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Zwei Jahre Pandemie: So hat Corona uns verändert – Münchner Promis blicken zurück

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Von: Nadja Hoffmann, Armin Geier

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Ein Schild mit der Aufschrift „Servus! 2G-Nachweis! dankschee“ steht vor einem Geschäft auf Münchens Viktualienmarkt
Das Coronavirus hat München weiterhin fest im Griff. Das sieht man hier auch an einem Laden auf dem Viktualienmarkt. © Peter Kneffel/dpa

Am 27. Januar 2020 wird in München Deutschlands erster Corona-Fall bekannt. Knapp zwei Jahre später ziehen wir Bilanz. Promis berichten von ihren Erfahrungen. 

München – Ende Januar 2020 wurde in München* der erste Corona-Fall bekannt. Genau zwei Jahre ist das nun her. Seitdem hat die Pandemie uns allen viel abverlangt: Wir mussten auf Kontakte verzichten, auf Reisen, auf Familienfeiern – auf Lebensfreude. Dazu die ständige Infektions-Angst und bei vielen die Furcht um die Existenz. Wir haben mit sechs Prominenten gesprochen und gefragt: Wie hat Sie diese schwere Pandemie-Zeit verändert?

Schauspielerin Angela Ascher: Immer mit dem Fahrrad in München unterwegs

In zwei Städten daheim zu sein, bringt viel Abwechslung mit sich. Gerade dann, wenn es sich um so schöne Orte wie München und Wien handelt. Der Doppel-Wohnsitz war eine Besonderheit im Leben von Schauspielerin Angela Ascher (44), die ihr Corona* aber genommen hat. Schnell zeigte sich: „Das Pendeln funktioniert nicht mehr.“ Die Grenze war teils geschlossen, immer wieder wurde Österreich zum Hochrisiko-Gebiet, Quarantäneauflagen inklusive. Das alles kollidierte mit der vielen Arbeit, die nie ausging.

Schauspielerin Angela Ascher beim Starkbieranstich auf dem Nockherberg
Schauspielerin Angela Ascher. © Tobias Hase/dpa

Als Nächstes ist Ascher zum Beispiel am 31. Januar bei der BR-Sendung Heimat der Rekorde zu sehen (20.15 Uhr). Im Sommer 2020 hat sich die Schauspielerin, die beim Nockherberg-Singspiel Landtags-Präsidentin Ilse Aigner mimte, ganz für München entschieden. Ihre beste Anschaffung damals: ein Mountainbike. „Ich habe kein Auto“, erklärt sie. Dafür aber große Lust, jede Strecke einfach zu radeln. „Egal, bei welchem Wetter.“ Das halte zum einen fit. Zum anderen ermögliche es, die Stadt noch mal ganz neu zu fühlen. „Ich fahre zum Beispiel in die Maxvorstadt und lasse mich da einfach treiben.“ Oder zum Wochenmarkt am St.-Anna-Platz, verrät sie eines ihrer Lieblingsziele.

Humorist Fredl Fesl: Weniger Kontakt zu seinen Enkeln – „Das tut dann weh“

Manchmal, wenn dieser ganze Pandemie-Wahnsinn zu viel wird, dann setzt sich Fredl Fesl (74) ins Auto - auf den Beifahrersitz. Und seine Frau Monika fährt los: „Irgendwohin. In die Natur. Raus. Zum Beispiel an den Chiemsee, um dort nur schnell den Sonnenuntergang zu bewundern.“ Dort hat ihn seine Frau letztens auch fotografiert. Zwei Jahre Corona*, zwei Jahre Isolation: „Wenn dir das jemand davor erzählt hätte, hättest du gesagt: ‚Der is narrisch‘.“ Wegen seiner Parkinson-Erkrankung muss Fredl natürlich besonders darauf achten, sich ja nicht zu infizieren. „Durchgeimpft sind wir. Aber ich war halt all die ganze Zeit noch mehr daheim als sonst.“

Humorist Fredl Fesl
Humorist Fredl Fesl. © Tobias Hase/dpa

Daheim – das ist sein Bauernhof in der Nähe von Pleiskirchen (bei Mühldorf). Wenn es das Wetter zulässt, ist der beliebte Urbayer viel draußen - oft mit Hund Mogli. Zum Spazierengehen? „Das, ehrlich gesagt, weniger, weil ich mich oft mit dem Gehen schwertue. Aber ich döse gern auf der Veranda – und Mogli bewacht mich dann.“ Was den Familienmensch auch sehr wurmt, ist, dass er seine Enkel in all diesen Monaten weniger sehen konnte - aus Vorsicht. „Das tut dann weh.“ Zudem fielen auch viele Besuche bei Freunden oder auch bei Konzerten der Kollegen flach. Ein bisserl trauriger sind Monika und Fredl schon geworden in dieser Zeit: „Wie ein Horror-Film fühlt sich das teils an.“ Und sie hoffen beide, dass jetzt irgendwann bald der Abspann kommt.

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Kabarettist Ottfried Fischer: „Die Sperrstunde ertrage ich nicht“

Die Pandemie – sie hat Ottfried Fischer (68) noch nachdenklicher gemacht. „Ich habe mir viel den Kopf zerbrochen in dieser Zeit“, erzählt der beliebte Kabarettist, der mittlerweile in Passau lebt. „Über alle möglichen Dinge.“ Einiges davon hat er zu Papier gebracht. „Außerdem gehe ich nicht mehr an die frische Luft, wenn es nicht sein muss“, sagt er augenzwinkernd. Jeden Morgen liest er erst mal die Zeitung und lässt sich – wie er anmerkt – dann gleich von „der Unvernunft der Impfverweigerer in den Wahnsinn treiben“.

Kabarettist Ottfried Fischer
Kabarettist Ottfried Fischer. © Armin Weigel/dpa

Was ihn auch stört: Dass er in all diesen Monaten kaum verreisen konnte: „Nicht einmal zum Gardasee, um etwas Wärme zu tanken. Etwas Lebensfreude.“ Und auch seine Besuche im Wirtshaus fallen oft ins Wasser. „Die Sperrstunde ist mittlerweile viel zu früh, die ertrage ich nicht.“ Und wenn ihm daheim langweilig wird? Dann liest Otti ein paar seiner Lieblingsbücher ein weiteres Mal: „So wie den Karl Kraus. Der hat nämlich das Drama ‚Die letzten Tage der Menschheit‘ geschrieben.“ Aber der Kabarettist bleibt trotzdem optimistisch: „Irgendwann wird das alles hier auch vorbeigehen.“

Ex-Wiesn-Wirt Wiggerl Hagn: „Ein Wirt geht nicht in Ruhestand“

65 Jahre Wirt auf der Wiesn, davon allein 40 als Chef des Löwenbräu-Zeltes: Es ist eine ganze Epoche, die Wiggerl Hagn auf dem Münchner Volksfest geprägt hat. Eine Welt, die inzwischen ganz weit weg scheint. Auch, aber nicht nur wegen Corona. 2019 hat der heute 82-Jährige die Oktoberfest-Geschäfte in die Hände von Tochter Stephanie Spendler gegeben. Der Abschied von der Wiesn: „Das war am Anfang nicht ganz leicht für mich“, räumt der langjährige Wirte-Sprecher ein. Aber dann kam ohnehin die Pandemie, die in den zwei vergangenen Jahren das Aus für die Wiesn bedeutet hat. „Ohne dass man etwas dagegen hätte tun können.“

Die Wiesn-Wirte Ludwig „Wiggerl“ Hagn und Toni Roiderer
Ex-Wiesn-Wirt Wiggerl Hagn (l.) neben Toni Roiderer. © Sabine Dobel/dpa

Deutlich leichter ist es dem Gastro-Urgestein gefallen, das zweite große Thema in seinem Leben in andere Hände zu geben: Die Wirtschaft Hirschau, die nun von seinem Enkel Lukas Spendler geführt und unter dem Namen 1804 ganz neu aufgestellt worden ist. „Man muss der Jugend die Chance geben, ihre eigenen Erfahrungen zu machen“, sagt das Familienoberhaupt. Klar, gibt er immer wieder einen Rat oder seine Sicht der Dinge mit all seinem Erfahrungsschatz weiter. „Im aktiven Geschäft bin ich aber nicht mehr dabei.“ Kaum gesagt, macht der sympathische Urbayer eine Pause und fügt an. „Ein Wirt geht aber nicht in Ruhestand.“ Er sei nun so etwas wie die graue Eminenz im Hintergrund, man findet ihn im Büro der Hirschau, wo er den Familienbetrieb unterstützt. „Es gibt ja immer etwas zu tun.“

Moderatorin Nina Ruge: Dank leerem Terminplan zum Bestseller-Buch

Kongresshallen mit großen Bühnen und spannende Live-Events: Das alles gehörte für Nina Ruge zum Alltag – vor Corona. „Ich habe zwar kein Fernsehen mehr gemacht“, sagt die langjährige „Leute heute“-Moderatorin. Dafür wurde sie oft für Kongresse und Veranstaltungen als Moderatorin gebucht. „Mein Kalender war voll“, erinnert sich die 65-Jährige. Dann kam die Pandemie* und brachte eine Stornierung nach der anderen. Für Nina Ruge, die freiberuflich arbeitet, eine völlig neue Situation.

Moderatorin Nina Ruge
Moderatorin Nina Ruge. © Ursula Düren/dpa

Heute weiß sie: Der leere Terminplan sollte sich für die Münchnerin als Geschenk erweisen. Als Corona ausbrach, arbeitete die Autorin gerade an ihrem 25. Buch. „Ich hatte die Zeit, mich richtig darin zu vertiefen.“ Mit Erfolg: „Altern wird heilbar: Jung bleiben mit der Kraft der drei Zellkompetenzen“ erschien im Juni 2020 und landete prompt in den Bestseller-Listen. Das Thema, das in Deutschland weitaus weniger groß ist als in anderen Ländern, trifft den Nerv der Zeit. Viele Leser meldeten sich bei der sympathischen Autorin. Ergebnis: Ein Jahr später brachte sie das Praxisbuch „Verjüngung ist möglich: Wissenschaftlich erforscht – was wirklich hilft“ heraus. Und landete wieder einen Bestseller. Aktuell arbeitet Nina Ruge schon am nächsten Buch. Sie nimmt virtuell an Fachkongressen teil, tauscht sich am Computer mit Ärzten und Wissenschaftlern aus. Ist voll im Thema. Eine andere Welt abseits des Glamours, in der sie Erfolge feiert.

Musiker Günther Sigl: „Mein Leben hat sich komplett verändert“

Musiker sein in Corona-Zeiten – kein leichtes Spiel. „Eigentlich bin ich ja seit zwei Jahren arbeitslos“, sagt Günther Sigl (74), Sänger der legendären Spider Murphy Gang. Zig Auftritte musste die Band in den vergangenen zwei Pandemie-Jahren absagen. „Mein Leben hat sich komplett verändert“, erklärt der Künstler. „Du musst aufpassen, dass du nicht komplett lethargisch wirst. Jeder Tag ist irgendwie auswechselbar.“ Wie so viele Menschen verbringt auch Sigl mehr Zeit alleine. „Wenn ich morgens aufstehe, gehe ich meistens gleich mal eine Runde Power-Walken. So bewege ich mich wenigstens regelmäßig.“ Oft sitzt der Musiker dann ab dem Nachmittag in seinem eigenen Studio im Keller seines Hauses und tüftelt an neuen Songs. „Oder ich spiel ein bisserl direkt an meiner Eckbank oben.“

Musiker Günther Sigl
Musiker Günther Sigl. © Matthias Balk/dpa

Natürlich trifft sich auch die ganze Band ab und an zu Proben. „Wir sind ja alle geimpft. Da ist das Risiko kleiner. Aber in meinem Alter schaust du natürlich, dass du dir den Virus ja nicht einfängst.“ Was der Musiker noch für sich neu entdeckt hat in dieser Isolationszeit: das Internet und ganz besonders YouTube. „Da schau ich dann abends oft stundenlang alte Aufnahmen von Elvis oder den Shadows an. Eine tolle Sache und sehr inspirierend.“ Aber selbst live vor Publikum zu spielen – dafür gibt es keinen Ersatz. „Ich hoffe jetzt, dass die Virus-Lage im Sommer wieder besser wird und wir wieder Konzerte geben können“, so Sigl. „Weil das unser aller Lebenselixier ist.“ *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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