Aktuell 25 Prozent der gewohnten Fahrgastzahlen

Grüne Antriebe, Expressbus-Ring: MVV-Chef verrät im Interview, was er plant - „Die M-Zone zu vergrößern, ...“

Eine U-Bahn in München (Symbolbild).
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Eine U-Bahn in München (Symbolbild).

Es war ein Jahr der Corona-Herausforderungen für den Münchner Verkehrs-Verbund. Im großen tz-Interview spricht MVV-Chef Dr. Bernd Rosenbusch über den enormen Fahrgastrückgang.

Er verrät, warum er selbst ohne Bedenken weiter öffentliche Verkehrsmittel nutzt und wie Münchens* Mobilität in der näheren Zukunft aussieht.

Herr Rosenbusch, die Fahrgastzahlen sind geradezu atemberaubend zurückgegangen…

Bernd Rosenbusch: Das stimmt. Wir hatten im März noch 20 Prozent der Fahrgäste, haben uns dann bis September ganz gut hochgearbeitet auf 70 bis 80 Prozent des gewohnten Niveaus. Jetzt im zweiten Lockdown sind es im Dezember noch 25 Prozent der ursprünglichen Fahrgastzahlen – und zwar durchweg bei allen Verkehrsmitteln, also Bahn, Bus, Tram und U-Bahn.

MVV-Chef Bernd Rosenbusch.

Wie erklären Sie den Rückgang?

Rosenbusch: Es ist eine Mixtur an Gründen. Kurzarbeit, Homeoffice, Angst vor Ansteckung. Arg zu schaffen macht uns auch der Rückgang des Freizeit- und Veranstaltungsverkehrs.

„Ich fahre seit Monaten Bus und S-Bahn und habe mich bis jetzt nicht infiziert“

Können Sie verlorenes Vertrauen wiederherstellen?

Rosenbusch: Es gibt viele Studien, die sagen, eine Ansteckung sei faktisch nicht vorhanden. Ich fahre seit Monaten Bus und S-Bahn und habe mich bis jetzt nicht infiziert. Ein Antikörper-Test war negativ. Da mag auch Glück dabei sein, aber der Luftaustausch ist extrem hoch durch Klimaanlagen und ständig offene Türen – bis zu 100 Prozent in drei Minuten. Alle Fahrgäste tragen Mund-Nasen-Bedeckungen und die Aufenthaltsdauer in den Fahrzeugen ist gering.

Erste Buslinien stellten Ende 2019 auf elektrischen Antrieb um. Ihr Fazit?

Rosenbusch: Es funktioniert seit einem Jahr einwandfrei, wir haben keine Klagen. Die MVG hat eine erste Linie umgestellt, der Landkreis München ebenfalls, hier wird überlegt, vier weitere Linien umzurüsten. Es läuft aber auch ein Forschungsprojekt der Landkreise Ebersberg und München namens HyBayern zur Umstellung auf Wasserstoffantrieb. Die Ausschreibung der Busse und Tankstellen ist für 2021 geplant.

„Der Ringbus rund um München ist eines der größten Busprojekte seit Langem“

Auch eine Ringbuslinie ist angedacht.

Rosenbusch: Ja, in einem Jahr sind die Eröffnungsfahrten. Der Ringbus rund um München ist eines der größten Busprojekte seit Langem. Dadurch soll die Innenstadt entlastet werden – wer von Starnberg nach Wolfratshausen fahren will, muss heute ja an der Donnersbergerbrücke umsteigen, künftig würde er direkt mit dem Expressbus von Stadt zu Stadt fahren. Wir planen die Beschaffung von 50 Bussen allein für dieses Projekt.

Zurück zu Ihrem Renommierprojekt vor einem Jahr: Müssen Sie bei der MVV-Tarifreform nachschärfen?

Rosenbusch: Wir haben von unseren Gesellschaftern den Auftrag bekommen, nach zwei Jahren eine Revision zu machen und zu prüfen, wo nachjustiert werden kann. Wir schauen uns an, ob wir die Abos aufwerten können, zum Beispiel indem wir verschiedene Angebote integrieren, etwa Bikesharing oder Mitnahmeregelungen.

Könnten Zonengrenzen verändert werden, beispielsweise mehr Bahnhöfe in die M-Zone fallen?

Rosenbusch: Die M-Zone noch weiter zu vergrößern, kann schwierig, da sehr teuer, werden. Das hängt am Ende von der Finanzierung ab. Was aber kommen wird, ist eine MVV-Erweiterung. Ende 2023 sollen die ersten Landkreise dazukommen – wenn die wollen und das Geld vorhanden ist. - Interview: Dirk Walter - *tz.de ist Teil des Ippen-Netzwerks.

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