Inzidenz-Modell birgt Schwierigkeiten

München wackelt: Corona-Öffnung wird zum Drahtseilakt - OB Reiter sieht Lockdown-Plan kritisch

Dieter Reiter (SPD), Oberbürgermeister von München, nimmt an einer Pressekonferenz in der Staatskanzlei teil. Auf der Pressekonferenz wurde mitgeteilt, dass das Oktoberfest 2020 aufgrund der akutellen Corona-Krise abgesagt werden muss.
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Dieter Reiter: Der Münchner Oberbürgermeister sieht den Corona-Öffnungsplan kritisch.

München schwankt um die entscheidende Inzidenz von 50. Der Corona-Öffnungsplan wird dadurch sehr komplex. OB Reiter sieht das Vorhaben kritisch.

München - Diese Zahl ist magisch - jedenfalls in diesen Tagen. 50! Wenn die Corona-Inzidenz* (also die Zahl der Neuinfektionen der letzten sieben Tage pro 100.000 Einwohner) darunter liegt, gibt’s ab nächsten Montag weitgehende Lockerungen. Steigt sie darüber, wird die Öffnung gebremst. Und München steht auf der Kippe: Am Donnerstag lag der Wert bei 45,6. Tendenz: steigend. Alle hoffen nun, dass sich der Trend wieder dreht und die Zahl bloß nicht über 50 klettert…

Corona-Beschlüsse umsetzen: Münchner Krisenstab tagt - OB-Reiter findet Maßnahmen schwierig

Wie die Beschlüsse der bayerischen Staatsregierung von Mittwoch konkret in München* umgesetzt werden, entscheidet der städtische Krisenstab am Freitag. OB Dieter Reiter* (SPD) sagt: „Auch wenn ich es grundsätzlich begrüße, dass über Lockerungen nachgedacht wird, sind die jetzt getroffenen Maßnahmen schon sehr komplex, sehr diffizil.“

München: Nina Hugendubel schimpft über Corona-Lockerungen - „Entscheidungen sind enttäuschend“

Grundsätzlich gilt: Der Einzelhandel darf ab Montag in Gegenden mit einer Inzidenz unter 50 unter strengen Auflagen aufmachen. Steigt der Wert über 50, ist der Einkauf nur mit Terminbuchung möglich. Immerhin: Es geht auf! „Wir freuen uns sehr, dass wir nach dieser langen Zeit des Wartens wieder öffnen dürfen“, sagt Nina Hugendubel, geschäftsführende Gesellschafterin des Buchhändlers Hugendubel. „Dennoch sind die jüngsten Entscheidungen insbesondere auch für den Einzelhandel, die Gastronomie und die Kultur enttäuschend. Das Leben muss in die Innenstädte zurück – und dazu gehören alle Beteiligten.“

Das wird frühestens in zwei Wochen, ab 22. März, der Fall sein: Dann darf die Außen­gastronomie loslegen, dazu können Theater, Konzert- und Opernhäuser sowie Kinos aufmachen. Nochmals 14 Tage später, ab 5. April, wären Freizeitveranstaltungen draußen mit bis zu 50 Teilnehmern erlaubt.

München-OB Reiter kritisiert Corona-Stufenplan - Inzidenz-Hin-und-Her eine Mammutaufgabe

OB Reiter scheint nicht glücklich mit der Vorgehensweise zu sein. Es gebe ja nun sogar drei Inzidenzstufen, „die jeweils andere Regelungen auslösen“, so Reiter (also unter 50, von 50 bis 100 und über 100). Er hoffe, dass zumindest in der Verordnung des Freistaats - diese soll heute veröffentlicht werden – für die Verwaltung vollziehbare und für die Bürger nachvollziehbare und praxis­taugliche Regelungen getroffen werden.

Wie wacklig die Lage ist, weiß auch Wolfgang Fischer, Chef der Händlervereinigung CityPartner. Er fragt: „Was machen wir, wenn die Inzidenz am Sonntag auf über 50 steigt?” So genau konnte das am Mittwoch noch niemand beantworten. *tz.de und Merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA. (kba, kv, mw)

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