals habe ich gesagt, dass wir im Herbst weiter Corona-Patienten haben werden – aber nicht mehr so viele. Daran glaube ich auch diesmal, ich bleibe Optimist.

Woraus schöpfen Sie diesen Optimismus?

Ich vertraue auf die Einschätzung führender Wissenschaftler, dass wir bald aus der Pandemie heraus in eine Endemie kommen. Einfacher gesagt: Wenn Omikron durch ist, sollte hoffentlich das Gröbste überstanden sein. Für die Klinik-Mitarbeiter fängt die Arbeit dann aber erst richtig an.

Das Interview führte Andreas Beez. Die komplette Gespräch* lesen Sie hier. Unser München-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Isar-Metropole. Melden Sie sich hier an.*tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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