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Intensivpatient verlässt nach 85 Tagen Münchner Klinik - und leugnet immer noch Corona

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Von: Thomas Eldersch

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In den Kliniken in München kämpfen seit über zwei Jahren Ärzte und Pflegekräfte um das Leben von Covid-Patienten.
In den Kliniken in München - wie hier im rechts der Isar - kämpfen seit über zwei Jahren Ärzte und Pflegekräfte um das Leben schwer erkrankter Covid-Patienten. © Peter Kneffel/dpa

Fast drei Monate kämpfen Klinikmitarbeiter um das Leben eines Familienvaters. Dieser glaubt aber weiterhin nicht an Corona und will sich nicht impfen lassen.

München - Omikron bestimmt derzeit die Corona-Politik - Lockerungen stehen auf der Agenda. In den Köpfen der Menschen schwebt schon der Geist vom Ende der Pandemie umher. Aber noch vor nicht allzu langer Zeit bestimmte die Delta-Variante das Infektionsgeschehen in Deutschland und brachte die Intensivstationen der Kliniken an ihre Belastungsgrenze. Auch die München Klinik kämpfte in ihren Häusern mit Überlastung und schwer kranken Covid-Patienten - aber auch mit ungeimpften Corona-Leugnern.

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Münchner kämpft 85 Tage gegen Corona - Klinik schildert die Behandlung

Auf der Internetseite der München Klinik berichten Ärzte und Pfleger über ihre Erfahrungen während der Corona-Pandemie. Unter dem Motto „Die Menschen hinter den Zahlen“ dreht sich eine Geschichte um einen ungeimpften Corona-Leugner. Sein Leben stand 85 Tage immer wieder auf der Kippe. Als er dann nach fast drei Monaten entlassen werden konnte, war seine Reaktion für seine Lebensretter nur schwer zu verkraften.

Die Geschichte - die auf Interviews von Mitarbeitern in der Medizin und Pflege beruht - beginnt mit dem Start in die vierte Welle. Am Ende des Sommers 2021 breitete sich die Delta-Variante immer weiter in Deutschland aus. Die Intensivstationen füllten sich. Ein Grund war unter anderem die noch zu geringe Impfquote. Dies hatte viele Gründe, heißt es auf der Seite: „Schlechte Beratung, Sprachbarriere, Leichtfertigkeit oder aktive Entscheidung – es gibt viele Gründe, wieso diese Menschen nicht geimpft waren. Die meisten haben es bereut, andere leider bis heute nicht.“

Protokoll einer Covid-Erkrankung - Mitarbeiter der München Klinik kämpfen um Corona-Leugner

Einer, der es nicht bereut hat, war Marian K. (Name wurde von der Klinik geändert). Der 45-jährige Familienvater - verheiratet, ein Sohn, normal gewichtig - verwehrte die Impfung. Seiner Meinung nach würden die „Covid-Impfstoffe Embryozellen enthalten“. Weiter wird seine Geschichte in der Form eines Tages-Protokolls erzählt. Seine ersten Symptome hatte Marian am 20. August 2021. Am 31. August wird er mit schwerster Atemnot ins Krankenhaus gebracht. Sofort erhält er eine „High Flow Sauerstofftherapie“ und wird auf die Intensivstation verlegt.

In den folgenden zwei Wochen verschlechtert sich sein Zustand weiter. Am 13. September bleibt den Ärzten keine andere Wahl mehr. Er muss an eine ECMO-Maschine (künstliche Lunge) angeschlossen werden. Noch einmal sieben Tage später ist Marian weiter instabil. Seine Lunge ist stark angegriffen - die Rede ist von „Lungenumbau“. Am 29. September fängt sich der 45-Jährige noch eine bakterielle Infektion ein. „Zustand kritisch“ und „Die Ehefrau versieht das Krankenzimmer mit Heilsteinen, um ihren Mann zu unterstützen; sie äußert Zweifel an der Existenz des Coronavirus“, heißt es weiter in dem Protokoll.

Am 7. Oktober - also nach über einem Monat im Krankenhaus - kommen bei Marian noch Thrombosen dazu. „Zustand weiterhin kritisch. Ehefrau bestellt Priester zur letzten Salbung ein.“ Dann überraschend die Wende. Sein Zustand verbessert sich. Am 18. Oktober - nach 35 Tagen - kann die ECMO abgestellt werden. Der 45-Jährige wird weiter beatmet, leidet allerdings unter Panik, schwerer Bewegungseinschränkung und Schluckstörungen. Am 1. November kann die Beatmung eingestellt werden. Zwei Tage später kommt Marian in eine Früh-Reha der München Klinik. Am 23. November - nach 85 Tagen - wird er entlassen. Im Protokoll heißt es: „Patient möchte sich weiterhin nicht impfen lassen.“

Klinik-Personal kämpft um das Leben eines Corona-Leugners und wird vor den Kopf gestoßen

Die Einstellung des Patienten ist für das Klinikpersonal nur schwer zu verstehen. Ein Mitarbeiter wird am Ende des Textes folgendermaßen zitiert: „Hätte ich das gewusst … hören wir immer wieder. Es gibt aber eben auch die, die auch nach wochenlanger Beatmung behaupten, das hätte alles nichts mit Covid zu tun. Dieser Patient verließ uns ohne Danke, ohne Tschüss. Das ist fürs Team nach fast drei Monaten Kampf wie ein Schlag ins Gesicht.“ (tel)

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